In den kommenden Tagen beginnen in Ebersberg die Arbeiten auf dem Hölzerbräu-Areal, das ehemalige Café Hasi wird abgerissen. Zwar ist noch nicht sicher, was auf dem Grundstück an der Eberhardstraße einmal konkret gebaut werden soll, darüber entscheidet erst ein städtebaulicher Wettbewerb, der vor den Sommerferien abgeschlossen sein soll. Sicher ist aber schon, was dort nicht entstehen wird: ein neuartiges Konzept zur Parkplatzreduktion.
Ein solches hatte der Investor, die Firma Euroboden, Anfang 2021 im Technischen Ausschuss des Ebersberger Stadtrates vorgestellt. Die Idee dahinter: Wenn die Bewohner des neuen Baugebietes genügend gute Gründe hätten, aufs Autofahren zu verzichten, könnte man im Gegenzug vielleicht auf den Bau von einigen Parkplätzen verzichten. Dazu sollen vergünstigte Bus- und Bahnkarten für die Bewohner angeboten werden, genau wie mehr Carsharing-Angebote oder Leihräder und Fahrradständer sollen auch reichlich gebaut werden. Daneben ist eine Doppel-Nutzung für manche Parkplätze geplant, tagsüber sollen Mitarbeiter und Kunden der Läden und Büros dort parken, nachts die Anwohner.
Nimmt man die in den drei noch im Rennen befindlichen Entwürfen genannten etwa 60 Wohnungen plus die Gewerbeflächen, ergibt sich ein Bedarf von 196 Parkplätzen. Allerdings nur, wenn man die in der städtischen Stellplatzsatzung geforderten 1,5 Parkplätze pro Wohnung zugrunde legt. Der Investor, das wurde auch in der Sitzung im Februar klar, hofft auf eine deutliche Reduzierung. Bis zu 50 Parkplätze weniger wurden von den Planern des Konzepts, das Büro Stattbau, errechnet.
Schon im Februar gab es im Ausschuss keine Mehrheit dafür, den Stellplatzschlüssel zu reduzieren - und daran hatte sich auch in der aktuellen Sitzung nichts geändert. CSU, Freie Wähler und Pro Ebersberg lobten zwar, dass der Investor an einem Mobilitätskonzept interessiert sei - die in der Satzung geforderten Parkplätze solle er aber trotzdem bauen müssen.
Denn, wie Eduard Zwingler (Freie Wähler) sagte, "die 1,5 sind doch schon zu wenig", würde man weiter reduzieren "geht der Parkverkehr in die angrenzenden Straßen". Allenfalls könne man mit dem Investor vereinbaren, dass er nicht gleich im ersten Bauabschnitt die volle Stellplatzzahl nachweisen müsse: "Wir schauen es uns an, und wenn es nicht klappt, muss er es im zweiten Bauabschnitt machen." Genau den umgekehrten Weg empfahl Alexander Gressierer (CSU): Der Investor solle im ersten Bauabschnitt sowohl die Parkplätze laut Satzung als auch das Mobilitätskonzept umsetzen. "Wenn es so angenommen wird, dass es funktioniert, kann er im zweiten Bauabschnitt die Stellplätze reduzieren." Gerd Otter (Pro Ebersberg) warnte davor, dem Bauträger irgendwelche Zugeständnisse zu machen, bevor nicht klar sei, was überhaupt auf dem Grundstück entstehen soll. Zeige sich, dass es doch zu viele Parkplätze gebe "können wir immer noch reduzieren."
Allerdings nicht über Regelungen für den zweiten Bauabschnitt, stellte Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) klar. Denn zwar ist dieser - der auf dem derzeit von der Feuerwehr genutzten Grundstück entstehen soll - Bestandteil des städtebaulichen Wettbewerbs. Wann hier aber eine Umsetzung ansteht, sei nicht abzusehen: "Vielleicht ist die Feuerwehr in 20 Jahren noch da", so Proske. Das hänge davon ab, wie schnell das Grundstück für einen Neubau verfügbar sei. Zudem sei auch nicht sicher, dass Euroboden auch die Bebauung des Feuerwehr-Areals übernehmen werde. Wenn man also über eine Reduzierung von Parkplätzen spreche, dann immer nur im ersten Bauabschnitt.
Würde man auf dem Schlüssel von 1,5 Parkplätzen pro Wohnung beharren, "ist das Mobilitätskonzept tot", sagte Christoph Münch (SPD). Schließlich fehle dem Investor dann der finanzielle Anreiz, es umzusetzen. Was bedauerlich wäre, denn das Konzept könnte einen wichtigen Beitrag zu weniger Verkehr in der Innenstadt leisten. Dafür warb auch Jürgen Friedrichs (Grüne), "wo, wenn nicht hier" könne man es mit dem Mobilitätskonzept versuchen. Schließlich sei das Grundstück nahe am Bahnhof, es gebe eine Bushaltestelle direkt daneben und durch die von Anfang an bekannte Tatsache, dass es weniger Parkplätze gibt, "locken wir Anwohner an, die weniger Autos haben."
Das bezweifelte Josef Riedl (CSU), er glaube "dass keiner, der in einer so teuren Gegend wohnt, sich mit einem einzigen Auto zufrieden gibt." Außerdem "ärgert es mich, dass wir hier über die Gewinnmaximierung eines Privatunternehmens diskutieren". Bei anderen Bauwerbern frage man schließlich auch nicht danach, was diese der Bau von Parkplätzen koste. Gressierer meinte, der finanzielle Anreiz für den Investor, das Mobilitätskonzept umzusetzen, sei auch bei der vollen Zahl der Stellplätze gegeben. Schließlich könne er, wenn die Bewohner weniger davon bräuchten, den Rest vermieten oder verkaufen. Ähnlich argumentierte Martin Schechner (CSU): "Wenn jemand 1,5 Parkplätze baut, muss er ja nicht 1,5 Parkplätze nutzen." Aber es sei doch besser, mehr Parkplätze zu bauen, als man am Ende vielleicht brauche, als umgekehrt - "dann haben wir ein Problem."
Mit sechs zu fünf Stimmen wurde die Reduzierung der Parkplätze schließlich abgelehnt. Ohne Gegenstimmen wurden weitere Details zum städtebaulichen Wettbewerb beschlossen. So wird der Investor und den größten Teil der Kosten tragen: Euroboden zahlt 84 014 Euro und die Stadt übernimmt 18 802 Euro, die aber aus Mitteln der Städtebauförderung kommen.
Ebenfalls einstimmig fiel der Beschluss, eine leichte Abweichung der Geschossflächenzahl zu erlauben. Während in der Umgebung eine GFZ von etwa 1,2 gilt - das bedeutet, pro Quadratmeter Fläche auf dem Grundstück, darf in den darauf befindlichen Gebäuden bis zu 1,2 Quadratmeter Fläche entstehen - würde man hier bis etwa 1,3 gehen, wenn es städtebaulich vertretbar ist. Der Investor hatte sich bis zu 2,3 gewünscht, dies befürwortete indes niemand im Ausschuss.
Auch der Zeitplan für den Wettbewerb wurde ohne Gegenstimmen beschlossen. Demnach beginnt die Jury nach den Pfingstferien mit ihren finalen Beratungen über die drei verbliebenen Entwürfe. Auf einem Zwischentermin Ende Juni sollen schon einmal Ergebnisse präsentiert werden. Der Gewinnerentwurf wird dann auf der Jurysitzung Ende Juli gekürt.
