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Coronavirus:Kreisklinik Ebersberg: Ab Freitag Einlasskontrollen für das Personal

Kreisklinik Außenaufnahmen

Die Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Das gilt auch für die wenigen verbliebenen Besucher. Wie der Betrieb im Krankenhaus in der Corona-Krise weiter läuft.

Im Auge des Sturms ist es bekanntlich ruhig. So auch aktuell am Knoten- und Angelpunkt einer Pandemie, dem Krankenhaus. Zumindest in der Kreisklinik Ebersberg ist es noch "relativ ruhig", wie Geschäftsführer Stefan Huber die Situation am Dienstag beschreibt. "Relativ ruhig": In diesen Zeiten bedeutet das, dass sich kein infizierter Patient im Krankenhaus befindet, auch wenn dort im Moment vier Verdachtsfälle behandelt werden.

Die Klinik ergreift trotzdem weitere Maßnahmen, um vorbereitet zu sein, falls die Infektionsrate im Landkreis Ebersberg weiter steigt. Auf ein Auftreten des Coronavirus in der Region sei man schon lange vorbereitet gewesen, so Huber, jetzt aber werden noch einmal die Kapazitäten im normalen Betrieb massiv heruntergeschraubt, um Platz für potenzielle Betroffene zu schaffen.

Alle Behandlungen, die Zeit haben und nicht akut sind, werden nicht mehr vorgenommen. Auch Operationen sind davon betroffen, viele werden abgesagt. Darunter etwa Hüft-OPs zum Einsetzen eines neuen Gelenks. Sie gelten als verschiebbar und fallen darum wegen der Ausbreitung des Virus erst einmal aus.

Mehr Labortests möglich

Im Diagnostikzentrum des Landkreises im früheren Kreissparkassengebäude wurden in den vergangenen Tagen laut Landratsamt im Schnitt etwa 40 Personen untersucht. Man arbeitet nun mit weiteren Laboren zusammen um die Rückmeldung der Tests zu beschleunigen. Von Freitag an werde das Gesundheitsamt die Anzahl der Untersuchungen deutlich erhöhen können. Derzeit wird an der Einrichtung eines mobilen Untersuchungszentrums für die Abstriche im Landkreisnorden gearbeitet.

Organisatorisch und zur Terminvereinbarung wird das Gesundheitsamt von Mitarbeitern des Landratsamtes unterstützt. Bei den Untersuchungen sind Kräfte des BRK im Einsatz. Die Hausärzte haben von morgen an die Möglichkeit, für ihre Patienten Untersuchungstermine zu vereinbaren.

Hierzu können sie nach Angaben des Landratsamts entweder eine Überweisung für den Patienten schreiben, der sich dann direkt an eine spezielle Stelle für die Terminvereinbarung wendet oder sie vereinbaren gleich direkt einen Termin für den Abstrich. Für Anfragen von Unternehmen aus dem Landkreis wurde eine E-Mail-Adresse eingerichtet: corona-gewerbe@lra-ebe.de. Eine Hotline für Unternehmen ist unter der Telefonnummer (08092) 823 685 eingerichtet. Die Hotline ist von Montag bis Freitag zu den üblichen Öffnungszeiten des Landratsamtes erreichbar. Außerhalb dieser Öffnungszeiten erreicht man das Landratsamt auf der Bürgerhotline unter (08092) 823 680.

Im Landratsamt arbeiten die Mitarbeiter so weit wie möglich in Schichten, so dass bei möglichen Erkrankungsfällen der Notbetrieb aufrechterhalten werden könne, wie die Behörde mitteilt. Zahlreiche Mitarbeiter arbeiten im Home-Office. Das Landratsamt ist für Besucher geschlossen. Wer dringende unaufschiebbare Angelegenheiten zu erledigen hat, muss sich telefonisch oder per E-Mail melden. Der Krisenstab im Landratsamt ist seit Mittwoch mit dem BRK verstärkt, von Donnerstag an wird auch die Polizei den Stab unterstützen. SZ

Seit Montag gibt es, neben der Absage sämtlicher Veranstaltungen, ein Besucherverbot in der Kreisklinik. Nur in dringendsten Fällen wird engsten Angehörigen der Zugang gestattet, darunter zählen Palliativfälle und Geburten. Es habe neulich den besorgten Anruf eines werdenden Vaters gegeben, so Huber, ob er denn bei der Geburt seines Kindes dabeisein dürfe. "Selbstverständlich" sei dies möglich, sagt der Geschäftsführer. Das Leben geht schließlich weiter, und wenn Corona gerade vor nichts haltzumachen scheint, kümmert sich umgekehrt auch werdendes Leben wenig um eine Pandemie. Es bahnt sich auch in Krisenzeiten seinen Weg.

