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Energiewende Ebersberg:Der Sonne entgegen

Preisträger Georg und Romana Riedl, Wirtschaftsförderer Augustinus Meusel, Landrat Robert Niedergesäß, Ulrich Weidner (Naturstrom AG), Moosachs Bürgermeister Eugen Gillhuber samt Stellvertreter Willi Mirus und Christof Schwaiger (Brunner GmbH) bei der Verleihung des Energiepreises.

(Foto: Christian Endt)

Drei sehr verschiedene Projekte werden mit dem Energiepreis des Landkreises ausgezeichnet

"Wichtig ist das lokale Handeln. Dass man tut, was man tun kann, in der eigenen Verantwortung." Unter diesem Aspekt verlieh Landrat Robert Niedergesäß am Montag den Energiepreis 2019. Zehn Bewerbungen gab es dieses Jahr, wie immer aus den Kategorien Privathaushalt, Betrieb und Kommunen des Landkreises. Den dritten Preis mit 500 Euro erhielten Ramona und Georg Riedl aus Kirchseeon für ihre umweltfreundliche Umstellung des Energiehaushalts. Mit Ersatz der Gas- durch Pelletheizung, einer Photovoltaikanlage (PV) mit Batteriespeicher, der Einbindung einer bereits bestehenden Solarthermieanlage in die Heizung und dem Austausch der Glühbirnen durch LED-Lampen reduzierten die beiden ihren CO₂-Verbrauch um mehr als 95 Prozent, was etwa vier Tonnen Kohlendioxid einspart. "Wir sind damit sehr zufrieden, haben ein warmes Haus und warmes Wasser", so Riedl.

Statt einem zweiten und einem ersten Preis gab es dieses Jahr zwei erste, da die Bewerbungen für die Jury nicht differenzierbar waren. 1250 Euro erhielt zum einen die Gemeinde Moosach mit der Naturstrom AG und der Genossenschaft Rege sowie die Hans Brunner GmbH aus Glonn. Letztere installierte seit 2009 auf fast allen Dächern ihres Werks PV-Anlagen die neben einer Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage Strom erzeugen. Die Mitarbeiter nutzen Fahrräder und E-Bikes als Firmenfahrzeuge. Dadurch wurden bereits 20 000 Kilometer "runtergeradelt", so der Prokurist Christof Schwaiger. Für die Heizung und Kühlung wurde ein unterirdisches System entwickelt, das ganzjährig Energie einspeist. Die LED-Beleuchtung reagiert auf Bewegung und kann sich je nach Sonneneinstrahlung auf bis zu 20 Prozent ihrer Leistung dimmen. Dadurch werden noch einmal vier Tonnen mehr CO₂ gespart, als bei normalen LED. Zusätzlich wurden vier der Produktionsanlagen gegen energieeffizientere ausgetauscht. Insgesamt wurden dadurch 1,3 Millionen Kilowattstunden und 485 Tonnen CO₂ gespart.

Die Gemeinde Moosach errichtete in Kooperation mit der Naturstrom AG und der Rege ein Nahwärmenetz. Durch eine Solarthermieanlage - die erste in ganz Oberbayern - und zwei Biomassekesseln wird mit Holz und Sonne Energie erzeugt. Die 1300 Quadratmeter große Fläche in Moosach kann somit von April bis September/Oktober die Gemeinde alleine mit Wärme versorgen. "Durch die 4,8 Kilometer lange Leitungsstraße der Nahwärmeleitung sparen wir jährlich 840 Tonnen CO₂ und verhindert somit das Abschmelzen von 2,5 Quadratkilometern Gletschereis," so Willi Mirus, zweiter Bürgermeister von Moosach.

Die anderen Bewerber reichten Projekte ein, in denen sie ihre Heizung optimierten, energetisch sanierten, E-Ladesäulen in der Firma errichteten, einen Energiespaziergang in Ebersberg organisierten oder Brotbeutel statt Papiertüten verteilten.

Auch der Landkreis selbst tut etwas gegen den Klimawandel, wie Niedergesäß in seiner Begrüßungsrede erläuterte. Gemäß des Mottos "global denken, lokal handeln" habe sich der Landkreis in den vergangenen Jahren ein starkes Netzwerk für den Klimaschutz und die Energiewende aufgebaut. Dabei entstand das Amt des Klimaschutzmanagers, das es inzwischen in fünf Kommunen gibt. 2014 eröffnete die Energieagentur, drei Jahre später schloss sich dieser der Landkreis München an. Zusätzlich bildeten sich Energiegenossenschaften sowie das Eberwerk, das Ökostrom aus der Region erzeugt. "Die Energiewende ist sichtbar und sie muss sichtbar sein." In diesem Sinne entwickelte der Landkreis die Klimabildung in Kindertagesstätten und Schulen, sodass "die nächste Generation entsprechend früh lernt, was sich hier verändert, verändert hat und verändern wird". Beim Stadtradeln, das dieses Jahr zum dritten Mal startete, wurden mehr als 40 Tonnen CO₂ vermieden.

Auch die Zukunftsaktie sprach der Landrat an. Bei diesem Projekt zahle man pro Tonne CO₂ zehn Euro. Dies sei nicht "die moderne Form des Ablasshandels", damit könne man aber ökologische Maßnahmen, die nicht wirtschaftlich sind, wie die Anschaffung von E-Bussen, und Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern finanzieren. Auch erneuerbare Energien wie PV-Anlagen, Solarthermieanlagen und Windräder wurden und werden im Landkreis installiert. "Lieber sehe ich die Energiewende in der Landschaft, als dass ich die Landschaft sehe, die vom Klimawandel nicht mehr in der jetzt bekannten Form sichtbar sein wird."