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Erneuerbare Energie:Ein Ofen für alle

Im Örtchen Mailing soll ein Nahwärmenetz gebaut werden

Der große Kachelofen ist ein beliebtes Klischee, wenn sich der Städter den Winter auf dem Dorf vorstellt. Auch im Dorf Mailing nordöstlich von Ebersberg wird bald ein neuer großer Ofen gebaut, wenn auch ohne Kacheln. Stattdessen soll in dem Ort ein Nahwärmenetz entstehen, das komplett mit erneuerbarer Energie betrieben wird.

Im Ferienausschuss des Stadtrates stand nun der Bauantrag für eine neue Halle, in der die Heizanlage untergebracht werden soll, auf der Tagesordnung. Derzeit steht auf dem Grundstück ein etwa 100 Jahre alter Stadel, der wegen seines Zustandes ohnehin erneuert werden müsste, so die Einschätzung des Bauamtes. Dass stattdessen eine Heizzentrale gebaut wird, liegt daran, dass auch die Heizung für das Wohnanwesen in die Jahre gekommen ist. Genau wie bei einigen Nachbarn.

Darum seien der Antragsteller und seine Nachbarn auf die Idee gekommen, eine Biomasseheizung plus Nahwärmenetz zu errichten. Geheizt werden soll mit Hackschnitzeln, die laut Sachvortrag zum Großteil im Forst des Antragstellers gewonnen werden könnten. Energieeffizient soll auch der Betrieb der Anlage werden, so soll das Lager für die Hackschnitzel gleich in der neuen Halle entstehen, so dass diese nur einmal transportiert werden müssen. Geplant ist außerdem, das Heizmaterial vor allem in den Sommermonaten einzulagern, so lasse sich eine künstliche Trocknung weitestgehend vermeiden. Auch der für die Anlage benötigte Strom soll nachhaltig erzeugt werden, geplant ist eine Solaranlage mit Stromspeicher.

Ausgelegt wird die Anlage laut Antrag auf etwa 240 Kilowatt Leistung, damit solle eine Erweiterung des Nahwärmenetzes später noch möglich sein. Im ersten Schritt ist geplant, dass sieben Gebäude ans Netz angeschlossen werden sollen - eine sehr gute Quote, der Ort Mailing hat elf Hausnummern.

Planungsrechtlich spreche nichts gegen den Neubau und die Errichtung des Nahwärmenetzes, so das Ebersberger Bauamt. Es gab nur den Hinweis, dass, sollten die Leitungen über, beziehungsweise unter öffentlichem Grund verlaufen, entsprechende Verträge mit der Stadt abgeschlossen werden müssten. Auch eine Eingrünung der Halle wird empfohlen.

Im Ausschuss gab es viel Lob für das Projekt. Solche nachhaltigen Projekte seien "immer gut", sagte Jürgen Friedrichs (Grüne) und stellte die Frage, ob es ähnliche Nahwärmenetze auch anderswo schon gebe. Dies sei in der Tat so, sagte Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos), etwa in Traxl und Rinding. Vorbildlich sei es trotzdem, befand Josef Peis (Pro Ebersberg), und vor allem nachhaltig. Er wollte aber wissen, ob eine solche Anlage auch privilegiert sei, wie landwirtschaftliche Bauvorhaben. Privilegiert schon, so Attila Baasen vom Bauamt, aber eben nicht als Landwirtschaft, sondern als Wärmeversorger.

"Wir finden es prima", fasste Christoph Münch (SPD) die Einschätzung seiner Fraktion zusammen, besonders wenn es am Ende wie gewünscht eingegrünt werde. "Ich traue mich jetzt fast nichts zu sagen", sagte Josef Riedl (CSU), denn schließlich sei die Anlage von seinem Fraktionskollegen Martin Schechner beantragt worden - der darum auch nicht an Debatte und Abstimmung teilnehmen durfte. Am Ende traute sich Riedl aber doch, den Parteifreund und sein Projekt zu loben, das ohne Gegenstimmen genehmigt wurde.

© SZ vom 28.08.2020 / wkb

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