Kultur im Landkreis Ebersberg:Umsonst mit einem Preis

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Kultur im Landkreis Ebersberg: Neben Kulinarik gab es im Ebersberger Klosterbauhof beim Kulturfeuer Livemusik.

Neben Kulinarik gab es im Ebersberger Klosterbauhof beim Kulturfeuer Livemusik.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bis zu 10 000 Gäste haben das diesjährige Ebersberger Kulturfeuer im Klosterbauhof besucht. Dennoch macht Veranstalter Markus Bachmeier mit dem Event vermutlich keinen Gewinn.

Von Michaela Pelz, Ebersberg

"Lagerfeuer macht friedlich!", so erklärt sich Markus Bachmeier die "entspannte und lockere" Atmosphäre des diesjährigen Kulturfeuers, bei dem sich vom 20. bis 31. Juli 2022 geschätzt 8000 bis 10 000 Besucherinnen und Besucher im Ebersberger Klosterbauhof einfanden. Nicht, dass etwas anderes zu erwarten gewesen sei, schließlich habe man auch in der Vergangenheit nie Probleme mit Betrunkenen oder Randale gehabt. "Aber mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass das vom Feuer ausgeht", sagt der Chef des Alten Kinos Ebersberg weiter.

Gleichzeitig sei aber ein ganz entscheidender Faktor für die gelungene Atmosphäre die folgende Tatsache: Niemand hatte etwas zu bezahlen, um es sich im Biergarten vor der Bühne bei Monster-Burgern und Angeboten der Panini-Bar - überall natürlich nebst vegetarischen und veganen Alternativen - gemütlich zu machen und dabei hochkarätigen Bands zu lauschen oder sich beim DJ-Abend vom Rhythmus wegtragen zu lassen. "Wir legen großen Wert darauf, dass man einfach unverbindlich vorbeischauen kann. Wenn man Bekannte trifft, bleibt man da, sonst geht man halt wieder. Sobald Eintritt verlangt wird, ist dieses Lockere weg, darum wollen wir das auf jeden Fall beibehalten", bekräftigt Bachmeier.

Veranstalter Bachmeier freut sich vor allem über viele junge Leute im Publikum

Zumal das Konzept gut angekommen sei, obwohl es "eigentlich ein echtes Musikfestival war", während früher der Schwerpunkt im Hof bei Gastronomie und gemütlichem Beisammensein lag. Viele Kulturfeuer-Fans seien zwei- oder dreimal dagewesen, einige habe er sogar jeden Abend gesehen. Ganz besonders gefreut hat Bachmeier sich, dass bei den Auftritten des Elektro-Frauen-Duos "Umme Block" und des Analog-Dance-Nonetts "Jungle by Night" erstaunlich viel junges Publikum vor Ort war. Die zu erreichen sei der Wunsch jedes Veranstalters und das sei an den betreffenden Abenden gelungen.

Aber auch sonst gab es bei "super Stimmung" immer eine gelungene Mischung, wie jeder bestätigen kann, den der Weg an einem der elf Tage (den Montag hatte sich das Alte-Kino-Team freigenommen) in den Klosterbauhof geführt hat - zwischen ausgelassen tobenden Kindern, Freundesgruppen jeden Alters im angeregten Gespräch oder sich tief in die Augen schauenden Teenagern und jungen Erwachsenen.

Alles also wunderbar, zumal auch intern bei der Organisation von Technik, Künstlerbetreuung und Gastronomie zu Bachmeiers großer Zufriedenheit alles bestens funktionierte und lief "wie geschmiert"? Was könnte besser sein als ein Event, bei dem am Ende alle glücklich sind, von den Besuchern über die Künstler bis hin zum Veranstalter?

Kultur im Landkreis Ebersberg: Gewinn wird Veranstalter Markus Bachmeier mit dem diesjährigen Kulturfeuer vermutlich keinen machen.

Gewinn wird Veranstalter Markus Bachmeier mit dem diesjährigen Kulturfeuer vermutlich keinen machen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

So einfach ist es leider nicht, denn: "Ein paar Miese" wird das Alte Kino wohl dennoch machen. Trotz des "gigantischen Wetters, das man sich besser nicht hätte wünschen können", hat es doch nur ein einziges Mal geregnet. Trotz des guten Umsatzes - einmal sei aufgrund der vielen verbrauchten Gläser gar das Spülmittel ausgegangen und jemand habe für passenden Spezial-Nachschub mehr als 45 Kilometer quer durch München bis nach Freiham fahren müssen. Und trotz des Sponsorings durch die Sparkasse, wodurch das Kulturfeuer überhaupt nur möglich gewesen ist.

Der Grund liegt genau in dem Sachverhalt, der auch für den Erfolg verantwortlich ist, also im ersten Teil des Mottos "umsonst & draußen". Denn wo für die Besucherinnen und Besucher die Teilnahme frei war, hatte der Veranstalter dennoch Kosten: "Wir haben tolle Bands engagiert, aber eben auch gegen entsprechende Gagen."

Zwar hätte es die Möglichkeit einer freiwilligen Abgabe durch den Kauf eines "Kulturbiers" oder "Kulturspritz" gegeben, das um zwei Euro teurer war als ein entsprechendes reguläres Getränk. Aber das wurde von den Gästen nur bedingt genutzt.

Auf Dauer ist das Konzept nicht finanzierbar

Vielleicht war den meisten einfach nicht bewusst, welchen Aufwand die Bereitstellung einer solchen Veranstaltungsreihe darstellt, die gleichzeitig das kulturelle Leben während des Sommers in der Stadt immens bereichert hat. Fakt ist, so Bachmeier: "Dieses Konzept, so wie jetzt, ist auf Dauer nicht finanzierbar." Darum wird er für das nächste Kulturfeuer in zwei Jahren wieder mit Veranstaltungen im Saal und Musikbeschallung draußen planen. "Der Hof soll definitiv umsonst bleiben, das ist mir ein großes Anliegen."

Wobei man ohnehin erst in anderthalb Jahren wisse, was Corona und die anderen aktuellen Krisen noch bringen werden.

Leider keine Option ist das, was sich viele Landkreisbürgerinnen und -bürger wünschen: jedes Jahr Kulturfeuer. "Das war nur deswegen finanzierbar, weil es letztes Jahr eine Sonderförderung gab."

Die Online-Plattform "Altes Kino TV" wird weiterhin betrieben

Um sich die Zeit bis zum nächsten Open Air im Klosterbauhof zu verkürzen und gleichzeitig praktische Solidarität mit dem engagierten Team rund um Bachmeier zu zeigen, besucht man am besten eine der bevorstehenden Veranstaltungen im Alten Kino oder Alten Speicher. Oder man nutzt die Angebote der Online-Plattform "Altes Kino TV", die sich mittlerweile ordentlich gefüllt hat. "Jeder, der sich dort etwas anschaut und dafür bezahlt, unterstützt Kino und Künstler", erklärt Bachmeier.

Auf zwei Konzerte des diesjährigen Kultursommers könne man sich dort demnächst freuen. Sobald sie nach der verdienten Sommerpause geschnitten sind, werden sie hochgeladen. Für das dazugehörige Lagerfeuerfeeling muss man notfalls dann halt den heimischen Kamin anfeuern.

Die zwei Kultursommer-Konzerte sowie mehr Videos aus dem Programm des Alten Kinos gibt es unter www.alteskino.tv.

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