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Entscheidung im Bauausschuss:Grafinger Erweiterung steht

Bebauungsplan für "Schönblick-Nord" nimmt wichtige Hürde

Von Thorsten Rienth, Grafing

Die Planungen für das Neubaugebiet "Schönblick-Nord" können in die detaillierte Ausarbeitung gehen. Am Dienstagabend hat der Grafinger Bauausschuss mit breiter Mehrheit den Billigungsbeschluss für den zugrunde liegenden Bebauungsplan gefasst. Die Nachbarschaft, die einem zentralen Planbestandteil sehr kritisch gegenübersteht, dürfte das kaum beruhigen.

Vereinfacht gesagt stehen sich bei dem Vorhaben im Grafinger Osten zwei Rechtsgüter gegenüber. Jenes des Grundstückseigentümers, der das 1,5-Hektar-Areal von der Wiese zum Bauland entwickeln will. Und jenes der Nachbarschaft, durch die Häuser ihrer zukünftigen Nachbarn nicht über Gebühr belastet zu werden.

Knackpunkt sind dabei nicht die Häuser selbst. Sondern die Art und Weise, wie sie erschlossen werden: Der Planentwurf sieht die An- und Abfahrt zum größeren Teil über die Max-Wagenbauer-Straße vor, zum kleineren Teil via "Am Schönblick". Wenn es so etwas gibt wie einen kleinsten gemeinsamen Nenner aus der Nachbarschaftsperspektive, dann ist es dieser: Es brauche eine weitere Zufahrt in das Neubaugebiet von Westen her.

Entsprechend war Bauamtsleiter Josef Niedermaier in der Sitzung vor allem damit beschäftigt, die aus Sicht der Stadt bestehende Rechtmäßigkeit des Entwurfs zu unterstreichen. "Mit Erschließungsflächen, also auch der Zufahrt, sparsam umzugehen, ist einer der Grundsätze der Raumordnungsplanung", erläuterte er. "Das ist uns vorgegeben, da dürfen wir nicht abwägen und sagen: Wir machen einfach ein bisschen mehr." Ergo: Nur wenn eine zusätzliche Westerschließung auch wirklich nötig sei, fände sie sich auch in dem Entwurf wieder.

Nach Ansicht des Bauamts - und übrigens auch der Regierung von Oberbayern sowie des Landratsamts - ist dies nicht der Fall. Selbstverständlich würde mit den rund 30 neuen Häusern zusätzlicher Verkehr entstehen, und zwar knapp 400 Verkehrsbewegungen am Tag, räumt das Bauamt ein. Gleichwohl: Das bestehende Straßennetz könne sie problemlos abwickeln, versicherte Niedermaier. Genauso sei die zusätzliche Lärmbelastung vertretbar. "Wir gehen da sehr genau vor, jeden Fehler wollen wir von vornherein ausschließen." Der Vorwurf aus der Nachbarschaft, die Stadt sei auf die Verkehrs- und Schallproblematik nicht eingegangen, sei absolut unzutreffend. Was andere Einwände angeht, so finden sich diese durchaus in der Plantektur. Mögliche Lärmprobleme durch Luft-Wärmepumpen sind nun aufgenommen. Die Komplettverglasung der neuen Hausfrontflächen verboten. Anstatt eines Bolzplatzes ist nurmehr ein Spielplatz vorgesehen.

Rundum schön reden wollte Niedermaier die Pläne allerdings nicht. "Großes Manko ist der fehlende Geh- und Radlweg. Auf Dauer müssen wir uns darum kümmern." Zwar gebe es einen Fußweg, der praktisch den direkten Weg von der Rotter Straße nimmt. "Aber der ist mit seinen zehn Prozent Steigung eher etwas für die Geländegängigeren." Unmittelbarer Planungsbestandteil ist der Weg allerdings nicht.

Der Klageweg gegen das gesamte Bebauungsplan-Prozedere steht den Anwohnern aber freilich offen.

© SZ vom 25.02.2021
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