Erfolgreiche Tänzerinnen Die dynamischen Zehn

Geprobt wird im Keller. Marlena Riedls Eltern haben Platz geschaffen, damit die Tänzerinnen ihre Figuren üben können.

(Foto: Christian Endt)

Vor zweieinhalb Jahren hat Marlena Riedl in Bruck die Lollipops gegründet. Inzwischen tritt die 16-Jährige mit ihren Mädels bei allen möglichen Veranstaltungen auf

Von Christian Bauer, Bruck

Eine Bühne gibt es für die Tänzerinnen im Alxinger Gemeindesaal nicht. Sie treten in der Mitte des Raums auf, wo kurz zuvor noch Staffellauf und Luftballon-Wettrennen stattfanden. Die Zuschauer versammeln sich im Kreis um sie herum. Bei den ersten Tanzschritten rennen noch ein paar kleine Kinder auf der Suche nach ihren Eltern durch die Reihen, doch davon lässt sich die Gruppe nicht stören. Die Mädchen drehen sich auf der Stelle, springen in die Luft, spreizen die Beine zum Spagat. Eigentlich bestehen die "Lollipops" aus zehn Mädchen, doch ein angebrochenes Handgelenk kam ihnen in die Quere, so dass sie dieses Mal nur zu neunt auftreten können. Gegründet hat die Gruppe vor zweieinhalb Jahren die jetzt sechzehnjährige Marlena Riedl. "Ich wollte schon seit der dritten oder vierten Klasse Hip-Hop tanzen, aber ich durfte nicht", erzählt sie, und ihre Mutter ergänzt, dass das nur am übervollen "Dienstplan" des "Taxis" Mama gelegen habe. Marlena habe schon so viele andere Aktivitäten betrieben, noch eine mehr sei einfach nicht mehr drin gewesen.

Marlena spielt Klarinette, Saxofon, Gitarre und Flöte, aktiv ist sie unter anderem bei den Alxinger Kirchenbläsern. Musik sei schon immer ihr Hobby gewesen, sagt sie, aber das Tanzen wollte sie dennoch nicht abschreiben. Also habe sie kurzerhand in der siebten Klasse angefangen, ihre eigene Tanzgruppe aufzubauen.

Doch aller Anfang ist schwer: Zuerst habe es ausgesehen, als würde sich eine "Bubengruppe" entwickeln, erzählt Marlena. Doch dann habe sich herausgestellt, dass die Jungen gar kein echtes Interesse am Tanzen hatten. Nun sind die Lollipops eine reine Mädchengruppe, die alle aus Alxing, Bruck, und den Nachbardörfern stammen. Marlena ist die Älteste, Vroni mit neun Jahren die Jüngste. Der Altersunterschied stört aber keinen. Vroni findet es in der Gruppe "schee", und die Jüngste bekommt die eine oder andere Einzelstunde, damit sie nicht zurückfällt.

Beim Auftritt im Gemeindesaal gibt es Szenenapplaus, als acht Tänzerinnen einen Durchgang bilden und die neunte ein Rad hindurch schlägt. Die Choreografien denkt sich Marlena selbst aus: "Ich erfinde die Tanzschritte zur Musik, so wie ich meine." Manchmal hole sie sich auch Inspiration aus Tanzvideos. Jeder Tanz wird circa ein halbes Jahr geprobt, bevor er öffentlich aufgeführt wird - drei bis vier mal im Jahr innerhalb der Gemeinde Bruck. Darunter waren bereits mehrere Faschingsfeste und politische Veranstaltungen. Die bisher größte Bühne bot das Alxinger Schützenfest im Januar. Beim Kinderfasching treten die Lollipops zum zweiten Mal auf.

Der erste Tanz endet mit einer Hebefigur, Kinder und Eltern klatschen wild Beifall. Wie Marlena erklärt, versucht sie, in jeden Tanz etwas Besonderes einzubauen. Geübt werden können die Hebefiguren nur eingeschränkt, denn das wöchentliche Montagstraining - Marlena arbeitet als Friseurin und hat montags frei - im Keller des elterlichen Hauses statt. Dort muss sich das obere Mädchen bücken, um sich nicht den Kopf an der Decke zu stoßen. Im Gemeindesaal zu proben, ist wegen der Aufsichtspflicht nicht möglich, berichtet Marlenas Vater. Deshalb wurde der Keller zum Proberaum umfunktioniert. So tanzen die Lollipops in den kalten Monaten zwischen Getränkekästen, Autoreifen und Gartengeräten. Im Sommer wird die Wiese des heimischen Bauernhofs zur Tanzfläche.

Die Rufe des Publikums nach einer Zugabe werden erhört, das zweite Lied beginnt. Bei der Generalprobe am Vormittag hatte sich hier noch ein Fehler eingeschlichen - was Marlena lässig kommentiert: "Fehler passieren, sagen wir mal so." Augenzwinkernd sagt ihre Mutter: "Sie ist sehr streng." Marlena widerspricht etwas halbherzig: "Ich bin Perfektionistin. Irgendwo muss ich auch streng sein, sonst macht jeder, was er will." Perfektionistin ist sie wohl in der Tat. Das Make-Up trägt sie vor der Aufführung in stundenlanger Arbeit jeder ihrer Mittänzerinnen auf, oft macht sie auch die Frisur. Doch Perfektionismus hin oder her, die Mädchen fühlen sich wohl in der Gruppe, erzählen sie. Viele kennen sich aus der Schule, einige waren schon befreundet, bevor sie zu den Lollipops gingen. "Wir verstehen uns gut", erklärt Celina. "Außerdem müssen wir nichts zahlen bis auf das Outfit." Das besteht aus einem gelben Oberteil und hellblauen Jeansshorts. So schlicht wie das Outfit, so unkompliziert ist die Anschaffung: "Wir besprechen, was wir gerne hätten. Dann gehen wir zusammen zu H&M und kaufen alle das gleiche", so Marlena.

Ein "Oooh" geht durch die Zuschauer, als eines der Mädchen Konfetti regnen lässt. Einige letzte Schritte, und die Lollipops beenden unter Applaus ihre Vorstellung. Hoffentlich wird es bald warm, dann können sie an der frischen Luft trainieren - der nächste Auftritt kommt bestimmt.