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Energiewende:Kraftwerksbesitzer gesucht

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An der im vergangenen Sommer errichtete 1,5 Gigawatt-Freiflächen-Solaranlage im Ort Haus bei Markt Schwaben können sich die Bürger künftig beteiligen, dazu wurde nun eine neue Gesellschaft gegründet.

(Foto: Eberwerk/oh)

Das Kommunalunternehmen Eberwerk lagert seine Photovoltaikanlage in Markt Schwaben in eine neue Gesellschaft aus. Daran sollen sich Bürger über die Energiegenossenschaft und als Investoren beteiligen

Von Wieland Bögel, Ebersberg/Markt Schwaben

Eines der größten Ökostromprojekte im Landkreis Ebersberg nimmt konkrete Formen an. Die seit Monaten vorbereitete Gründung der "Bürgerkraftwerk Eberstrom GmbH" ist nun offiziell. Diese Gesellschaft soll zunächst den Betrieb der im vergangenen Sommer errichteten Freiflächen-Photovoltaikanlage in Markt Schwaben vom Kommunalunternehmen Eberwerk übernehmen. Mittelfristig könnte die neue GmbH weitere Kraftwerke im Landkreis übernehmen und betreiben, etwa die in Grafing und Ebersberg an der Bahnlinie geplanten Photovoltaikanlagen.

Gut eine Million Euro hatte das Eberwerk, das im Besitz von 19 Landkreiskommunen ist, in die Freiflächensolaranlage nahe Haus bei Markt Schwaben investiert. Darum ist die Einrichtung auch im Besitz der Kommunen, weshalb diese auch der Gründung der neuen GmbH, die ihnen die Anlage abkauft, zustimmen mussten. "Mit Ausnahme der Gemeinde Forstinning haben sich die Stadt- und Gemeinderäte dafür ausgesprochen", schreibt das Eberwerk nun in einer Pressemitteilung. Anschließend hätte auch die Gesellschafterversammlung - logischerweise bei einer Gegenstimme - für das Projekt Bürgerkraftwerk ausgesprochen.

Wie Eberwerk-Geschäftsführer Markus Henle bereits Anfang des Jahres bei der Vorstellung der Pläne für das neue Bürgerkraftwerk erläuterte, soll dieses auch dazu dienen, dem Kommunalunternehmen Kapital zurückzugeben. Dies sei nötig, damit der Ausbau der Erneuerbaren im Landkreis schneller vorangehe, so Henle damals. Zwar ist die Anlage, die nun als erste in die neue GmbH ausgegliedert wird, mit einer Leistung von 1,5 Megawatt durchaus keine kleine ihrer Art. Dennoch brauche es laut Henle etwa das Hundertfache dieser Leistung, um die Energiewende-Ziele im Landkreis zu erreichen. Die nächsten beiden Projekte, die dazu beitragen könnten, sind die in Nettelkofen bei Grafing und in Langwied bei Ebersberg geplanten Anlagen. Auch diese könnten ins Portfolio der neuen GmbH übergehen.

Vor allem aber soll diese Geld einsammeln, denn ein wesentlicher Aspekt der Gesellschaft ist, dass sie die Landkreisbürger zu Miteigentümern an Energiewendeprojekten machen will. Denn die GmbH wird mit 51 Prozent zwar der Mehrheitseigner der Anlage in Markt Schwaben werden, die übrigen 49 Prozent gehen an die Genossenschaft Bürgerenergie im Landkreis Ebersberg eG (BEG). Deren Mitglieder werden somit auch Eigentümer der PV-Anlage, sie sollen aber auch zu Kapitalgebern werden.

Wie Henle im Februar im Ebersberger Stadtrat erläuterte, ist geplant, dass die beiden Eigentümer, also das Eberwerk und die Genossenschaft, zusammen insgesamt 300 000 Euro an der Anlage halten. Die übrigen 700 000 Euro sollen über den Kapitalmarkt beschafft werden - und hier kommen die Landkreisbürger ins Spiel. Denn auch diese sollen als Investoren gewonnen werden, die konkreten Modalitäten stehen zwar noch nicht fest. Die BEG wolle aber demnächst ihre Mitglieder über die Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung informieren.

Das Bürgerkraftwerk wird den in Haus und später vielleicht in Grafing und Ebersberg erzeugten Strom natürlich auch vertreiben. Es wird damit "zu einem Bestandteil des bestehenden Erzeugungs-Pools aus Biogas-, Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen", schreibt die Energieagentur. Bereits seit Januar vorvergangenen Jahres bietet sie dazu das Produkt "Eberstrom" an. Wer sich für diesen Stromanbieter entscheidet, bekommt ausschließlich im Landkreis gewonnenen Ökostrom. Dieser stammte bisher zum größten Teil aus verschiedenen Biogasanlagen sowie vom derzeit einzigen Windrad im Landkreis bei Hamberg in der Gemeinde Bruck. Künftig kommt der Strom eben auch aus der Anlage in Haus.

Und bald wohl auch aus einem dort installierten Stromspeicher. Denn es soll neben dem Bürgerkraftwerk noch eine weitere Gesellschaft zur Förderung regionalen Ökostroms geben: Die "Regionalstromspeicher Ebersberger Landkreis GmbH & Co. KG". Dazu wollen das Eberwerk und die Münchner Firma Vispirion - die bereits den Bau der Solaranlage in Haus übernommen hatte - am gleichen Standort einen großen Stromspeicher errichten und betreiben.

© SZ vom 10.04.2021
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