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Exkursion für Landwirte:Lehrstunde im Kuhstall

Anna und Florian Schechner vom Steindlhof in Sigersdorf verkaufen das Fleisch ihrer Angusrinder im eigenen Hofladen. Beim Oberbayerischen Direktvermarktertag geben sie anderen Landwirten Tipps

Der kleine Ziegenbock Xaver, der vom Sohn des Hofes an einer Leine geführt wird, erheitert die etwa 50 Gäste sehr. Doch eigentlich geht es um Rinder: Im Rahmen des Oberbayerischen Direktvermarktertages zeigen Anna und Florian Schechner ihren Hofladen und die Rinderzucht auf dem Steindlhof in Sigersdorf bei Ebersberg - und bieten künftigen Direktvermarktern Anregungen und Tipps.

Die Familie Schechner produziert hauptsächlich Fleisch- und Wurstwaren vom Angus-Rind, die ausschließlich auf dem Hof direkt vermarktet werden. "Bei uns kann der Verbraucher genau sehen, wo das Fleisch herkommt", sagt Anna Schechner. Um zum Hofladen zu gelangen, muss man zwangsläufig am Rinderstall vorbeigehen und hört das Vieh. Das erzeugt eine Transparenz, der sich auch die Betreiber bewusst sind. "Wir können nicht lügen, weil wir können ja nichts verstecken", erklärt Anna Schechner.

Mehr als 80 Angusrinder werden auf dem Steindlhof gehalten.

(Foto: Christian Endt)

Das Ehepaar hat den Betrieb von den Eltern von Florian Schechner im Jahr 2016 übernommen. Im 2017 haben sie dann den Hof ausgebaut und den Hofladen etabliert. Die Angusrinder-Zucht hat der Vater von Florian Schechner schon vor 24 Jahren aufgenommen. Die Milchviehhaltung lief nicht mehr so gut, und so kam der Vater auf die Idee, Rinder zu kaufen. "Er hat dann erst mal zehn Stück gekauft und dann haben wir erst geschaut, wo wir sie unterbringen", erzählt Schechner. Die Zahl der Rinder hat sich von den anfänglichen zehn auf jetzt mehr als 80 erhöht.

Das Fleisch ist nur im eigenen Hofladen zu haben - bestellen kann man es aber über das Internet.

(Foto: Christian Endt)

Geschlachtet werden 23 dieser Rinder pro Jahr. Alle zwei Wochen wird ein Tier zum Schlachter nach Forstseeon gefahren, und nach zwei Tage kommen dann die Hälften zurück auf den Hof, wo sie von einem angestellten Metzger in fertige Schnitte zerteilt werden. Mit Stolz zeigt Anna Schechner den Zerlegeraum, in dem sonst der Metzger zu Gange ist. Die Teilnehmer des Rundganges fragen, wie die Schechners Abstrichproben von ihrem Fleischwolf für das Hackfleisch nehmen oder wie sie an die Einrichtung gekommen sind. Vieles stammt aus der Insolvenzmasse eines anderen Hofladens, gibt Anna Schechner zu, aber es gebe auch Dinge, bei denen "man in den sauern Apfel beißen muss". Beispielsweise die Kühlung musste neu sein, damit sie gut funktioniert und energieeffizient ist. Über das Internet und per Telefon kann Fleisch vorbestellt werden. Was dann übrig bleibt kommt in die Ladentheke des Hofladens. Verschickt wird das Fleisch nicht, Anna Schechner ist Regionalität sehr wichtig: "Ich will das die normale Mittelstandshausfrau aus dem Landkreis hier einkauft. Es ergibt keinen Sinn, Fleisch nach Berlin zu verschicken, das hat nichts mehr mit unserem Konzept zu tun." Dennoch sagt sie, dass sie auf die Bestellungen aus dem Internet nicht mehr verzichten können.

Anna Schechner - hier mit Tochter Antonia - erläutert den interessierten Besuchern ihre Direktvermarktung.

(Foto: Christian Endt)

Der Rahmen des Direktvermarktertags ist ein Workshop, der es erleichtern soll einen eigenen Hofladen oder andere Formen der Direktvermarkt vom Bauernhof aufzubauen. Der Steindlhof dient im Programm als ein funktionierendes Beispiel. Die Interessierten löchern Schechner mit Fragen zu ihrem Kartenzahlsystem oder ihrem Sortiment. Im Hofladen gibt es neben dem Fleisch auch Eier und Nudeln vom Hof oder Kartoffeln aus dem Nachbarort und Gewürze von einem kleinen Betrieb aus Rosenheim, die eingekauft werden. Anna Schechner erklärt, dass sie generell versucht, wenige Lagerbestand zu haben und dass sie ihr Sortiment Stück für Stück aufgebaut hat. Man merkt, dass die Landwirtin auch eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau absolviert hat. Sie sagt, dass sie selbst immer auf der Suche nach neuen Produkten ist, dabei aber sehr vorsichtig ist und nur kleine Mengen einkauft.

Mit Florian Schechner geht es dann zum Stall, der nur zwanzig Meter vom Eingang zum Hofladen entfernt ist. Der Landwirt erklärt die Fütterung der Tiere. Etwa, dass sie kein Kraftfutter bekommen, weil sonst das Fett im Fleisch gelb werde und die Qualität darunter leide. Im Winter wird Heu und Gras verfüttert, im Sommer weiden die Tiere. 35 Mutterkühe hat der Betrieb. Die für die Schlachtung vorgesehenen Deutsch-Angus-Rinder werden eineinhalb bis zwei Jahre aufgezogen, bevor sie geschlachtet werden. Der Landwirt beantwortet die Fachfragen seines Publikums nach dem Fütterungssystem oder die Trennung der Tiere im Gruppen. Auch zeigt er stolz seinen "Besamer", den Stier, der für die Befruchtung zuständig ist. Alle drei Jahre wird dieser ausgetauscht. Zu seinem jetzigen sagt Schechner: "Der hat dieses Jahr seinen letzten Sprung."

Hauptberuflich kann die Familie den Hof, in seiner aktuellen Form, nicht betreiben, aber die Direktvermarktung steht auf wirtschaftlich soliden Beinen. Florian Schechner arbeitet darüber hinaus als Bauplaner und hat sein Büro im Haus auf dem Hof. Der Beruf habe sich beim Umbau des Hofes als sehr hilfreich erwiesen, sagt Anna Schechner. Sie ist gerade in Elternzeit und kümmert sich um die zwei Kinder des Paares.