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Ende einer Ära:Keiler im Karton

Zum letzten Mal hat der Kreistag im alten Sitzungssaal getagt. Der gesamte Südtrakt der Behörde wird neu gestaltet

Ob der schon etwas in die Jahre gekommene Eberkopf auch den neuen Sitzungssaal zieren darf, wird eine der ersten Entscheidungen des neuen Landrates sein.

(Foto: EBE)

- Es ist ein wilder Gesell, der die Kreisräte da immer im Auge hatte. Leicht geöffnet sein Maul mit den riesigen Hauern, der Blick angriffslustig. Immerhin konnten die Kreispolitiker sicher sein, dass von dem Keiler keine echte Gefahr ausging: Dazu hatte er schon viel zu lange das Zeitliche gesegnet. Allenfalls durch einen Sturz von der Wand hätte die Trophäe, die seit 2007 im Sitzungssaal des Ebersberger Landratsamts hängt, noch Unheil anrichten können. Nun wird der präparierte Wildschweinkopf für eine Weile in einer Kiste verschwinden - ob er jemals wieder Kreisräte ins Visier nimmt, muss der neue Landrat entscheiden.

Die nicht öffentliche Sitzung des Kreistags am Montagabend war in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes: Zum einen stand als einziger Punkt die Entlassung des kranken Landrats Gottlieb Fauth (CSU) in den Ruhestand auf der Tagesordnung, zum anderen handelte es sich auch um die letzte Sitzung in dieser Form in diesen Räumen. Etwa ein Jahr lang wird dann der Südtrakt der Behörde, der zum Bahnhof hin ausgerichtet ist und in der sich auch der Sitzungssaal befindet, generalsaniert. Dabei wird nicht viel bleiben wie es ist, wie Andreas Stephan, der Leiter der Abteilung Zentrales im Landratsamt erläutert. Am 19. Februar, so ist es jedenfalls derzeit geplant, werden alle, die bisher hier gearbeitet haben, ihre Büros geräumt haben - inklusive Landrat Gottlieb Fauth und seinen engsten Mitarbeitern, die in das Untergeschoss der Behörde umsiedeln. Man habe der Kasse die ebenfalls zur Disposition stehenden Räume im Erdgeschoss überlassen, erläutert Stephan: Schließlich gebe es dort doch noch deutlich mehr Parteiverkehr als zum Landratsbüro. Als Kellerkinder müssen Fauth und seine Mitarbeiter sich aber nicht fühlen: Ihre Büros haben durchaus Tageslicht und gehen zum Innenhof nach hinten hinaus.

Weil das Amt gerade umgebaut wird, müssen die Kreisräte anderswo tagen

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Der Südbau wird dann völlig entkernt: Fenster, Böden, Türen - alles muss raus. Auch einige Wände, wie Stephan erzählt. Denn auch die Raumaufteilung soll bei der Sanierung geändert werden. Unter anderem wird es künftig keinen großen Sitzungssaal mehr geben, statt dessen nur noch einen mit 77 Quadratmetern moderat dimensionierten Sitzungsraum. Der wird künftig für Ausschusssitzungen genutzt werden. Der Kreistag hingegen wird dann im noblen neuen Stadtsaal nebenan tagen dürfen. Wenn alles so läuft wie es soll, werden die Kreisräte den nächsten Haushalt bereits in neuer Umgebung verabschieden können.

Auch am neuen Sitzungsort wird derzeit noch fleißig gearbeitet

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Zuvor allerdings werden die Kreispolitiker knapp ein Jahr lang als Gäste in anderen Einrichtungen ihre Entscheidungen treffen. Und somit ergibt sich auch die historisch vermutlich einzigartige Situation, dass der neue Landrat in einer Schule vereidigt wird: Die Eidesformel wird der Nachfolger von Gottlieb Fauth am 13. Mai im Gymnasium Kirchseeon sprechen. Auch im Juli werden der neue Chef im Landratsamt und seine Kreisräte für ihre Sitzung nochmals Asyl erhalten, dann wahrscheinlich im Saal der Stadtsparkasse. Die Ausschüsse tagten auch in der Vergangenheit oft außerhalb des Landratsamts, beispielsweise in landkreiseigenen Schulen. Das wird auch 2013 nicht anders sein. Der Kreisausschuss, der bisher selten den Saal mit dem Eber verlassen hat, wird hingegen für seine Sitzungen in die Landwirtschaftsschule umsiedeln; wenn die Schule den Saal selbst braucht, auch einmal in den Ebersberger Rathaussaal.

Wie der Sitzungsraum nach dem Umbau genau aussehen wird, steht noch nicht fest, sagt Stephan. Die Gemeindewappen, die den Saal bisher zieren, werden nach Prognose Stephans auch für die Gestaltung des neuen Raumes wohl wieder ausgepackt. Das Wildschwein hingegen, das vor Jahren schon einmal eine Schule entsorgen wollte und dann von Landratsamtsmitarbeitern gerettet wurde, ist Chefsache: Es wird dann wieder aufgehängt, wenn der neue Landrat das wünscht. Bei manchen Mitgliedern des Kreistags würde er sich wohl auf Anhieb beliebt machen, wenn er das ausgestopfte Tier nun endgültig aussortieren würde: "Abstoßend" sei es, urteilte jedenfalls Grünen-Kreisrätin Waltraud Gruber vor fünf Jahren, als sie es zum ersten Mal erblickte.