Fossile Energien:"Der Deckel ist drauf"

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Fossile Energien: Wo früher im Forst Erdgas gefördert wurde, wurde ein Feuchtbiotop angelegt.

Wo früher im Forst Erdgas gefördert wurde, wurde ein Feuchtbiotop angelegt.

(Foto: Christian Endt)

Bis vor einigen Jahren wurde im Ebersberger Forst Erdgas gefördert. An der Renaturierung hält man fest - trotz der geänderten Rahmenbedingungen.

Von Barbara Mooser, Anzing

Dass in Russland viel Erdgas gefördert wird, weiß inzwischen jeder. Auch Norwegen und die USA würden die meisten wohl als große Erdgaslieferanten benennen können. Doch es ist noch gar nicht so lang her, dass Erdgas aus der Region - quasi "made in Ebersberg" - in Industrie und Haushalten genutzt wurde. Bis 1996 förderte Neptune Energy im Feld Anzing, das zum großen Teil unter dem Ebersberger Forst liegt, Erdgas. 2007 versuchte man sein Glück dort nochmals, doch die Bohrung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Seitdem herrscht Ruhe an den Bohrlöchern - und die Renaturierung soll demnächst abgeschlossen werden, wie eine Unternehmenssprecherin erklärt: "Der Deckel ist drauf." Daran ändert auch die Tatsche nichts, dass heimische Erdgasförderung heutzutage wieder lukrativer erscheint als noch vor ein paar Jahren.

Im Rückblick lesen sich die Zahlen freilich recht beeindruckend: Das im niedersächsischen Lingen ansässige Unternehmen Neptune Energy förderte aus Erdgasfeldern in Anzing und Moosach aus 2500 Metern Tiefe insgesamt immerhin etwa 365 Millionen Kubikmeter Erdgas. In Moosach, wo zwischen 1962 und 1996 Erdgas gefördert wurde, wurden die Anlagen bereits vor vielen Jahren abgebaut. Auf den Anzinger Standort setzte das Unternehmen noch länger Hoffnungen, die letzte Bohrung wurde hier vor erst 15 Jahren gesetzt. Sie stellte sich aber nicht als wirtschaftlich heraus.

Fossile Energien: Früher war das Areal um die Bohrung von einem Zaun umgeben.

Früher war das Areal um die Bohrung von einem Zaun umgeben.

(Foto: Neptune Energy/oh)

Danach hätte man zwar einige Jahre lang die Bohrlöcher noch ohne größere Umstände reaktivieren können, wie eine Unternehmenssprecherin erläutert, doch 2020 hat Neptune Energy mit der Verfüllung der insgesamt fünf noch verbleibenden ruhenden Bohrungen begonnen. Ein paar letzte Maßnahmen fehlen noch, aber im kommenden Frühjahr soll die Renaturierung weitgehend abgeschlossen werden. Danach werden die Grundstücke wieder dem Eigentümer - in den meisten Fällen sind das die Staatsforsten - zurückgegeben und das Unternehmen wird aus der sogenannten Bergaufsicht entlassen, so jedenfalls der Plan.

Wo früher das Bohrloch war, ist jetzt ein Biotop

"Die Arbeiten sind viel zu weit fortgeschritten, als dass man das noch zurückdrehen könnte", sagt die Sprecherin von Neptune Energy. Es gebe auch keinerlei Pläne für neue Bohrungen - bei einem Pressetermin vor einem Jahr hatte man das nicht gänzlich ausgeschlossen. "Aber es handelt sich hier um ein sehr altes Feld, das inzwischen ausgefördert ist. Seine Lebensdauer ist beendet."

Der Forst profitiert vom Ende der Gasförderung. Dort, wo das Bohrloch 5 war, ist ein großes Biotop mit einem Weiher entstanden. Es soll einen Lebensraum für Amphibien und Vögel bieten - eine ökologische Aufwertung für den Ebersberger Forst, wie Fachleute unterstreichen.

Andere Anzeichen, dass auch im Landkreis Ebersberg einmal fossile Energieträger gefördert wurden, sind längst verschwunden. Bis zu 40 Meter hohe Bohrtürme waren in den 60er Jahren nahe Aßling in die Luft geragt, gut zwei Millionen Tonnen Erdöl wurden dort bis in die 80er Jahre gefördert. Aßling sei eine "erdölexportierende Gemeinde", wurde damals bisweilen manchmal gescherzt. Doch in den 1980ern nahm die Qualität des Öls aus Aßling so stark ab, dass die Förderung eingestellt wurde, 1995 ist dort das letzte Bohrloch verfüllt worden.

Auch das Thema Fracking - eine umstrittene Art der Erdgasförderung - stand im Landkreis bereits einmal auf der Agenda und wurde gewissermaßen auch sofort wieder abgeräumt. Weil die britische Firma Terrain Energy von der bayerischen Staatsregierung 2015 die Erlaubnis erhalten hatte, in bestimmten Gebieten im Münchner Umland nach Kohlenwasserstoffen, also Erdöl, Erdgas und Kohle, zu suchen, war damals über Fracking in Glonn spekuliert worden. Ganz abgesehen davon, dass Fracking bisher in Deutschland generell verboten sei, habe er seitdem nie wieder etwas von dem Thema gehört, so Bürgermeister Josef Oswald.

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