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Entscheidung im Gemeinderat:Hohenlinden wählt das geringere Übel

Kiesgruben Erweiterung Hohenlinden.

Nach langem Hin und Her hat der Hohenlindener Gemeinderat eine vorläufige Lösung für den Kiesabbau am westlichen Ortsrand gefunden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Um den Kiesabbau steuern zu können, weist die Gemeinde eine Vorrangfläche aus. So richtig glücklich ist damit aber keiner

Der umstrittene Kiesabbau in der Gemeinde wird künftig durch eine bereits zum Teil dafür genutzte Konzentrationszone und Vorrangfläche geregelt, die sich am Ortsrand beim Kreisel-West, B12 und Entlastungsstraße befindet: Der Hohenlindener Gemeinderat hat bei der jüngsten Sitzung nach kontroverser Debatte mehrheitlich der Ausweisung der Kompromissvariante für die Vorrangfläche und der erforderlichen Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. "Das ist kein einfaches Thema, mit dem Beschluss haben wir den Kiesabbau für eine Generation geregelt", sagte Bürgermeister Ludwig Maurer (ÜWH).

Mit der als Vorrangfläche beschlossenen, und im Vergleich zu anderen Optionen mit zehn Hektar Größe relativ kleinen Variante, seien im Vergleich derzeit wohl die geringsten Nachteile verbunden, hieß es. Schon bei der Bürgerversammlung war klar geworden, dass Anwohner gegen andere Vorschläge Sturm laufen würden. Wegen der hohen Nachfrage nach Kiesabbau herrsche aber Handlungsbedarf. Nach dem Beschluss soll die Vorrangfläche im Zuge der Änderung des Flächennutzungsplans um einige Grundstücke bis zur Gasleitung erweitert werden. Die Zone soll in den nächsten 20 Jahren geordneten Kiesabbau ermöglichen - und andere Abbauflächen dafür geschont werden. In der neuen Zone würde ohnehin wegen der Privilegierung mit oder ohne Zustimmung der Gemeinde Kies abgebaut, hieß es. Die neuen Kiesgruben sollen erst nach Eröffnung der A94 im Oktober in Betrieb gehen.

Für die Verkehrssicherheit der Zufahrt sei der Straßenbaulastträger zuständig. Die Ausfahrt über die B12 für das insgesamt mit Vorrangfläche und privaten Flächen etwa 19 Hektar große Abbaugebiet habe das Staatliche Bauamt Rosenheim ins Spiel gebracht. Die ursprünglich mit Standortgutachten anvisierte und seit Jahren geplante alte Variante einer größeren Vorrangfläche an anderer Stelle sei hingegen bislang an der privaten Zufahrt gescheitert. In einem Gespräch wurde deshalb zur Erschließung diverser anderer Varianten Ende Februar mit Vertretern der Gemeinde, des Landratsamts und des Staatlichen Bauamts Rosenheim die Lage erörtert - als einzige Lösung habe sich die Erweiterung der Kiesabbau-Konzentrationsfläche an der B12 heraus kristallisiert. Die diversen Kiesunternehmen sollen dort eine Regelung treffen, um die Zufahrt zur B12 künftig sauber zu halten. Dem Straßenbauamt reiche die bestehende Zufahrt dort aber aus, die zum Rechtseinbiegen nicht aber zum Linkseinbiegen zur B12 genutzt werden dürfe. Weitere Gutachten seien dafür nicht erforderlich, eine weitere Zufahrt zur B12 würde nicht genehmigt.

Die Gemeinderätinnen Hildegard Fröhlich (ÜWH) und Barbara Meyer (ÜWH) fanden die Zufahrt zur gemeindlichen Vorrangfläche über die Bundesstraße nicht ideal, gefährlich und riskant. Sie befürchten ebenso wie die parteifreie Johanna Seitz auch wegen dreckiger Straße Unfälle. Diese Variante und Erschließung sei aber wohl derzeit die einzige Chance, um den "Wildwuchs beim Kiesabbau einzudämmen". Horst Bolscho (CSU) sagte dazu: "Keiner ist mit der Lösung glücklich, die Zustimmung fällt keinem leicht, aber Kies würde dort sowieso abgebaut." Derzeit sei nur diese Variante als verbindliche Konzentrationszone der Gemeinde für den geregelten Kiesabbau rasch realisierbar und deshalb "das geringere Übel".

Thomas Riedl (CSU) wies darauf hin, dass Fachleute der Erschließung zugestimmt hätten: "Diese Entscheidung lag nicht in der Hand der Gemeinde. Diese Konzentrationsfläche haben wir uns am wenigsten gewünscht." Die ursprünglichen Varianten mit mehr Platz seien derzeit aber nicht umsetzbar, deshalb müsse für 15 bis 20 Jahre eben diese Zone gewählt werden, um den Kiesabbau besser steuern zu können, so der zweite Bürgermeister. Die Ausweisung habe im Vergleich mit anderen Varianten "die geringsten Nachteile". Die Gemeinde brauche die Zone, weil neue Anfragen zum Kiesabbau erwartet würden. Gegen die neue Vorrangfläche stimmten Johanna Seitz, Mechtild Maurer (ÜWH), Alois Grabl, Rudi Woidich (beide CSU) und Josef Neumeier (Bürgerliche). Die Verwaltung wurde beauftragt, ein erneutes Verfahren mit Auslegung in die Wege zu leiten.

© SZ vom 05.08.2019
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