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Ein Frauenneuhartinger soll in den Bundestag:Eindeutige Entscheidung

Andreas Lenz wird bei der Delegiertenversammlung der CSU in Forstern zum Direktkandidaten des Wahlkreises Ebersberg-Erding bestimmt

Minutenlanger Jubel bei den Ebersbergern, alles drängt sich in Richtung Wahlsieger Andreas Lenz. Der Frauenneuhartinger wurde gerade zum Direktkandidaten der CSU für den Wahlkreis Ebersberg-Erding gewählt, und bei seinem Kreisverband herrscht eine Stimmung, wie man sie sonst nur von Zuschauern wichtiger Sportereignisse kennt. Sogar der Gewinner scheint vom Wahlsieg im ersten Durchgang ein wenig überrascht, ein etwas schüchternes: "Ich bedanke mich ganz herzlich für Euer Vertrauen" ist alles, was er in diesem Moment herausbekommt.

Kurz zuvor hatte Wahlleiter Christian Kopp das zwar knappe, aber dennoch eindeutige Ergebnis verkündet. Andreas Lenz, Kandidat aus dem Landkreis Ebersberg, konnte 83 von 159 gültigen Stimmen auf sich vereinigen, mindestens drei Erdinger Delegierte hatten also für ihn votiert. Damit beerbt Lenz den Neuchinger Max Lehmer. Der 66-Jährige aus dem Landkreis Erding hatte den Wahlkreis 214 zwei Legislaturperioden lang in Berlin vertreten, aus Altersgründen aber nicht mehr kandidiert.

Dass sein Nachfolger nun aus dem Nachbarlandkreis kommt, lag sicher auch an der Art und Weise, wie sich Lenz den jeweils 80 Delegierten aus Erding und Ebersberg im Kochhaus Oskar in Forstern präsentiert hatte. Während sich sein Konkurrent Josef Widmann aus Erding sehr staatstragend gab, schaffte es Lenz, dass ihm auch die Parteifreunde aus dem Nachbarlandkreis spontan applaudierten.

Widmann hatte sich den Delegierten als Politprofi empfohlen. Knapp 40 Minuten lang schilderte der 46-Jährige seinen Lebenslauf bis heute, von der Banklehre über eine Laufbahn bei der Justiz bis zur Referatsleitung im Landtagsamt. Die sei eine hervorragende Voraussetzung für einen Abgeordneten, befand Erdings CSU-Kreisvorsitzender, Landrat Martin Bayersdorfer: "Doktor Josef Widmann weiß, wo er hingehen muss, wenn es darauf ankommt." Aber nicht nur die Kommunikation mit Behörden, sondern auch mit dem Bürger wolle er pflegen, versicherte der Kandidat. Er wolle dem CSU-Motto "Näher am Menschen" Geltung verschaffen, etwa durch Bürgersprechstunden, die er gerne auch in Ebersberg abhalten würde, wenn man ihn dorthin einlade.

Lenz gab sich bescheiden und bodenständig und machte den Delegierten schnell klar, dass er schon längst da sei, wo sein Konkurrent noch hinwollte: Bei den Bürgern. Auch seine Kreisvorsitzende Angelika Niebler lobte "den Andi" als Kandidaten "mit dem Herz am rechten Fleck". Lenz selbst stellte weniger seine beruflichen, denn seine menschlichen Qualitäten in den Vordergrund. Er verwies auf seine langjährige Mitgliedschaft bei der Feuerwehr, beim Trachten- und Burschenverein sowie der katholischen Landjugend und stellte seine Erfolge in der Kommunalpolitik vor. So sei er nicht nur Kreisrat, sondern habe auch den Aßlinger Bürgermeister Werner Lampl bei seinem erfolgreichen Wahlkampf unterstützt. Der Frauenneuhartinger beschrieb sein Amtsverständnis mit Wortwitz: "Ich mache mir keinen faulen Lenz."

Natürlich seien die vom Konkurrenten angedachten Bürgersprechstunden wichtig, allerdings dürfe man die jüngeren Wähler nicht vergessen. Gerade in seiner Altersgruppe sei Politikverdrossenheit ein Problem, bedauerte Lenz, "das treibt mich um und das treibt mich an." Abhilfe könnte ein verstärkter Auftritt in den Neuen Medien sein. Aber auch persönliches Engagement im direkten Umfeld der Bürger sei sehr wichtig. "Gerade ein Jüngerer kann hier neue Perspektiven für den Wahlkreis aufbauen", betonte er. Diese sehe er in der Verbindung von Tradition und Moderne, so der promovierte Wirtschaftswissenschaftler: "Ich stehe für Laptop und Lederhose, für W-Lan und Weißbier."