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Entscheidungen gefragt:Lehrplan ade?

Für Sigrid Binder, Direktorin des Ebersberger Schulamts, hält fast jeder Tag Überraschungen parat.

(Foto: Christian Endt)

Versäumter Stoff, fehlende Noten, verschobene Prüfungen: Viele Fragen sind derzeit noch ungeklärt

Für die Chefs in den Schulen ist derzeit jeder Morgen spannend. "Die Anordnungen aus dem Ministerium ändern sich ständig", sagt Sigrid Binder, Direktorin des Ebersberger Schulamts. Man müsse stets "tagesaktuell agieren", pflichtet Christiane Goldschmitt-Behmer, die Rektorin der Grafinger Grundschule, ihr bei. Und das wird sich vermutlich auch so schnell nicht ändern. Denn noch sind viele Fragen ungeklärt, vor allem, wenn sich die Schulschließung doch noch länger hinziehen sollte als nur bis zu den Osterferien - wonach es momentan durchaus aussieht.

Was passiert dann? Gibt es einen Krisenplan für diesen Fall? Wie sollen all die versäumten Lerninhalte nachgeholt, all die fehlende Noten ausgeglichen werden? Darauf hat derzeit noch niemand in den Ebersberger Schulen eine überzeugende Antwort. "Wenn in den nächsten Wochen so weiterverfahren wird wie bislang, sollte eventuell darüber nachgedacht werden, die Pfingstferien ausfallen zu lassen, um den versäumten Stoff im Präsenzunterricht nachzuholen", bringt der Kirchseeoner Vater Andreas Helge das Problem überspitzt auf den Punkt.

Doch nicht nur der Lehrplan und die Benotung, sondern auch die ganzen nahenden Termine im Schulleben bereiten den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Viele Abschlussprüfungen müssen verschoben, die Schulwechsel organisiert werden. Die Einschätzungen im Landkreis Ebersberg reichen dabei von zuversichtlich bis besorgt, alle hoffen inständig, dass es nicht noch zu ganz großen Problemen kommt.

Gerade erst hat das bayerische Kultusministerium das Übertrittsverfahren für die Viertklässler der aktuellen Situation angepasst: Das entsprechende Zeugnis gibt es heuer erst am 11. Mai, die Einschreibung an den weiterführenden Schulen soll dann vom 18. bis 22. Mai stattfinden. "Und ich gehe davon aus, dass wir das halten können", sagt Rüdiger Modell, Rektor des Vaterstettener Gymnasiums. Die dazugehörigen Infoveranstaltungen wurden freilich alle abgesagt, man wolle interessierte Familien nun auf digitalem Weg mit Fakten und Eindrücken versorgen, heißt es. "Man hat mich sogar genötigt, ein Begrüßungsvideo zu drehen", erzählt Simone Voit vom Kirchseeoner Gymnasiums und lacht.

Ebenfalls betroffen sind Quali und Mittlerer Schulabschluss: An der Mittelschule Poing etwa wurden die praktischen und mündlichen Prüfungstermine bereits zwei Mal verschoben, "und eventuell müssen wir sogar noch ein drittes Mal ran", befürchtet Rektorin Eva Guerin. Auch der Abi-Fahrplan ist alles andere als sicher - fest steht nur: "Wir wollen in der Vorbereitung ganz nah dranbleiben, egal auf welchen Kanälen", sagt Voit. Rudi Bäuml von der Ebersberger Realschule plagt freilich noch eine ganz andere Sorge: Seine Turnhalle wurde in ein Hilfskrankenhaus verwandelt. "Das heißt, es könnte bei uns ein Problem geben mit dem Sportunterricht", sagt der Rektor. "Aber auch dafür hätten wir natürlich vollstes Verständnis."

© SZ vom 27.03.2020
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