Fast einstimmiges Votum Kreis will sich nicht einmischen

Der Umweltausschuss des Kreistags behandelt die Online-Petition "Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet Ebersberger Forst". Doch Rückenwind bekommen die Gegner der Umfahrung und des Windparks nicht

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Im Januar hatten die Beteiligten die Petition an den Landrat übergeben: Von links: Richard Straub (Landesbund für Vogelschutz), Kerstin Mertens (Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst), Ludwig Seebauer (Initiative St 2080), Landrat Robert Niedergesäß, Catrin Dietl (Landschaftsschutz Ebersberger Land).

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Sektkorken dürften nicht geknallt haben, als die Initiatoren der Online-Petition "Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet Ebersberger Forst" am Dienstag nach der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags wieder daheim waren: Zwar hat das Gremium die Online-Petition behandelt und die Argumente "mit Respekt" zur Kenntnis genommen - ändern wird das aber rein gar nichts. Weder wird sich der Kreis in die Debatte um die Umgehungsstraße von Schwaberwegen durch den Forst einmischen, noch legt er zum jetzigen Zeitpunkt die Pläne für einen Windpark im Wald ad acta.

Die Gegner des Windparks und der Umgehung hatten seit Oktober 2017 im Internet Stimmen für ihre Petition gesammelt, durchaus mit Erfolg: Mehr als 9000 Menschen unterschrieben, davon 7000 aus dem Landkreis. Ludwig Seebauer, der Sprecher der Initiativen, die hinter der Petition stehen, warb auch im Ausschuss noch einmal dafür, den Forst so zu lassen, wie er jetzt ist und keine Eingriffe zu erlauben. Denn jeder könnte, so Seebauer, ein Präzedenzfall sein. "Wehret den Anfängen!", betonte er. Für die Umgehung müsse man sich Alternativen einfallen lassen, auch Windräder werde man sicher brauchen für die Energiewende, nur eben an anderen Orten, so der Sprecher der Bürgerinitiativen.

Zwei Interessenslagen stoßen aufeinander: Die einen wollen den Forst schützen, ...

(Foto: Korbinian Eisenberger/oh)

Es gibt auch Sympathien für die Umgehungsgegner

Doch auch die andere Seite kam zu Wort: Carl Teine von der Bürgergruppe "Schwaberwegen/Moos" erinnerte daran, dass die Anwohner der Staatsstraße 2080 in Schwaberwegen schon seit Jahrzehnten für eine Entlastung kämpfen. Auch verschiedene Varianten einer Umgehung seien seitdem untersucht worden. Für den nun geplanten Eingriff seien umfangreiche Kompensationsmaßnahmen geplant, er sei daher ein guter Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Schwaberwegener einerseits und den Interessen der Naturschützer andererseits.

Landrat Robert Niedergesäß (CSU) äußerte Verständnis für beide Parteien, machte aber auch sehr deutlich, dass der Kreis die einstimmige Entscheidung des Forstinninger Gemeinderats für die Umgehung akzeptiert. Ohnehin werde eine umfangreiche Prüfung aller Argumente noch im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens erfolgen.

... die anderen wollen Schwaberwegen vom Verkehr entlasten.

(Foto: Christian Endt)

Auch eine endgültige Entscheidung, ob der Windpark im Forst überhaupt realisiert wird, sei noch nicht gefallen, unterstrich der Landrat. In einem ersten Gutachten werde derzeit geprüft, ob so ein Vorhaben an dieser Stelle überhaupt realistisch sei. Erkenntnisse dazu seien im Herbst zu erwarten. Sollte das erste Gutachten positiv für den Windpark ausfallen, folgen zunächst vertiefende Untersuchungen und Beratungen in den zuständigen Kreisgremien und - sollte dies möglich sein - ein Bürgerentscheid auf Landkreisebene.

Einige Kreisräte äußerten grundsätzliche Sympathien für die Gegner der Umgehungsstraße, Philipp Goldner von den Grünen schlug als Alternative eine Nord-Süd-Verbindung bei Albaching vor - um postwendend einen verständnislosen Kommentar von Ludwig Maurer (FW), Kreisrat und Bürgermeister von Hohenlinden, zu ernten: "Das Angebot, dass wir den Verkehr Richtung A 94 übernehmen sollen, lehnen wir dankend ab."

Martin Lechner (CSU) stellte sich auf die Seite der Anwohner in Schwaberwegen, die auf Entlastung hoffen. Im Übrigen sei es nicht richtig, wie es von den Kritikern der beiden Projekte immer wieder angeführt werde, dass der Forst seit 200 Jahren unberührt dastehe, betonte Lechner. Zum einen habe große Teile des Walds Ende des 19. Jahrhunderts der Nonnenfalter zerstört, zum anderen seien auch Straßen gebaut worden. Schon allein der Radweg zwischen Ebersberg und Schwaberwegen habe mehr Fläche verbraucht als die nun geplante Umgehung. An Seebauer gewandt sagte Lechner, er könne doch die vielen Unterstützer der Petition dazu bewegen, in ihren eigenen Gemeinden für den Bau von Windrädern zu werben - dann könne der Forst möglicherweise frei davon bleiben.

Letztlich schlossen sich die Kreisräte mehrheitlich dem Vorschlag des Landrats zur Nichteinmischung bei der Umgehung und weiteren Prüfung des Windpark-Projekts an. Lediglich der parteilose Kreisrat Vincent Kalnin stimmte dagegen.