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Tourismus:Ein Fremdenverkehrsamt für den Landkreis Ebersberg

Fahrradtour im Eberberger Forst, 2014

Auf Ausflügler will man auch in Zukunft setzen und die Schönheiten der Gegend noch besser bekannt machen. Helfen soll dabei ein zentrales Tourismusbüro.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Eine eigene Stelle soll sich künftig um die Koordination und die Bewerbung von Urlaubsangeboten kümmern.

Der Landkreis Ebersberg ist schön - nur leider wissen das zu wenige Leute. So kann man das Ergebnis des Tourismus-Workshops zusammenfassen, zu dem das Landratsamt nun eingeladen hatte. Vertreter aus ganz verschiedenen Bereichen, von Kreisheimatpflege über Zimmervermieter, den Fahrradklub ADFC, Kommunen und viele mehr machten sich am Mittwochabend Gedanken, wie sich dies ändern ließ und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Der Landkreis braucht ein professionelles Tourismusbüro.

Dass zwischen Anzing und Aßling, Steinhöring und Pöring viel geboten ist, darüber waren sich die Teilnehmer einig. Besonders der Ebersberger Forst, so Oswald Pehel vom Tourismusverband Oberbayern-München, habe noch viel Potenzial, besonders für den Tagestourismus. Dieser ist für den Landkreis ohnehin schon bedeutend, die meisten Besucher kommen als Ausflügler, etwa zum Radeln, Schwimmen oder Spazierengehen. Deren Zahl könnte sich nach Meinung der Workshopteilnehmer aber durchaus noch steigern lassen. Etwa indem man im Landkreis mehr Biergärten, Camping- und Grillplätze einrichtet.

Besonders für die Tagestouristen interessant könnte ein Netz von Fahrrad- oder auch E-Bike-Verleihstellen an den S-Bahnhöfen sein. Auch organisierte Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten wie Herrmannsdorf oder dem Hamberger Windrad sollte es mehr geben, genau wie besondere Ereignisse und Aktionen. Etwa eine Oldtimer-Rallye, Besichtigungen von außergewöhnlichen Firmen und auch die Messen im Landkreis könnten für ein überregionales Publikum durchaus interessant sein. Auch neue Attraktionen, wie etwa einen Baumwipfelpfad im Forst, könnte man sich überlegen.

Dazu, wie potenzielle Urlaubsgäste auf den Landkreis Ebersberg aufmerksam werden könnten, gab es viele Ideen. Etwa die Produktion von Filmen, die dann in Freizeitmagazinen der Dritten Programme wie "Schwaben und Altbayern", "Wunderschön" und Ähnlichem laufen könnten. Natürlich soll man den Landkreis Ebersberg und seine touristischen Attraktionen auch im Internet besser finden. Vorgeschlagen wurde dazu eine eigene Website, die möglichst sämtliche Angebote, vom Radeln durch den Forst bis zur Hotelbuchung und dem kulturellen Veranstaltungskalender bündelt. Und auch ganz klassische Informationsangebote seien nützlich: Ein gedruckter Reiseführer für Ebersberg wurde ebenfalls gewünscht.

Besonders bei Ausflüglern ist der Landkreis Ebersberg, hier der Biergarten Falkenberg und ein Radweg im Forst, sehr beliebt.

(Foto: Christian Endt)

Imagefilme im Lokalfernsehen, ein Web-Auftritt und Reiseführer

Was aber, wie auf der Abschlusspräsentation mehrere Redner deutlich machten, mit den vorhandenen Strukturen nicht zu schaffen sei. Es sei zwar sehr beachtlich, was Landkreis-Wirtschaftsförderer Augustinus Meusel für den Tourismus leiste, lobte etwa Wolfram Staude vom Tourismusverein Grafing. Dennoch seien eben nur 25 Prozent seiner Arbeitszeit dafür eingeplant, "das schafft er nicht alleine", so Staude. Wenn man es ernst meine, sei "eine zentrale Tourismus-Stelle" für den Landkreis nötig.

Dem schloss sich Kreisheimatpfleger und Stadtführer Thomas Warg aus Ebersberg ausdrücklich an: "Wir brauchen das dringend, sonst schläft alles wieder ein." Denn die vielen guten Ideen und Angebote müssten koordiniert und bekannt gemacht werden. Jeder solle sich einmal überlegen, wie man selbst Urlaubsziele auswählt, sagte Erik Ipsen von der Stadt Ebersberg, etwa im Netz oder per App. Aber ein solches Angebot fehle bisher, eines aufzubauen "kostet Geld und es muss auch gepflegt werden".

Auch die Zentralstelle Tourismus werde sicher nicht zum Nulltarif zu haben sein, der Landkreis werde hier ein Budget schaffen müssen, so Staude. Ein Teil der Finanzierung könne sicher aus Fördertöpfen kommen, Staude brachte auch eine Kurtaxe ins Gespräch. Zwar sei man noch nicht "Bad Ebersberg", aber es lohne sich sicher, bei Hoteliers und Veranstaltern zunächst auf freiwilliger Basis für eine Beteiligung an der Tourismusförderung zu werben.

All diese Ideen könnte er nicht einmal mit einer 100-Prozent Tourismus-Stelle umsetzen, lobte Meusel das Engagement der Teilnehmer. Beim "Runden Tisch Tourismus" soll weiter darüber beraten werden. Genau wie in den politischen Gremien, sagte Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Der Landkreis sei touristisch "vielleicht kein schlafender Riese aber ein noch nicht ganz geschliffener Diamant". Wie man ihn zum Glänzen bringt, soll nun Thema im Kreistag und seinen Ausschüssen werden, so Niedergesäß. Ziel sei, die vielen Ideen in ein Konzept zu bringen, "für eine noch bessere touristische Zukunft im Landkreis Ebersberg".