Europawahl 2019 Die SPD stürzt ab

Gute Laune bei der Stimmabgabe: Angelika Niebler mit Mann Michael und den Söhnen Daniel und Alexander, links Wahlhelfer Jo Neunert.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Landkreis werden nur CSU und Grüne in allen 21 Kommunen zweistellig. Die Sozialdemokraten verlieren mehr als die Hälfte ihrer Stimmen. Die AfD schneidet etwas schwächer ab als 2014.

Von Wieland Bögel und Barbara Mooser, Ebersberg

Bei der Europawahl folgen die Landkreisbürger dem bundesweiten Trend: Die SPD verliert dramatisch, die CSU kann sich stabilisieren, und die Grünen fahren ein Rekordergebnis ein, sie werden klar zweitstärkste Partei. "Das ist Wahnsinn", kommentierte stellvertretende Landrätin Waltraud Gruber (Grüne) den Erfolg ihrer Partei. Die Themen Umwelt, Energiewende und Klimawandel hätten die Wähler mobilisiert, die Grünen seien nun keine kleine Partei mehr, sondern eine Partei mit großer Verantwortung. Als "sehr schönes Ergebnis" wertete auch die bisherige und künftige Europaabgeordnete Angelika Niebler von der CSU den Wahlausgang, der ihr voraussichtlich zwei CSU-Kollegen mehr als bisher im Parlament beschert. Sehr positiv sei aber auch die hohe Wahlbeteiligung, die zeige, dass den Menschen die Bedeutung Europas und seines Parlaments bewusst sei.

Tatsächlich gab es im Landkreis einen Rekord bei der Wahlbeteiligung, insgesamt lag sie bei 68,7 Prozent, vor vier Jahren hatte nicht einmal jeder Zweite, vor acht Jahren ganz knapp 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben. In zahlreichen Kommunen, darunter die beiden Städte Ebersberg und Grafing, sowie die Großgemeinde Vaterstetten, lag die Beteiligung sogar bei mehr als 70 Prozent. Auch in vielen anderen Gemeinden scheint die Europawahl mobilisierend gewirkt zu haben: Fast 74 Prozent der Wähler gaben in Zorneding ihre Stimme ab, in Vaterstetten waren es gut 73 Prozent, in Oberpframmern mehr als 72 Prozent.

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Zugute gekommen sind diese Stimmen vor allem zwei Parteien, der CSU und den Grünen, erstere erzielten 39, letztere 22,8 Prozent. In allen 21 Landkreisgemeinden hat mindestens die Hälfte der Einwohner entweder Schwarz oder Grün gewählt. Die CSU kam in Frauenneuharting und Emmering sogar über die 50-Prozent-Marke, die Grünen punkteten besonders in Grafing, Zorneding und Poing, wo sich je etwa ein Viertel der Wähler für die Ökopartei entschied.

Die SPD erreicht nur in Markt Schwaben ein zweistelliges Ergebnis

Katastrophal verlief der Urnengang indes für die SPD, sie kam landkreisweit mit 8,6 Prozent gerade einmal auf den dritten Platz - und das knapp. In einer einzigen Gemeinde, in Markt Schwaben, reichte es für ein zweistelliges Ergebnis: 10,5 Prozent der Stimmen. Dagegen wurden die Sozialdemokraten in zehn der 21 Landkreiskommunen nicht einmal Dritte, drei Mal langte es nur für Platz fünf und in Emmering wurde die SPD mit 3,4 Prozent sogar nur Siebter. Überrascht vom schlechten Abschneiden der SPD ist Albert Hingerl, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag und Bürgermeister der früheren SPD-Hochburg Poing, nach eigenen Angaben aber nicht. Der Trend der vorangegangenen Wahlen setze sich fort, der SPD gelinge es momentan nicht, ihren Platz zu finden. Einen Beitrag dazu könnte nach Einschätzung Hingerls die große Koalition geleistet haben, die eine Erneuerung innerhalb der SPD verhindert habe. "Aber wir werden nicht verzagen, auf keinen Fall", versichert Hingerl. "Ich bin optimistisch, dass unsere Zeit wieder kommt", vielleicht gebe es schon bei den Kommunalwahlen 2020 eine Trendwende.

Weitgehend stabil, aber etwas schwächer als 2014 präsentierte sich dagegen die AfD, sie büßte landkreisweit rund 1,7 Prozentpunkte ein und kam noch auf knapp sieben Prozent. In sieben Gemeinden wurden die Rechtspopulisten drittstärkste Kraft, ihr bestes Ergebnis erzielten sie in Aßling mit 9,3 und in Forstinning mit neun Prozent. Gäbe es jedoch eine Fünf-Prozent-Hürde, hätten sie diese lediglich in Baiern verfehlt, wo die Partei mit 4,2 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis einfuhr.

Die Linke liegt knapp über der Satire-Partei "Die Partei"

Auch bei den übrigen kleinen Parteien bewegen sich die Ergebnisse in etwa auf dem Niveau der vergangenen Europawahlen: Etwas mehr als einen Prozentpunkt auf nun 4,8 zulegen können die Freien Wähler, sie können sich sowohl in den ländlichen Gemeinden, wie auch in den großen Kommunen entlang der S-Bahn verbessern. Ähnlich geht es der ÖDP, diese verbucht zwar etwas weniger Zuwachs als die Freien Wähler, kann ihr Ergebnis von 2014 aber doch etwas verbessern und landet bei 3,6 Prozent. Für die FDP gibt es diesmal ebenfalls ein etwas besseres Ergebnis: 4,1 Prozent, 0,3 Prozentpunkte mehr als 2014. Umgekehrt geht es der Linkspartei, sie verliert 0,4 Punkte und kommt noch auf 1,9 Prozent. Damit liegen die Linken nur knapp über der Satire-Partei "Die Partei" mit 1,8 Prozent. Ansonsten kommen im Landkreis lediglich die Bayernpartei mit 1,3 und die Tierschutzpartei mit 1,1 Prozent auf mehr als ein Prozent der Wählerstimmen - am schlechtesten schnitten die Marxistisch-Leninistische-Partei und die Sozialistische Gleichheitspartei ab, sie bekamen jeweils vier Stimmen.

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