Ehrung an diesem Freitag Sie kamen, spielten, siegten

Gitarrist Felix Vogt aus Forstinning, die Pianisten Isabella Xu (Poing) und David Khatchatrian (Ebersberg), Flötist Erik Kießig (Hohenlinden) und Klarinettistin Theresa Ströbele aus Baldham (v.l.).

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Fünf Preisträger des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" reden über Lampenfieber, Konkurrenzdenken und ihre Zukunft

Von Amelie Hörger

Irgendwie kennen sie sich alle. Man hat sich schon mal hinter der Bühne gesehen, oder zumindest den Namen gehört. An diesem Vormittag aber passiert etwas, das hat es noch nicht gegeben: Auf Einladung der Ebersberger SZ sitzen fünf Nachwuchsmusiker an einem Tisch in einem Ebersberger Café, tauschen Erfahrungen aus, lernen sich tatsächlich kennen. Die Jugendlichen sind zwischen 14 und 18 Jahren alt, unterschiedlich groß, verschieden gekleidet und doch haben sie eines gemeinsam: Isabella Xu (16), David Khatchatrian (14), Erik Kießig (17), Felix Vogt (14) und Theresa Ströbele (18) sind die diesjährigen Ebersberger Preisträger des Bundeswettbewerbs von "Jugend musiziert". Sie kommen aus verschiedenen Ecken des Landkreises, haben dritte, zweite und erste Plätze errungen, mal als Solisten, mal im Duo. An diesem Freitag werden sie in München bei einem Festabend für alle bayerischen Teilnehmer geehrt.

Die Jugendlichen erzählen gerne von den Eindrücken, die sie bei Jugend musiziert gewonnen haben. Denn genau um diese Erfahrungen zu sammeln, habe sie schließlich an dem Wettbewerb teilgenommen, sagt Isabella, Pianistin aus Poing. So ein Vorspiel sei immer auch ein Ziel, auf das man hinarbeite, und als Teilnehmer könne man viele Tipps mit nach Hause nehmen, ergänzt Theresa aus Baldham, die mit der Klarinette angetreten ist. Die Jüngeren in der Runde, Gitarrist Felix aus Forstinning etwa, nicken bestätigend. Doch auch lustige Anekdoten können die Nachwuchsmusiker erzählen. Isabella etwa berichtet von einer aufregenden Anmeldung: "Bei uns war Stromausfall, da haben die einfach einen klapprigen Tisch draußen hingestellt mit einem handgeschrieben Schild, auf dem Anmeldung stand", sagt sie und lacht.

Dann erzählen die Jugendlichen davon, wie sie im Einspielraum saßen und sich dort nur auf sich und ihre Stücke konzentriert haben. 15 bis 20 Minuten hat jeder Teilnehmer Zeit, die Jury zu überzeugen. Für David, Pianist aus Ebersberg, ist das etwas ganz anderes, als bei einem Konzert zu spielen: "Da ist schon noch mehr Anspannung. Beim Wettbewerb möchte ich, wenn ich was vorspiele, wirklich zufrieden sein, das ist aber fast nie der Fall", sagt er - und die anderen Jugendlichen stimmen zu. Perfektionisten sind sie alle ein bisschen, und das muss laut Isabella auch so sein: Wenn man ernsthaft Musik machen wolle, müsse man auch konstant an sich und seiner Technik arbeiten. Dadurch steigen freilich aber auch die Erwartungen an einen selbst und die Nervosität vor einem großen Wettbewerb, die niemals ganz verschwinde. Für die Ebersberger Jugendlichen aber ist Lampenfieber kein Problem, ganz im Gegenteil: "Das kann auch einen extra Kick geben", sagt Isabella.

