Die Grünen sind die großen Verlierer der Europawahl im Landkreis Ebersberg, sie werden von den Wählerinnen und Wählern massiv abgestraft: Nach dem Triumph von 2019, als die Ökopartei 22,8 Prozent der Stimmen erhielt, fallen sie auf 15 Prozent, das liegt knapp unter dem Ergebnis von 2014. Dennoch – das ist der Unterschied zum bundesweiten Ergebnis – bleiben sie auf Platz zwei hinter der CSU. Die AfD legt zwar auch im Landkreis zu, kann den grünen aber diese Position nicht abjagen, sie kommt mit 9,3 der Stimmen auf Platz drei im Landkreis. Ebenfalls ein Unterschied zum bundesweiten Ergebnis: Die beiden anderen Ampelparteien gehen stabil aus der Ebersberger Europawahl, sowohl die SPD als auch die FDP können sogar leicht zulegen.
Und auch die Vaterstettener Europaabgeordnete Angelika Niebler (CSU) kann aus ihrer Sicht mit dem Wahlabend zufrieden sein. Die CSU erreichte im Landkreis 39,7 Prozent und verbesserte somit ihr Ergebnis von 2019 nochmals leicht, damals war sie auf 39 Prozent gekommen. Mit der Sorge, dass sie möglicherweise ihr Büro in Brüssel bald räumen muss, ist die 61-Jährige sicher ohnehin nicht in den Wahlabend gegangen – war sie doch mit einer hervorragenden Platzierung auf der CSU-Liste gestartet: Auf Position zwei auf dem Wahlzettel war sie zu finden – direkt hinter Spitzenkandidat Manfred Weber. Innerhalb der CSU genießt sie großen Rückhalt, was auch ihre Nominierung im November 2023 zeigte: 96,8 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen hatte sie damals erhalten – das beste Ergebnis aller 46 Kandidaten, die sich für die CSU-Europaliste beworben hatten.

Europawahl 2024:So hat der Landkreis Ebersberg 2019 gewählt
Wie gehen die Parteien im Landkreis Ebersberg ins Rennen? Und wie stimmen die Menschen hier im Vergleich zu ganz Deutschland ab? Die Ergebnisse der EU-Wahl in Grafiken und Karten.
Niebler wird somit ihre sechste Amtszeit im Europaparlament antreten, 1999 war sie erstmals gewählt worden. Damals waren es freilich noch andere Zeiten, die CSU fuhr Ergebnisse ein, von denen sie heute nur noch träumen kann: 65,48 Prozent der Wählerinnen und Wähler im Landkreis Ebersberg machten bei der Europawahl vor 25 Jahren noch ihr Kreuzchen bei der CSU. In den darauffolgenden Jahren verlor die CSU teils drastisch: auf 56,4 Prozent, 47,7 Prozent und schließlich sogar 38,1 Prozent im Jahr 2014 – der historisch schlechteste Wert für die CSU. 2019 legte sie wieder leicht zu, auf 39 Prozent.
Der Abwärtstrend bei der SPD ist gebrochen
Für die SPD hingegen ging es bei den vergangenen Europawahlen nur in eine Richtung: abwärts. Dieser Trend ist jetzt gebrochen, das Ergebnis ist stabil geblieben. Bei der aktuellen Wahl landete sie bei 8,7 Prozent, das entspricht in etwa dem Ergebnis von 2019. Zuletzt waren die Sozialdemokraten im Jahr 2014 im deutlich zweistelligen Bereich gelegen und hatten 18,2 Prozent der Stimmen eingefahren, bevor 2019 der große Absturz auf nur noch 8,6 Prozent kam.
Die an sich im Landkreis erfolgsverwöhnten Grünen müssen einen herben Dämpfer erleben, nicht nur landkreisweit, sondern auch in ihren Hochburgen. 26,9 Prozent der Grafinger hatten ihnen noch 2019 ihre Stimme gegeben, diesmal waren es nur noch 18,8 Prozent. In Poing fielen sie von 24,7 auf 15,1 Prozent, in Ebersberg von 24,3 auf 16,5 Prozent. Allerdings hatte sich schon bei der Landtagswahl im Herbst 2023 abgezeichnet, das für die Ökopartei die Zeiten der positiven Rekorde wohl vorbei ist, damals kamen sie landkreisweit aber immerhin noch auf 17,9 Prozent.
Wie auch in ganz Deutschland gehört die AfD zwar auch im Landkreis Ebersberg zu den Gewinnern der Wahl, allerdings ist der Zuwachs hier deutlich geringer als im Bundesvergleich – ein zweistelliges Ergebnis verpasste sie knapp und kam auf 9,3 Prozent. 2014 war die AfD erstmals bei einer Europawahl angetreten und hatte aus dem Stand im Landkreis 8,7 Prozent der Stimmen geholt. Nach einem Zwischentief im Jahr 2019 – damals lag sie bei sieben Prozent – hat sie diesmal wieder zugelegt.

