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Landkreis Ebersberg:Fahrradstraße zwischen Glonn und Moosach vom Tisch

Teile des Damms werden bereits seit längerem als Radweg genutzt, nun soll die Strecke ausgebaut werden. Auf der Staatsstraße zwischen Glonn und Moosach haben Radler auch künftig keinen Vorrang.

(Foto: EBE)

Es hätte ein in Bayern einzigartiges Projekt werden können. Stattdessen soll nun eine herkömmliche Variante her.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Die Worte waren mitunter recht groß im Vergleich zur eher überschaubaren Wegstrecke, über die sie geäußert worden sind. In der Debatte um eine geplante, rund einen Kilometer lange Radverbindung zwischen den Gemeinden Moosach und Glonn war unter anderem von einer "Glaubensfrage" die Rede. Andere sahen in der Entscheidung, ob die Trasse über die Staatsstraße 2351 oder über den angrenzenden ehemaligen Bahndamm verlaufen solle, einen grundsätzlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilitätswende. Seit Mittwochnachmittag ist klar, dass der Straßenabschnitt im Landkreissüden weiterhin auch den Autofahrern gehört. Einem möglichen Pilotprojekt einer Fahrradstraße erteilte der Umweltausschuss des Kreistags eine Absage.

Diese Entscheidung der Ausschussmitglieder, die einen entsprechenden Antrag von Grünen, SPD sowie der Ausschussgemeinschaft ÖDP/Die Linke mit zehn zu fünf Stimmen abgelehnt haben, bedeutet im Umkehrschluss, dass der Radverkehr zwischen Glonn und Moosach künftig über den ehemaligen Bahndamm geleitet werden soll - zumindest soweit das möglich ist. Denn ein vollwertiger Radweg wird dort nicht entstehen, wie auch Landrat Robert Niedergesäß (CSU) in der Sitzung sagte. Der Bahndamm sei vielmehr ein Kompromiss, für Rennräder sei dieser sicherlich nicht geeignet. "Es war nie unser Plan, dass dort asphaltiert wird", so der Landrat. Vielmehr solle die Trasse, die durch ein Naturschutzgebiet verläuft, so hergerichtet werden, dass Fahrradfahrer sie ohne Probleme passieren können.

Deutlich angenehmer ließe es sich allerdings auf der unweit vom Bahndamm entfernten Staatsstraße radeln, so die Sichtweise der Antragsteller, die die Strecke gerne in eine Fahrradstraße umgewandelt hätten. Autos hätten den Abschnitt zwar weiterhin passieren dürfen, allerdings nur mit maximal 30 Kilometern pro Stunde und unter besonderer Rücksicht auf die Radler. Ein solches Modell wäre das erste seiner Art in Bayern geworden, denn eine außerörtliche Fahrradstraße gibt es bisher nirgends im Freistaat. Ein Prüfauftrag sollte deshalb die Umsetzbarkeit klären.

Um ihren Antrag zu stützen, führten die vier Parteien zwei Argumente ins Feld: Der Bahndamm würde als schützenswertes Biotop nicht beeinträchtigt werden, die Variante auf der Staatsstraße hingegen sei auch attraktiv für Schüler und Berufspendler. Hintergrund ist, dass der Abschnitt zwischen Glonn und Moosach nur ein kleiner Teil einer etwa zehn Kilometer langen Fahrradtrasse vom Landkreissüden nach Grafing-Bahnhof ist.

Genau dorthin würden Tag für Tag viele Pendler fahren, wie Ilke Ackstaller (Grüne) sagte. "Es geht deshalb nicht um einen schönen, netten Radweg, sondern um einen, der alltagstauglich ist." In eine ähnliche Richtung äußerte sich Renate Glaser (ÖDP): "Angebot schafft Nachfrage", sagte sie in der Hoffnung, dass durch eine attraktive Verbindung mehr Pendler vom Auto auf das Fahrrad umsteigen. "Haben wir den Mut für eine echte Verkehrswende?", fragte Glaser deshalb ihre Ratskollegen.

Mut hin oder her, in jedem Fall hatten diese ihre eigenen Argumente im Gepäck, die sich mit der Sichtweise der Antragsteller nur schwer vereinen ließen. So sagte etwa Josef Oswald (CSU), der als Glonner Bürgermeister unmittelbar von dem Projekt betroffen ist, die Bürger hätten kein Verständnis dafür, dass eine so wichtige Verbindungsstraße faktisch für den Verkehr gesperrt würde. Außerdem würden in ganz Deutschland Bahndämme als Radwege umfunktioniert, "warum soll das ausgerechnet bei uns nicht gehen?"

Martin Lechner (CSU) brachte auch den Sicherheitsaspekt ins Spiel, gerade für Familien sei es deutlich ungefährlicher, auf dem Bahndamm zu radeln als auf der Straße. Die von Glaser aufgeworfene Grundsatzfrage zur Verkehrswende wollte schließlich Alexander Müller (FDP) so nicht gelten lassen. Gerade im ländlichen Raum seien die Leute nun mal mit dem Auto unterwegs. "Da wird das Kfz vorherrschendes Verkehrsmittel bleiben, um von A nach B zu kommen." Deshalb müsse auch die Staatsstraße bleiben, wie sie ist. Das, so Müller, sei auch die überwiegende Meinung der Bürger, mit denen er gesprochen habe.

Zumindest diese Menschen dürften sich nun also über den Beschluss des Umweltausschusses freuen. Der sieht neben der Ablehnung zur Prüfung einer Fahrradstraße vor, dass zwischen Grafing-Bahnhof und Glonn eine Radverbindung geschaffen werden soll - inklusive eines radtauglichen Naturweges im Abschnitt zwischen Glonn und Moosach. Damit ist nun eine Grundlage für die weitere Planung gegeben, gebaut ist die Trasse aber noch lange nicht. Laut Landrat Niedergesäß jedenfalls werde das Thema den Kreis noch länger beschäftigen.

© SZ vom 26.11.2020/koei
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