Die Reaktionen auf das Besucherverbot seien stark unterschiedlich. Während der überwiegende Teil der Patienten und Angehörigen mit großem Verständnis reagiert, stößt die Maßnahme auch immer wieder auf Ignoranz, Wut und Unverständnis, sagt Huber. Es handelt sich allerdings um eine offizielle Anordnung des Landes Bayern, darum ließe sich wenig daran ändern, so Huber. Zumal ein Besucherverbot schlussendlich auch dem Schutz der Patienten dient und hilft, die Ausweitung des Virus zu verlangsamen.

Von Freitag an gibt es zudem nur noch einen einzigen Eingang zur Kreisklinik Ebersberg, erklärt Huber. An diesem findet für alle Klinikbetretenden ein Screening auf potenzielle Symptome statt, inklusive Fiebermessen. Diese Maßnahme gilt für alle, ungeachtet ob Krankenhauspersonal oder Angehörige, welche noch zu Besuch zugelassen werden.

In Kürze wird zudem eine Quarantänestation in Betrieb genommen werden. Dabei handelt es sich um eine komplett freigeräumte, leer stehende Station. Durch eine Schleuse ist sie isoliert, nur Mitarbeiter haben Zugang - und dann auch nur in persönlicher Schutzausrüstung. Diese besteht aus Einmalschutzkitteln, Masken, Schutzbrille und Handschuhen.

Dabei sei dies eine normale Situation für ein Krankenhaus, sagt Huber. Auch im gewöhnlichen Betrieb kommt es ständig zum Umgang mit isolationspflichtigen Patienten, wenn zum Beispiel jemand an Norovirus erkrankt. Neu an dieser Situation ist nur, dass die Patienten sich nicht nur in einem Isolationszimmer befinden, sondern eine ganze Station zu diesem Zweck freigeräumt wurde. Die benötigte Schutzkleidung für das Personal ist derzeit ebenfalls noch in ausreichendem Maße vorhanden, man hofft in der Kreisklinik, dass Bestellungen auch weiterhin gut funktionieren.

Geschäftsführer Stefan Huber betont, dass man auch ansonsten weit über das Normale hinausgegangen sei: Die Beatmungskapazität habe man verdoppelt, zwanzig Patienten könne man nun beatmen. Auch die Intensivkapazität sei stark hochgefahren worden.

Die Bettenzahl der Klinik ist auf die etwa 145 000 Einwohner des Landkreises ausgelegt. Eine Mitversorgung auch anderer Teile des Landes im Fall der Fälle schließt Huber nicht aus, allerdings sei es unmöglich, hierzu genaueres zu sagen, angesichts des unvorhersehbaren weiteren Verlaufs der Pandemie.

Um die Versorgung der Patienten mit ausreichend Personal sicherzustellen, sollte es zu einem verstärkten Aufkommen an Infizierten kommen, passt die Klinik aktuell die Dienstpläne an. Überstunden und Urlaubstage werden abgebaut, damit sicher genug Personal da ist, bis zum Zeitpunkt des erhöhten Patientenzulaufs. "Wann das der Fall ist, kann gerade keiner sagen", sagt Stefan Huber. Stand Mittwoch liegt die Zahl bei 31 Infizierten im Landkreis, 141 Landkreisbürger befinden sich in Quarantäne.

Vor allem aber gehe das Personal selbst sehr gut mit der Situation um, sagt Huber. Man merke wirklich, wie professionell sie im Umgang mit Krisen geschult seien. Auch die Kinderbetreuung, angesichts geschlossener Schulen und Kitas, funktioniere und sei gut organisiert. "Ein großes Lob an die Mitarbeiter an dieser Stelle, wie mit der Situation umgegangen wird", so der Geschäftsführer.

© SZ vom 19.03.2020
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