Wie schön, wenn dieses Beispiel Schule machen würde! Wenn also Russlands Präsident Wladimir Putin einsähe, dass es ein „rechter Schmarrn“ war, dass er in die Ukraine einmarschiert ist, oder wenn US-Präsident Donald Trump feststellen würde, dass ihm bisher leider der Durchblick gefehlt habe und er sich jetzt nicht mehr wie ein verhaltensauffälliger Dreijähriger aufführen wolle. Und zwar alles deshalb, weil sie auf den Themenwagen der Faschings- und Karnevalsumzüge nicht so gut weggekommen sind.
Diese Reaktionen lassen freilich noch auf sich warten, während Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß (CSU) nun von den Ebersberger Narren zu einer Kurskorrektur motiviert wurde: Weil er beim Faschingszug in der Kreisstadt dafür veräppelt worden war, will er einen Sparbeschluss wieder einkassieren.

Konkret geht es um die sommerliche Grundreinigung an den Schulen des Landkreises inklusive Fensterputzen, die sich der Kreistag aus Kostengründen ausnahmsweise und einmalig sparen wollte. 178 000 Euro wären das gewesen, angesichts der Tatsache, dass der Kreis inzwischen jährlich mehrere Millionen für die Kreisklinik zuschießen muss und die Schulden von derzeit gut 60 Millionen bis 2028 auf 146 Millionen Euro steigen werden, keine gewaltige Summe, aber im Kreistag recht unumstritten. Darauf weist der Landrat selbst in einer Pressemitteilung hin: „Sachliche Kenntnisnahme, keine Gegenrede, keine Kritik, kein Antrag, kein empörter Zwischenruf zum Schutz der schulischen Transparenz, keine Wortmeldung – kollektive Ruhe.“
Aber was ist schon ein Kreistag gegen den Laufinger Stammtisch? Der hat sich ebenfalls mit dem Fensterputzen befasst und es zum Thema seines Wagens beim Ebersberger Faschingsumzug gemacht. „Je höher die Schule, desto weniger Durchblick“, war da zu lesen. Zu sehen war auch der Engel Aloisius, der dem Landrat die Ohren langzog. Diesem gefiel sein Konterfei hinter getrübten Fenstern auf dem Faschingswagen gar nicht, wie er mitteilt, und ist nicht zuletzt deshalb nun zu eben jener Erkenntnis gekommen, dass der Fensterputz-Sparbeschluss „ein rechter Schmarrn“ gewesen sei.
Und siehe da: Auch das Geld fürs Fensterputzen scheint jetzt da zu sein. Über Zinssicherungsinstrumente seien 2025 ungeplant Mehreinnahmen von mehr als 100 000 Euro erzielt worden, „die nun eingesetzt werden können, um sowohl den klaren Blick aus dem Klassenzimmer als auch das klare Gewissen aller Beteiligten zu sichern“, wie es aus dem Landratsamt heißt. Er werde diesen Vorschlag dem zuständigen Ausschuss in der nächsten Sitzung unterbreiten und gehe von „kollektiver Zustimmung und Erleichterung aus“. Diese Einschätzung könnte allerdings etwas zu optimistisch sein: Der Grünen-Landratskandidat Thomas von Sarnowski hat die Volte bereits als „Wahlkampfmanöver“ bezeichnet und angedeutet, dass der Kreistag bei der Verwendung von Mehreinnahmen doch gern mitreden würde.
Die Faschingsfreunde dürften unterdessen über ihre eigene Macht staunen, und sollten vielleicht überlegen, die Kreispolitik zu ihrem Geschäftsmodell zu machen.