Mit Aufregung kennen sich die fünf Preisträger aus, denn keiner von ihnen war heuer das erste Mal bei "Jugend musiziert" dabei, und das, obwohl der Weg zum Bundeswettbewerb lang und steinig ist. Denn bevor man dafür zugelassen wird, müssen erst einmal der Regional- und der Landeswettbewerb erfolgreich absolviert werden. Und auf Bundesebene ist die Konkurrenz dann groß, vor allem in so beliebten Kategorien wie Gitarre, mit der teilweise bis zu 50 Jugendliche in einer Altersklasse antreten. Auch die Konkurrenz im Klavier sei stark, bestätigt Isabella. Erik, Flötist aus Hohenlinden, versucht es auf den Punkt zu bringen: "Keiner will so richtig offen sagen: Wir sind Konkurrenten." David jedoch wirft ein: "Eigentlich kommt es nur auf die Fähigkeiten von einem selber an. Da spielt es keine Rolle, ob 50 Leute da sind oder zehn." Antreten kann man bei Jugend musiziert grundsätzlich mit so gut wie jedem Instrument, "sogar mit Blockflöte!", stichelt Isabella in Richtung Erik. Der aber nimmt es gelassen: "Das Tolle an Blockflöte ist, dass sie immer unterschätzt wird", kontert er, die Hand am Instrumentenkasten.

Eigentlich wollte Erik überhaupt nie Blockflöte lernen, vielmehr war es von Anfang an sein Traum, Trompete zu spielen. Mit sechs Jahren hörte er eine Blaskapelle und beschloss: "Das will ich auch können!" Doch schnell wurde er von einem Musiklehrer gebremst, er müsse zunächst Lungenvolumen aufbauen, hieß es. So landete Erik bei der Flöte - und blieb dabei. Bei Theresa war es ähnlich. Auch sie startete ihre Karriere mit der Blockflöte, was Erik begeistert zur Kenntnis nimmt. Aber "irgendwann wollte ich eine größere Flöte", sagt sie entschuldigend und lacht. Da kam die Klarinette gerade recht.

Erstaunlicherweise haben die Eltern der meisten Ebersberger Preisträger kaum etwas mit Musik zu tun. Die Jugendlichen haben, so sagen sie, selbst das Interesse für ihre Instrumente entdeckt. Disziplin und Leidenschaft ist die richtige Kombination, um Musik auf höherem Niveau zu betreiben, das ist ihnen jedenfalls allen klar. Deswegen wird auch fleißig geübt. Erik gibt an, circa eine Stunde über den Tag verteilt zu üben - früher sei es aber mehr gewesen, gesteht er. Darüber können Theresa und Isabella nur stauenend den Kopf schütteln: Beide üben im Durchschnitt mindestens zwei Stunden pro Tag, um ihrem Traum vom Musikerleben ein wenig näher zukommen. Theresa etwa hat gerade ihr Abitur bestanden und beginnt bald mit einem Studium an der Musikhochschule Köln. Auch David möchte einmal Musiker werden. "Vielleicht Konzertpianist, aber das ist schon sehr schwer, da hochzukommen", sagt er schulterzuckend. Nur Felix hält sich bei dem Thema zurück. Auf Nachfrage sagt er, für ihn bleibe die Musik ein Hobby. Maschinenbau wiederum, das könne er sich beruflich gut vorstellen.

Ob Berufswunsch oder Hobby, keiner der Fünf hat es jemals bereut, mit einem Instrument begonnen zu haben. Im Gegenteil, viele haben sogar noch ein zweites gelernt, wie Erik, der sich doch noch den Traum von der Trompete erfüllt hat. Mit der Flöte aber ist er glücklicher, und auch die anderen reden enthusiastisch über die Vorteile von Gitarre, Klavier und Klarinette. Obwohl es natürlich auch negative Seiten gibt. "Es nervt zum Beispiel, dass ich an der rechten Hand für die Gitarre lange Fingernägel brauche", sagt Felix - und automatisch schielen alle auf seine Hände, die er schnell in seinem Schoß versteckt.

Trotz anderen Hobbys wie Handball oder Joggen konzentrieren sich diese fünf vor allem auf die Musik. Ihr würde einfach etwas fehlen, wenn sie abends nicht noch ein wenig spielen könnte, schwärmt Isabella. Den anderen scheint es ähnlich zu gehen, und so ist nach dem Treffen klar: Diese Jugendlichen haben weit mehr gemeinsam als einen Wettbewerb - die Liebe zum Musizieren