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Steuerkraft im Kreis Ebersberg:Entschädigungen wegen Corona: Wer kriegt was?

Die Gemeinde Poing profitiert nun von den hohen Gewerbesteuerer-Einnahmen der vergangenen Jahre.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Städte und Gemeinden sollen für Steuerausfälle wegen der Pandemie Geld erhalten. Für einige Kommunen im Landkreis Ebersberg könnte sich das mehr lohnen als für andere.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Dass in den Kämmereien des Landkreises Ebersberg gelegentliche Stoßgebete geäußert werden, ist angesichts der unsicheren Wirtschaftslage zumindest nicht auszuschließen. Auf einen Heiligen sollten die Kämmerer dabei ein besonders Augenmerk richten, Matthäus. Denn von diesem ist der Spruch überliefert: "Wer hat, dem wird gegeben" - und das auch als Matthäus-Effekt bekannte Phänomen könnte heuer die Haushalte der Landkreiskommunen bestimmen.

Hintergrund sind die Kompensationen aus dem Corona-Konjunkturpaket. Dieser Ausgleich sieht vor, dass Kommunen für Steuerausfälle entschädigt werden. Allerdings nur für bestimmte, nämlich die Gewerbesteuer, gemittelt auf die Jahre 2017 bis 2019. Nicht ausgeglichen werden dagegen Ausfälle der Einkommensteuer, der anderen wichtigen Finanzquelle der Städte und Gemeinden. Auch diese sprudelt heuer wegen Kurzarbeit und Geschäftsschließungen weit weniger üppig. Welche Landkreisgemeinden von dieser Situation wohl besonders betroffen sein werden, zeigen aktuelle Zahlen des Statischen Landesamtes, die der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München nun in seinem Jahresbericht veröffentlicht hat.

Die Statistiken beziehen sich auf das Haushaltsjahr 2018, da dieses bereits komplett bilanziert ist und die Zahlen dürften in etwa dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre entsprechen. Aufschlussreich ist hier, dass die Statistiker nicht die reinen Erträge der verschiedenen Steuerarten auflisten, sondern diese ins Verhältnis zueinander und zur Zahl der Einwohner stellen.

Wie zu erwarten ist, führt Poing die Statistik an. Die Wachstumsgemeinde mit ihren großen Neubau- und Gewerbegebieten kommt 2018 auf 27,8 Millionen Euro an Steuereinnahmen. Insgesamt reicht es damit nur für Platz zwei, der große Nachbar Vaterstetten konnte im gleichen Jahr sogar 33,8 Millionen Euro einnehmen. Allerdings hatte Vaterstetten im Berechnungszeitraum auch rund 23 400 Einwohner, 7500 mehr als die Nachbargemeinde. Was in Vaterstetten eine Steuerkraft pro Einwohner von 1440 Euro, in Poing aber von 1741 Euro ergibt. Noch dazu ist ausgerechnet der Teil der Einkünfte, auf die es bei der anstehenden Kompensation ankommt, bei den Poingern deutlich größer: Insgesamt 10,5 Millionen Euro oder rund 38 Prozent der Gesamteinnahmen stammen aus der Gewerbesteuer. In Vaterstetten machte im Jahr 2018 der Anteil der Gewerbesteuer dagegen nur 23 Prozent oder 7,8 Millionen Euro aus.

Die Großgemeinde hat hier nicht einmal das ungünstigste Verhältnis: Am geringsten ist der Gewerbesteueranteil mit 13,2 Prozent in Emmering, dicht gefolgt von Kirchseeon mit 15,4 Prozent. Auch in der Kategorie Steuerkraft pro Einwohner liegen beide Kommunen weit hinten: Emmering belegt mit 775 Euro den letzten, Kirchseeon mit 996 Euro den fünftletzten Platz. Der Durchschnitt aller 21 Landkreiskommunen liegt hier bei 1279 Euro pro Einwohner und Jahr, der durchschnittliche Gewerbesteueranteil beträgt 28,3 Prozent.

Ebenfalls unter beiden Werten liegen die Gemeinden Egmating und Moosach mit 16,4 beziehungsweise 17,5 Prozent Gewerbesteueranteil sowie 1159 und 1172 Euro Steuerkraft pro Einwohner. Die kleine Gemeinde Bruck verzeichnet dagegen einen Gewerbesteueranteil von 17,8 Prozent dafür liegt die Steuerkraft pro Einwohner nur bei 822 Prozent.

Sonderfälle sind die Gemeinden Frauenneuharting, Hohenlinden und Zorneding. Denn während bei den meisten Landkreiskommunen die Höhe des Gewerbesteueranteil zumindest annähernd ihren Platz in der Tabelle der Steuerkraft pro Einwohner bestimmt, ist es hier genau umgekehrt: Frauenneuharting erreicht zwar mit 27,3 Prozent Gewerbesteueranteil nahezu den Landkreisschnitt - bei der Steuerkraft liegt die kleine Gemeinde mit 903 Euro pro Jahr und Einwohner dagegen auf dem drittletzten Platz. In Zahlen ausgedrückt entspricht dies 387 000 Euro Gewerbesteuer bei 1,4 Millionen Gesamteinnahmen.

In Zorneding entsprechen die 2018 erzielten knapp zwölf Millionen Euro 1268 Euro pro Einwohner, was ganz knapp unter dem Landkreisschnitt liegt und immerhin für Platz neun reicht. Beim Anteil der Gewerbesteuer ist es mit 18,4 Prozent oder 2,2 Millionen Euro dagegen nur der sechste Platz von hinten. Dafür kommt Hohenlinden zwar beim Anteil der Gewerbesteuer auf 35 Prozent - das waren 2018 insgesamt 1,4 Millionen Euro - bei der Steuerkraft pro Einwohner sind es dagegen nur 28 Euro pro Einwohner und Jahr mehr als in Zorneding aber immerhin Platz sieben im Landkreisranking.

Auch Forstinning und Pliening sind in Sachen Steuerkraft ganz vorne mit dabei

Die oberen Ränge - nach Poing - bei der Steuerkraft nehmen die Gemeinden Forstinning und Oberpframmern ein, erstere ist sogar Spitzenreiter beim Gewerbesteueranteil, 40,4 Prozent betrug er 2018. In Oberpframmern lag er wie in Poing bei 38,1 Prozent. Beide Gemeinden liegen mit einer Steuerkraft von 1657 und 1653 Euro pro Jahr und Einwohner deutlich über dem Landkreisschnitt. Das tun auch Pliening und Ebersberg, wo im Jahr 2018 jeder Einwohner rein statistisch 1588 und 1462 Euro erwirtschaftet hat. Beim Gewerbesteueranteil liegen die Plieninger mit 32,6 Prozent ein Stück vor den Ebersbergern mit 30,8 Prozent.

Was die Mitarbeiter der jeweiligen Kämmereien ein gutes Stück ruhiger schlafen lassen dürfte, denn zumindest für dieses Jahr ist dank des Konjunkturpaketes ein nennenswerter Anteil des Haushaltes gesichert.

© SZ vom 16.11.2020/koei

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