Ernährung:Foodsharing in Ebersberg: Nicht wegwerfen!

Lesezeit: 3 min

Fairtailer Zorneding

Beim "Fairteiler" in Zorneding, kann jeder Lebensmittel mitbringen, die er nicht mehr braucht und mitnehmen, was er verwerten kann.

(Foto: oh)

Der Verein Foodsharing Ebersberg versucht seit Anfang des Jahres der Verschwendung von Lebensmitteln mit Kooperationen und Rettungseinsätzen für abgelaufene Waren in Supermärkten zu begegnen.

Von Marie Schmidt, Ebersberg

Eines Abends ging Anna Sachs an einer Bäckerei vorbei, beobachtete, wie die Verkäufer mit vollen Händen die Reste des Tages in die bereitgestellten Mülltonnen schoben. Daneben saßen Obdachlose, die um Essen bettelten. Heute ist Sachs die Vorsitzende des Foodsharing-Vereins Ebersberg, die Begebenheit hatte sie tief berührt. Dieser Kontrast sei der Auslöser für ihre heutige Tätigkeit gewesen, erzählt sie.

Den Verein Foodsharing Ebersberg, den sie gemeinsam mit anderen Engagierten hochgezogen hat, gibt es seit Anfang dieses Jahres. Anna Sachs ist längst nicht die einzige, die sich der Rettung von Lebensmitteln verschrieben hat. 161 aktive Mitglieder zählt der Verein inzwischen, regelmäßig holen die Foodsaver Waren bei Supermärkten oder Restaurants ab und finden für sie eine neue Verwendung. So soll Lebensmittelverschwendung eingedämmt - und damit auch ein Beitrag geleistet werden, das Klima zu schützen.

Den Zusammenhang zwischen der Lebensmittelverschwendung in der Konsumgesellschaft und dem Klimawandel erklärt Lisa Rütgers, Klimaschutzmanagerin des Landkreises. "Wenn wir Lebensmittel verschwenden, verschwenden wir Ressourcen." Durch die hohe Wegwerfquote der Lebensmittel herrsche eine enorme Flächenverschwendung. "Wäre Lebensmittelverschwendung ein Land, wäre es der drittgrößte CO2-Emittent." Die Zahlen seien enorm. Nicht nur Fläche werde verschwendet, auch Unmengen an Wasser und Energie würden für das Produkt, das am Ende in der Tonne landet, draufgehen. Dabei legten die Waren auch noch einen weiten Weg zurück: Produktion, Verarbeitung, Transportwege und Verpackung, wieder Transportwege, Mülltonne. Der Werdegang vieler Lebensmittel.

Gute Lebensmittel zu retten, eine Wertschätzung für diese und "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zu schaffen, so lauten einige Ziele des Foodsharing Vereins Ebersberg. Zum Konzept gehört die Zusammenarbeit mit den Händlern. 23 aktive Kooperationen mit Supermärkten, Bäckereien, Wochenmärkten, Kantinen und sogar Festivals pflegt der Verein, alle haben sie regelmäßig Reste abzugeben. Seit seiner Gründung haben die Vereinsmitglieder bereits rund 78 000 kg Essen bei 2730 Einsätzen gerettet - alles ehrenamtlich.

Die meisten Mitglieder arbeiten in Berufen, die gar nichts mit Ernährung zu tun haben, die Gründe für ihr Engagement sind vielfältig. Vorstandsmitglied Lea Schürmann entdeckte das Foodsharing durch eine Freundin. Die brachte tütenweise gerettete Lebensmittel mit nach Hause, bis Schürmann nicht mehr nur davon profitieren wollte, sondern sich selbst beteiligen.

Ein Ansatz, die Lebensmittelverschwendung zu vermindern, könnte die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums sein, glauben die Foodsaver. Viel zu viele Konsumenten würden sich nach dem aufgedruckten Datum richten und das Produkt auf den Tag genau wegwerfen. Dabei solle man sich lieber auf seine Sinne verlassen. Ob etwas wirklich schlecht ist, könne man ganz einfach schmecken oder riechen. Außerdem sehe man es abgelaufenen Produkten oft an, wenn sie nicht mehr genießbar seien. Hier müsse man unbedingt für mehr Aufklärung sorgen, Lea Schürmann. Man müsse wissen, was die Daten auf der Verpackung wirklich zu bedeuten hätten.

Einerseits würden sich auf das Angebot einiger Supermärkte, in Extra-Regalen "Ich-bin-noch-gut"-Produkte zum halben Preis anzubieten, viel zu wenige Kunden einlassen. Zu groß sei andererseits bei vielen Marktinhabern auch die Angst, Kunden zu verlieren oder als schlecht abgestempelt zu werden, erklärt Vereinsvorsitzende Sachs. Die Haftung müsse geändert werden, sagt sie, Supermärkte sollten nach Abgabe von Lebensmitteln keine Angst vor Konsequenzen haben müssen. "Das erschwert unsere Arbeit immer wieder, dass man so eingeengt wird." Mit mieser Qualität möchte keine Supermarktkette in Verbindung gebracht werden.

Deshalb sind für den Foodsharing Verein Kooperationsverträge mit den Läden so wichtig. Dann könnten sie nicht haftbar gemacht werden, sollte dann doch mal ein Produkt schon bei der Übernahme schlecht sein, muss sich der Supermarkt nicht verantworten.

Die Foodsharing-Organisatoren nehmen nur Produkte, die nicht an Tafeln gehen können, denn diese hätten Vorrang, sagt Sachs. Man wolle keine Konkurrenz sein, sondern lediglich mit Supermärkten kooperieren, mit denen die Tafeln nicht zusammenarbeiten könnten. Das Prinzip des Foodsharings unterscheide sich ja von dem der Tafeln. Hier stehe nicht die Bedürftigkeit der Empfänger im Vordergrund, sondern die Verwertung der Produkte.

Ende Mai haben Helfer des Vereins nun den ersten sogenannten Fairteiler im Landkreis eingerichtet: Zwei Regale und ein Kühlschrank, zu denen jeder Produkte bringen kann, die andere dann kostenlos abholen und verbrauchen können. Etwas Neues muss zum Ausgleich nicht hinein. legen. Der Fairteiler befindet sich im Servicebüro in Zorneding und ist von Montag bis Freitag zwischen 10 und 17 Uhr öffentlich zugänglich. Das alles funktioniert ohne persönliche Begegnung und ist somit auch unter den derzeit angesagten Kontaktbeschränkungen nutzbar.

Die Vereinsmitglieder haben aber nicht nur die Verwertung, sondern auch für den eigenen Einkauf gute Tipps parat. So sei es eine schlechte Idee, mit knurrendem Magen einen Laden zu betreten. Da lege man viel zu viel in den Wagen. Besser sei es, sich vorher zu überlegen, was notwendig sei und dann mit strukturiertem Einkaufszettel loszuziehen. Ergänzend sei dann noch das "richtige Einräumen" des Kühlschrankes wichtig. "Alte" Produkte sollten nach oben, neu gekaufte nach unten. Sobald etwas "Frisches" da sei, werde ja alles andere als "alt" und somit oft auch als schlecht im Kopf abgespeichert. Hat man dann doch zu viel mitgebracht oder gekocht, könne man sich im Internet informieren, was man einfrieren kann und wie lange. Oder auf der Internet-Seite der Organisation unter www.foodsharing-ebersberg.de angeben, was man abzugeben hat.

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