Wir sind sehr glücklich, dass wir wieder öffnen können." Marion Schug vom Modehaus Schug in Ebersberg zeigt sich zufrieden über die seit Anfang der Woche geltenden Lockerungen für den Einzelhandel. Fantastische erste Tage mit zufriedenen Kunden und einer langsamen Rückkehr zur Normalität seien das gewesen. Anfang der Woche habe es bei ihren Kunden noch fragende Gesichter vor den Schaufenstern gegeben: "Haben Sie denn jetzt geöffnet?", "Dürfen wir reinkommen?", "Was muss ich jetzt beachten?". Mit solchen und ähnlichen Fragen wurde die Ebersberger Modefachfrau immer wieder konfrontiert, das habe sich mittlerweile aber glücklicherweise gelegt.
Ähnliches weiß man direkt gegenüber in der Drachenstube zu berichten, einem kleinen Spielwaren- und Geschenkeladen. Das Geschäft laufe wieder gut an, jeder sei glücklich über das neu zurückgewonnene Stück Freiheit, aber eine anfängliche Verunsicherung über die neuen Einkaufsbedingungen musste auch Ladeninhaberin Petra Behounek bei ihren Kunden aus dem Weg räumen. In Anbetracht der Vielzahl an Regelungen, die momentan gelten und die sich je nach Inzidenzwert auch öfters wieder ändern können, verwundert das zögerliche Verhalten der Kunden kaum.

Zur Erinnerung: Buch- und Blumenläden sowie Gartengeschäfte und Baumärkte zählen seit dem 8. März zu Geschäften des täglichen Bedarfs und können daher inzidenzunabhängig mit beschränkter Kundenanzahl öffnen. Der Rest des Einzelhandels, so beispielsweise Modeläden oder Spielwarengeschäfte, darf nun täglich gespannt auf den Inzidenzwert des Landkreises blicken: Liegt der unter 50, gelten die gleichen Regelungen wie für Supermärkte & Co, zwischen 50 und 100 wird nur noch das sogenannte Terminshopping mit Kontaktregistrierung möglich sein.
Von diesem allmorgendlichen Blick auf den Inzidenzwert weiß auch Brigitte Terjung, Inhaberin vom Spielwarengeschäft Hampelmann in Grafing zu berichten. Von Montag bis Mittwoch habe sie drei Kunden gleichzeitig in ihren 80 Quadratmeter großen Laden lassen können, seit der Inzidenzwert am Donnerstag wieder um die 50 kratzt, darf nur noch eine einzelne Person in den Laden. Von dieser Person müssen dann ebenfalls die Kontaktdaten erhoben werden, einen Vorgang, wie man ihn aus der Gastronomie im Sommer schon kennt. Wie die Kunden mit der neuen Situation umgehen? Absolut vorbildlich, mit viel Verständnis für Wartezeiten, Einschränkungen, Abstände und dergleichen. Die Grafinger Ladeninhaberin zeigt sich sichtlich dankbar und beeindruckt.

Weniger abhängig von den täglich aktualisierten Inzidenzwerten sind da seit dem neuerdings erfolgten Upgrade zu Geschäften des täglichen Bedarfs die Buch- und Blumenläden. Entsprechend entspannt fällt auch das Urteil von Björn Hartung, Inhaber vom Buch-Otter in Ebersberg, zur Frage nach einem möglichen dritten Lockdown aus. Wünschen tue sich das natürlich niemand, aber wenn es mit dem Impfen so langsam weiter gehe, sei die Wahrscheinlichkeit dafür doch relativ hoch. Acht Personen könnten entlang der momentanen Regelungen seinen Laden parallel besuchen, er hat die Grenze für sich jedoch schon bei vier gezogen. Sicherheit geht vor.
Und auch in den Blumenläden ist die Freude groß, wieder zum normalen Verkaufsrhythmus zurück kehren zu können. Beim Floraldikum in Anzing hat man in den vergangenen Monaten einiges versucht, um den Verkauf trotz geschlossenem Laden am Laufen zu halten: ein neu eingerichteter Online-Shop, natürlich das mittlerweile allseits bekannte Click & Collect System, Bestellung per WhatsApp-Nachricht, Werbung ohne Ende über Facebook und Instagram. Das habe schon halbwegs gut funktioniert, aber nun freue man sich auch wieder über die treue Live-Kundschaft vor Ort.

Was die nähere Zukunft angeht, traut sich aktuell niemand, große Prognosen abzugeben. Vermutlich wird der Einzelhandel bald wieder vollständig auf Terminshopping umstellen müssen, die steigenden Inzidenzwerte lassen grüßen. Das ist natürlich umständlicher für den Kunden, so nochmal Marion Schug, spontanes Shopping nach der Arbeit oder nach einem sonnigen Schlendern durch die Fußgängerzone fallen dann aus. Besser als geschlossene Läden und langsam absterbende Innenstädte erscheint diese Lösung jedoch allemal.