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Entscheidung im Gemeinderat:Besser Radeln in Pliening

Mit dem Fahrrad durch Pliening, Bund Naturschutz

Radelfahren in der Gemeinde Pliening ist zuweilen ein waghalsiges Unternehmen. Das soll sich nun durch eine bessere Beschilderung ändern.

(Foto: Alexandra Leuthner)

Das Gremium setzt die Vorschläge eines Bund-Naturschutz-Konzepts um und beschildert Alternativstrecken

Von Alexandra Leuthner, Pliening

Ein gutes Jahr ist es her, dass der Bund Naturschutz (BN) in Pliening zu einer Fahrradtour durch den Ort aufgerufen hat. Für diejenigen, die selten zweirädrig auf Plieninger Gemeindestraßen unterwegs sind, hatte der Ausflug das Zeug zu einer traumatischen Erfahrung. Es zeigte sich an vielen Stellen, dass Radfahren im Ortsgebiet nur wenig Spaß macht, zumal nicht für denjenigen, der möglichst schnell von A nach B kommen will und sich mit den innerörtlichen Schleichwegen nicht auskennt.

Die Ortsgruppe des Bunds Naturschutz hat die Auswertung dieser Tour unlängst dem Gemeinderat vorgelegt und ein Konzept mit dem Motto "Durch Pliening ohne Auto" erarbeitet. Zu den Vorschlägen hat die Verwaltung in den vergangenen Monaten Stellungnahmen der Fachbehörden eingeholt und der Gemeinderat hat sie in seiner jüngsten Sitzung behandelt.

Viele der Gefahren- und Engstellen im Ortsgebiet kann die Gemeinde nicht selbst entschärfen, weil die Zuständigkeit beim Staatlichen Bauamt Rosenheim liegt. Was sie aber tun kann, ist eine Beschilderung anbringen, die auf Alternativrouten verweist und so Radfahrer von der Hauptstraße weg und durch Seitenstraßen führt. An anderen Stellen konnten Bereiche der Gehwege für den Radverkehr freigegeben werden, so geschehen etwa entlang der Landshuter Straße, von Neufinsing kommend. Die Strecke ist seit November entsprechend beschildert. Wer dann die Kurve beim Gasthaus Forchhammer vermeiden möchte, könne, so der Verwaltungsvorschlag, über den Melchweg und den Gänsbrunnenweg zur Ampel an der Münchner Straße fahren.

Entlang der Münchner Straße sei, so die Verwaltungsauskunft, der Gehweg mit 80 Zentimetern bis zwei Metern für eine Benutzung von Fußgängern und Radlern zu schmal, eine Verbreiterung aber nicht möglich, weil die Gemeinde hier keine Grundstücke besitze. Eine Stellungnahme des Landratsamts als Untere Verkehrsbehörde hat die Verwaltung ihren Ausführungen beigefügt: "Radfahrer sollten innerorts grundsätzlich auf der Fahrbahn fahren, da dies sicherer ist. Der Autofahrer hat somit den Radfahrer im Blickfeld und kann ihn dadurch nicht so leicht übersehen. Die Benutzungspflicht für Radwege wurde daher überwiegend aufgehoben." Eine Stellungnahme, die in der Sitzung zum Teil mit Unwillen quittiert wurde.

"Aussagen von der Polizei, dass Radfahrer auf der Straße fahren sollen, finde ich einen absoluten Schwachsinn", schimpfte Ludwig Huber (Wählergruppe Gelting). "Neunzig-Grad-Kurven wie die zwei in Landsham oder hier beim Rathaus sind im Berufsverkehr mit Kindern nicht zu schaffen."

Auch die Neufarner Straße hatte der BN als Gefahrenstelle ausgemacht, eine Ausweisung des Gehwegs als Radweg hier sei aber wegen zu geringer Breite laut Straßenverkehrsordnung wiederum nicht möglich, so die Verwaltung, eine Mindestbreite von 2,50 Meter sei für eine gemeinsame Nutzung vorgeschrieben. Hier sollen Radfahrer nun mittels Beschilderung alternativ über die Cundhartstraße zur Straße "Am Heckenacker" geleitet werden. Die 90-Grad-Kurve der Kirchheimer Straße auf Höhe des Dorfplatzes, wo der Radfahrer laut Landratsamt ebenfalls die Fahrbahn benutzen soll, können Radfahrer meiden, indem sie südlich der Erdinger Straße über Gartenweg und Brennhausstraße und nördlich davon über Kirchplatz, Schul- und Mövenstraße fahren.

Großräumige Umfahrungen für die Kirchheimer Straße werden auch am Ortseingang von Landsham ausgeschildert, über die Gruber Straße statt über die Gewerbestraße im Süden sowie über Mövenstraße und Kranichweg im Norden. Auch hierfür hat der Gemeinderat die Beschilderung beschlossen.

Noch offen ist nach Rücksprache mit Staatlichem Bauamt und Landratsamt ein möglicher Weiterbau des Geh- und Radwegs entlang der Geltinger Straße von der Grundschule Richtung Rathaus. "Er endet heute abrupt vor dem Wertstoffhof und zwingt alle auf die Straße", schreibt der Vorsitzende der Bund-Naturschutzortsgruppe Franz Höcherl. "Selbst für Kinder, die drauf auf dem Fußweg weiterfahren dürfen, ist er höchst gefährlich."

Einige weitere Gefahrenstellen sollen bei einer Verkehrsschau im Herbst geprüft werden, etwa die Möglichkeit einer farblichen Bodenmarkierung bei der Ausfahrt der Tankstelle in Landsham. Möglicherweise könnte auch eine Geschwindigkeitsbeschränkung der Geltinger Straße auf Höhe der Grundschule ein Thema sein, die allerdings bauliche Veränderung am Schulgebäude voraussetzen würde. Nur wenn der Ausgang direkt zur Straße gehe, sei Tempo 30 möglich, erklärte Helene Hiebinger von der Gemeindeverwaltung. Die Aussichten auf eine Änderung dürften allerdings gering sein: "Das versuchen wir seit Jahren", sagte Markus Uffinger (Initiative für Pliening).

© SZ vom 20.08.2020

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