Entscheidung in EbersbergKreis soll eigenes Frauenhaus bekommen

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Die Weichen sollen bis 2022 gestellt werden. Was das für die Kooperation mit Erding bedeutet, ist noch unklar

Von Johanna Feckl, Ebersberg

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Die Voraussetzungen für ein Frauenhaus im Kreis Ebersberg sind geschaffen: In der jüngsten Sitzung des Kreis- und Strategieausschusses waren sich die Fraktionen einig, dass der Landkreis Frauen, die von Gewalt betroffen sind, und deren Kindern in ihrem näheren Umfeld Schutz bieten möchte - bislang beteiligt sich der Kreis an den Kosten für das Erdinger Frauenhaus. Auf Grundlage eines Antrags der Grünen-Fraktion vom November lautet das Ziel, die notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten, um bis März 2022 eigene Strukturen aufgebaut zu haben. Ein Konzept dazu soll nun erarbeitet werden.

Seit 2018 und noch bis Februar 2022 läuft die Kooperation mit dem Frauenhaus in Erding. Zuvor finanzierten die Kreise Ebersberg, Erding und Freising gemeinsam zwei Frauenhäuser. In dem nun bestehenden Verbund sind fünf Plätze für schutzbedürftige Frauen und deren Kinder vorhanden. Die Kosten finanzieren beide Landkreise jeweils zu 50 Prozent. So gesehen stünden 2,5 Plätze zur Verfügung, damit Betroffene aus dem Kreis Ebersberg im Erdinger Frauenhaus unterkommen können. Das Problem: Die Plätze in Erding decken nicht den Bedarf der zwei Landkreise. Frauen aus Ebersberg kommen deshalb oft nicht im Verbund unter, wie Marion Wolinski von der Sozialhilfeverwaltung in der Sitzung erklärte. Es könne eine große Dunkelziffer an Frauen geben, die auf der Suche nach Schutz abgewiesen werden, weil kein freier Platz vorhanden ist.

In diesem Zuge stellte Wolinski eine neue Richtlinie des bayerischen Familienministeriums vor, laut der ein Frauenhausplatz pro 10 327 Einwohnerinnen im Alter von 18 bis 80 Jahren zur Verfügung stehen soll. Für Ebersberg bedeutet das 5,25 Plätze bei 54 234 Einwohnerinnen, für den Erdinger Kreis 5,05 Plätze bei 52 309 Einwohnerinnen. Insgesamt kommen die beiden Kreise also auf einen Bedarf von 10,31 Plätzen, im Verbund gibt es aber nur fünf. Da für Ebersberg weiterhin ein Zuzug prognostiziert wird, ist laut Wolinski davon auszugehen, dass der Bedarf steigen wird.

Wegen der fehlenden Plätze sei im vergangenen Jahr keine einzige Frau aus dem Kreis Ebersberg in Erding untergebracht gewesen, so Wolinski weiter. Von den fünf schutzbedürftigen Frauen im Jahr 2017 kamen zwei in Erding unter, von sechs im Jahr 2016 waren es vier, und 2015 fanden zwei von sieben in Erding Schutz. Die übrigen Betroffenen kamen in anderen Häusern in der Region unter. Für das Erdinger Frauenhaus zahlen muss der Landkreis aber immer - also auch, wenn wie 2018 niemand dort aus Ebersberg kommt. Neben den nicht ausreichenden Frauenhausplätzen, die trotzdem eine finanzielle Belastung für den Kreis bedeuten, gibt es ein weiteres Problem: Oft können oder wollen betroffene Frauen ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen. Das kann sein, weil sie dann die Betreuungsplätze der Kinder aufgeben müssten, oder weil ihnen das Vertraute in der für sie schwierigen Situation ein Stückchen Sicherheit verschafft. Eine Unterbringung im Erdinger Frauenhaus bedeutet aber in vielen Fällen, dass sie die bisherige Umgebung verlassen müssen.

Die Betroffenen müssten die Möglichkeit haben, selbst wählen zu können, ob sie in einem entfernten Frauenhaus Schutz bekommen oder in der näheren Umgebung. So heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung im Landratsamt. Für die Kinder der Frauen sei es meistens sinnvoll, mit ihren Müttern in der Nähe des bisherigen Zuhauses zu bleiben.

Die Verwaltung empfahl den Kreisräten anzuerkennen, dass Betroffene aus dem Kreis Ebersberg in ihrem näheren Umfeld einen Platz in einem Frauenhaus oder einer anderen geeigneten Unterkunft bekommen müssen, und dass die notwendigen Maßnahmen für solche eigenen Strukturen in die Wege geleitet werden. Außerdem soll ein Umsetzungskonzept mit Kosten erarbeitet werden, auf dessen Basis dann ein Grundsatzbeschluss für ein Frauenhaus getroffen werden kann. Über die künftige Zusammenarbeit mit dem Erdinger Frauenhaus sei zu entscheiden.

"Es freut mich sehr, dass ein Frauenhaus anscheinend in große Nähe rückt", sagte Waltraud Gruber (Grüne). Auch die SPD hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für ein eigenes Frauenhaus ausgesprochen, im Februar 2018 hatte sie auch einen entsprechenden Antrag gestellt. Gruber kritisierte jedoch, dass der Aspekt, der sich auf den Verbund mit Erding bezieht, zu weich sei. Sie sprach sich für eine Formulierung aus, die eine Vertragsverlängerung ausschließen soll.

Dem widersprachen Thomas Huber (CSU) und Alexander Müller (FDP) vehement. "Ich würde zweigleisig fahren", so Hubers Vorschlag. Also: eigene Strukturen aufbauen, aber auch die Zusammenarbeit mit Erding offen halten. "Vielleicht sind wir in zwei Jahren froh, wenn wir ein eigenes Frauenhaus, aber zusätzlich noch Plätze in Erding haben", ergänzte Müller.

Schließlich schlug Reinhard Oellerer (Grüne) vor, diesen Punkt zu streichen und stattdessen einen Zeitrahmen zu ergänzen: Maßnahmen, damit es bis März 2022 eigene Strukturen im Kreis gibt, werden in die Wege geleitet. Die Kreisräte stimmten dem geänderten Beschlussvorschlag einstimmig zu. Voraussichtlich in der Kreistagssitzung am 16. Dezember wird es zum endgültigen Beschluss kommen.

© SZ vom 05.12.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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