Faschingsvarieté des TSV Grafing "Wer nicht derbleckt wird, der ist halt nicht wichtig genug"

Hermann Holzmann, einer der Grafinger Faschingsclowns, erzählt über seine Arbeit

Interview von Thorsten Rienth

"Es gab einmal einen Bürgermeister, der ist wegen uns überhaupt nicht mehr zum Varieté gekommen."

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Als Wiggal, Giagl und Ferdl sind die drei Clowns der beliebte Side-Kick zwischen den Sporteinlagen beim Faschingsvarieté des TSV Grafing. Einer dieser Spaßmacher ist Herman Holzmann. Er ist seit Jahren im Geschäft und weiß, wie man sich am besten auf den Auftritt vorbereitet: Vor allem müsse man mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt laufen. Im Interview verrät Holzmann außerdem, warum Grafing ein dankbarer Ort für einen Clown ist.

SZ: Bei Ihnen ist immer Fasching, oder?

Hermann Holzmann ist einer der Spaßmacher beim Faschingsvarieté des TSV Grafing.

(Foto: Christian Endt)

Hermann Holzmann: Das kann man tatsächlich so sagen. Sobald das Varieté zu Ende ist, fangen wir damit an, Artikel aus den Lokalzeitungen zu sammeln. Mit dem Start nach den Sommerferien treffen wir uns einmal die Woche zur Probe. So ein Varietéabend dauert bis zu vier Stunden. Da braucht man einiges an Stoff.

Daran dürfte es Ihnen ja in Grafing kaum mangeln...

Ich will mich nicht beschweren. Neue Kreisverkehre, an denen man sich als Einheimischer erst einmal verfährt, gehen immer. In diesem Jahr ist natürlich das Hin- und Her um den Weihnachtsmarkt ein Thema. Viel wichtiger ist aber letztendlich die Mundpropaganda: Dass uns irgendwer eine lustige Geschichte über irgendwen steckt. Sachen halt, die Sie nicht wissen, und deshalb nicht in die Zeitung schreiben können.

Zum Beispiel?

Vor ein paar Jahren haben wir mitbekommen, dass eine Stadträtin mit ihrem Auto in die Waschanlage gefahren ist. Als das Tor wieder aufging, war im Auto alles ganz nass. Sie hatte wohl Probleme mit dem Fensterheber. Natürlich haben wir ihr dafür ein nettes Lied geschrieben.

Wie reagieren die Lokalpolitiker auf das Derblecken?

Das kommt darauf an. Es gab einmal einen Bürgermeister, der ist wegen uns überhaupt nicht mehr zum Varieté gekommen. Andere nehmen es mit Humor und freuen sich, wenn sie es ins Programm geschafft haben. Ein bisschen ist das ja immer auch eine Ehre: Wer nicht derbleckt wird, der ist halt nicht wichtig genug.

Was ist schwieriger: die Texterei oder die Musik?

Wir sind zu dritt - aber nur einer kann wirklich spielen. Mit den Jahren entwickelt man eine gewisse Professionalität darin, dieses Nicht-Spielen-Können überspielen zu können. Als Melodien nehmen wir einfach Volkslieder, Schlager oder Filmmusik. Das ist machbar, weil wir auch einen guten Gitarristen haben. Die Herausforderung liegt klar auf den Texten und dem gemeinsamen Singen. Es soll ja auch gut klingen. Witzig wird's, wenn's wehtut. Aber es ist immer eine Gratwanderung, ab wann es "too much" wird, wie der Bayer gerne sagt.

Bekommen Sie vom Varieté selbst eigentlich irgendetwas mit?

Und ob! Wir sind ja nur die Pausenfüller für die Umbauten. Bei den wirklich wichtigen Auftritten, also allen außer uns, sitzen oder stehen wir auf der Empore. Ich finde, es ist ganz großes Kino, was alle Mitwirkenden vor und auch hinter der Bühne da auf die Beine stellen!

Vorverkaufskarten für die Varieté-Aufführungen am 22., 23. und 24. Februar gibt es am Samstag, 16. Februar, zwischen 8.30 Uhr und 10.30 Uhr in der Stadthalle - und am Montag (18.), Mittwoch (20.) und Donnerstag (21.) von 9 bis 13 Uhr sowie am Dienstag (19.) von 16 bis 20 Uhr in der Geschäftsstelle des TSV Grafing am Stadion.