Einkaufen im Landkreis:Alternativen zum Basar

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Secondhand - Hello Again Grafing

Sabine Kuchlmayr hat in ihrem Grafinger Second-Hand-Laden "Hello Again" volle Regale und Kleiderständer. Derzeit dürfen Kundinnen deshalb nur 15 statt bisher 20 Stücke zum Verkauf abgeben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Viele Familien kaufen Kleidung, Spielzeug und Sportgeräte gern gebraucht. Doch Großveranstaltungen sind wegen Corona nicht erlaubt. Einige Second-Hand-Läden im Landkreis spüren deshalb einen Boom, andere mussten schließen - ebenfalls wegen der aktuellen Lage

Von Franziska Langhammer

Herbstzeit ist Basarzeit: Ob Schneeanzug, Schlittschuhe oder Winterstiefel, normalerweise decken sich viele Familien in diesen Monaten für den Winter bei Basaren ein oder werden überzählige Klamotten und Spielsachen los. Doch auch hier macht Corona heuer einen Strich durch die Rechnung. Flohmärkte fanden auch vor dem Teil-Lockdown eher selten und in kleinerem Rahmen statt. Wie viele Ebersberger das Problem handhaben, zeigt eine Umfrage bei den Kleiderbörsen und Second-Hand-Läden im Landkreis.

"Wir sind bumm-voll, wir können momentan keine Ware mehr annehmen", sagt etwa Sabine Kuchlmayr von Hello Again in Grafing. Der Second-Hand-Laden für Frauenkleider hat vor einem Jahr geöffnet. Schon damals gab es großen Zuspruch, doch momentan sei es sehr extrem, so Kuchlmayr. Durften Kundinnen anfangs noch 20 Stücke zum Verkauf abgeben, wurde dies nun auf 15 Stücke reduziert. Auch die Termine zur Abgabe sind bis Dezember alle vergeben. "Kleider, Taschen, Schuhe, wir verkaufen alles für Frauen, querbeet", sagt Sabine Kuchlmayr.

Im Hello Again wird auf Kommission verkauft; das heißt, die Ware wird entweder verkauft, oder sie geht an den Besitzer zurück. Wird ein Kleidungsstück verkauft, behält sich der Laden die Hälfte des Erlöses ein, um davon etwa die Miete zu bezahlen. "Einige Kundinnen wollen feilschen wie auf dem Flohmarkt", erzählt Kuchlmayr. "Das hat mit dem Konzept eines inhabergeführten Second-Hand-Ladens nichts zu tun."

Von großem Zulauf berichtet auch eine Mitarbeiterin aus der Tauschzentrale Ebersberg. "Zumindest, was die Abgabe von Kleidern angeht", sagt sie. Doch auch der Verkauf laufe gut. "Wir hören es auch von den Kundinnen: Jetzt gibt es keine Basare, deswegen kommen wir hierher", so die Mitarbeiterin. Unter den zum Verkauf angebotenen Waren finden sich Kinderkleidung, Spielsachen, Bücher, Schlitten, Auto- und Hochsitze - "alles, was zum Kind dazu gehört". Vor allem junge Frauen würden in der Tauschzentrale Ebersberg einkaufen oder Waren abgeben, doch auch die ein oder andere ältere Kundin schaue vorbei, um zum Beispiel etwas für ihre Enkel zu kaufen. Noch gibt es keine Lagerprobleme in dem kleinen Laden in der Doktor-Wintrich-Straße. "Wenn, dann machen wir einen Annahmestopp", erklärt die Mitarbeiterin. Manchmal würden auch bestimmte Waren, von denen es schon genug im Sortiment gibt, auf einer Tafel vermerkt. "Im Moment können wir zum Beispiel keine Damen-Handtaschen annehmen", so die Mitarbeiterin.

Vom ganz großen Run kann Jeanette Heinz von der Kleiderbörse "Allerhand Gwand aus zwoater Hand" aus Markt Schwaben nicht berichten. "Wir haben aber derzeit auch nur noch einmal pro Woche auf statt zweimal", erklärt Heinz. Deshalb kämen natürlich momentan weniger Menschen. Ob sich das bald wieder ändert, kommt auf die Corona-Situation an, so Jeanette Heinz: "Je nachdem, wie das alles weitergeht."

Wie gewohnt läuft es in der Tauschzentrale Grafing, erzählt eine Mitarbeiterin - mit dem Unterschied, dass mehr als die Hälfte der Helfer vorübergehend aufgehört hat zu helfen, aus Angst vor Ansteckung. Trotzdem werden die Öffnungszeiten nicht eingeschränkt, und auch die Kunden seien treu geblieben. "Es läuft weiter", so die Mitarbeiterin. "Wir sind zufrieden."

Auf der Homepage des Familienzentrums Poing heißt es derzeit: "Unser Kindersecondhandladen bleibt im gesamten Jahr 2020 geschlossen." Auf Nachfrage der SZ erklärt Eva Persichini, der Grund dafür sei Corona. Leider sei der Laden zu klein, um ein Hygienekonzept sinnvoll umsetzen zu können. "Wir haben das jetzt zum Anlass genommen, den Laden ein bisschen zu renovieren", so Persichini. Geplant sei, im Frühjahr 2021, kurz nach den Faschingsferien, den Kinder-Second-Hand wieder zu eröffnen. "Momentan bekommen wir die Rückmeldung, dass die Kunden auf die Wiedereröffnung warten", erzählt Eva Persichini. "Da ist aber auch großes Verständnis." Auch den Mitarbeitern des Familienzentrums liege viel daran, dass es bald weitergehe. Eine gute Nachfrage, vor allem bei Hausrat oder Kochutensilien, hat das Diakonia-Kaufhaus in Ebersberg zu verzeichnen. Doch beim Kauf von Textilien seien die Kunden momentan etwas schüchtern, so Julia Boiger, Betriebsleiterin im Bereich Einzelhandel bei Diakonia. "Direkt nach dem Lockdown haben die Leute mehr abgegeben", so Boiger. Leider auch viel Hausrat, der dann kostenpflichtig entsorgt werden musste, setzt sie hinzu: "Wir brauchen Sachen, die die Leute auch selber kaufen würden."

Dass auch viele Landkreisbürger ausgemusterte Kleider oder Spielsachen, aus denen die Kinder entwachsen sind, ins Internet stellen, zeigt eine Nachfrage bei der Verkaufsplattform Ebay Kleinanzeigen. Zwar gibt es keine Vergleichswerte für den Kreis Ebersberg aus den letzten Monaten. "Allgemein konnten wir jedoch beobachten, dass die Nutzer seit Beginn der Corona-Maßnahmen vermehrt Anzeigen bei uns einstellen", so eine Pressesprecherin. "Gegenüber dem 16. März, dem Beginn der Corona-Maßnahmen, hat sich die Zahl der aufgegebenen Anzeigen bis Ende April 2020 teilweise verdreifacht." In gleichem Maße wie das Angebot sei auch die Nachfrage gestiegen.

Die aktuell beliebtesten Kategorien im Landkreis Ebersberg seien Kind und Baby mit 1711 Anzeigen, Mode und Beauty mit 1113 Anzeigen sowie Haus und Garten mit 842 Anzeigen (Stand: 22. Oktober).

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