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Energiewende:Erste Bilder von der Vision im Ebersberger Forst

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Mit scharfem Blick ist in der Tiefe der Visualisierung der Energieagentur zu erkennen, wo die fünf Windräder aus dem Ebersberger Forst ragen könnten - hier aus Perspektive des Zornedinger Ortsteils Wolfesing.

Darf man in einem der größten Wälder Südbayerns Bäume fällen, um fünf Windräder zu bauen? So könnte es dort künftig aussehen.

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Man muss etwas genauer hinsehen, damit man die Protagonisten dieses Bildes erkennt: Fünf Windräder, die aus dem Ebersberger Forst in den Himmel ragen. In der künstlichen Visualisierung werden die Windkraftanlagen nahezu unsichtbar dargestellt. Als wolle man illustrieren, wie wenig die fünf Rotoren über den Baumwipfeln das Landschaftsbild verändern werden. Auf der Seite www.windenergie-landkreis-ebersberg.de sind seit Mittwoch neun solcher Visualisierungen aus verschiedenen Perspektiven abgebildet. Die Energieagentur Ebersberg-München präsentiert damit eine Variante für einen Windpark im Forst. Eine Vision, die den Landkreisbürgern nun erstmals vor Augen geführt wird.

In Wirklichkeit steht im Landkreis Ebersberg bis dato nur das eine Windrad in der Gemeinde Bruck. Die Energieagentur Ebersberg-München hat nun ihre Informationskampagne präsentiert, mit der sie sich in den kommenden drei Monaten an die Bürger wendet. Anlass ist der bevorstehende Bürgerentscheid im Mai, bei dem sich entscheiden soll, ob im Ebersberger Forst Bäume für Windkraftanlagen gefällt werden sollen oder nicht. "Wir wollen aufrufen zur Wahl", so Energieagentur-Sprecher Benjamin Hahn bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Die Kampagne solle "die Menschen nicht in dem beeinflussen wie sie sich entscheiden, sondern dass sie sich entscheiden".

Was ist aus ökologischer Sicht eher zu verkraften? Fünf Löcher in einem der größten zusammenhängenden Wälder Südbayerns (die andernorts aufgeforstet werden müssen)? Oder der komplette Verzicht auf Windenergie im 9000 Hektar großen Forst? Kaum eine Frage hat im Kreis Ebersberg in den vergangen Jahren mehr Kontroversen und Debatten ausgelöst. Der Landesbund für Vogelschutz und die Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst sprechen sich klar dagegen aus, der Bund Naturschutz ist dafür. Genau wie die Energieagentur. Das Unternehmen der Landkreise Ebersberg und München steht für die Energiewende und auch für Windkraft.

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Die Visualisierung der Energieagentur Ebersberg-München aus der Perspektive von Purfing (Gangsteinweg/Wiesenweg), Ortsteil von Vaterstetten.

Die Position der Agentur wird auf ihrer Webseite deutlich, die seit Mittwoch online ist und auf der Startseite mit Windrad- Rotoren begrüßt. Dort ist zu erfahren, dass die Energieagentur sechs Exkursionen zu Windkraftanlagen veranstaltet, die bereits in Betrieb sind. Per Bus geht es zu je zwei Terminen in die Gemeinden Berg (Kreis Starnberg) und Fuchstal (Landsberg am Lech), wo seit mehreren Jahren jeweils vier gut 200 Meter hohe Windräder stehen. Beide Orte wurden ausgewählt, weil die Anlagen ebenfalls in einem Wald stehen und sich als Vergleichs-Standorte eignen. Zwei weitere Termine bietet die Energieagentur in Bruck an - wo das einzige Windrad im Kreis Ebersberg steht.

Zu den Terminen sind laut Energieagentur sämtliche Landkreisbürger eingeladen, kostenlos inklusive Anfahrt. Nur nach Bruck ist aufgrund der Nähe keine Busfahrt geplant. Zusätzlich zu den Teilnehmern sollen auf den Terminen Personen dabei sein, die in der der jeweiligen Anlage nächstgelegen Siedlung wohnen. Auch in Hamberg bei Bruck, wo das Windrad noch vor Seehofers 10-H-Regelung in nur 400 Metern Entfernung von der nächsten Behausung errichtet wurde, sollen Anwohner von ihren Erfahrungen berichten. "Sie werden etwas zur Geräuschkulisse sagen und stehen zum Dialog bereit."

Die Energieagentur erklärt ausdrücklich, dass die Einladung zur Exkursion auch und besonders Menschen gelte, die Zweifel haben oder Windkraft im Forst kritisch sehen. Falls es vor Ort über die Maßen emotional zuginge, "müssen wir notfalls eingreifen", erklärt Sprecher Hahn. "Wir möchten aber schon, dass kontroverse Meinungen geäußert werden." Beim Treffen in der Windkraft-Gemeinde Berg wird etwa der dortige Bürgermeister Rupert Steigenberger als Gast erwartet. Man erhoffe sich, dass Steigenberger "Bedenken ausräumen kann". Einen neutralen Moderator, so die Energieagentur, halte man bei den Exkursionen für verzichtbar.

Die Vision führt in der Region bisweilen auch zur Division, zur Spaltung. Waldschützer betonen vor allem die Qualitäten des Ebersberger Forst mit seinen FFH-Gebieten, dem Bannwald, und den Wasserschutzarealen. Auf der neuen Webseite der Energieagentur werden diese Qualitäten in der Rubrik "Projekte" analysiert. Die Seite kommt zu dem Fazit, dass die fünf bisher auserkorenen Standorte für die Windräder die besonders schützenswerten Bereiche des Forsts nicht tangieren. Ein Schluss, der schlüssig sein mag - vor allem aber Windkraft-Plänen entgegen kommt.

Die Energieagentur zeigt sich im Pressegespräch sichtlich bemüht, den Informations-Charakter ihrer Wahlvorbereitungen in den Vordergrund zu rücken. Die Webseite macht aber auch deutlich, dass die Energieagentur schon ihres Auftrags wegen keine gänzlich unabhängige Informationsquelle sein kann. In der Rubrik Faktencheck etwa untersucht die Energieagentur Behauptungen aus Leserbriefen und stellt diese im Falle eines Fehlers richtig - unterlegt wird dieser Faktencheck durch verlinkte wissenschaftliche Quellen. Der Faktencheck nimmt sich allerdings - Stand Mittwoch - ausschließlich Statements vor, die gegen Windkraft argumentieren. Benjamin Hahn erklärt hierzu, dass man auch Leserbriefe pro Windkraft richtig stellen würde, wenn dort Fehler unterlaufen.

Termine für die Windrad-Exkursionen: Fuchstal, 20. März und 18. April. Bruck, 25. März und 7. Mai. Berg, 17. April und 9. Mai. Anmeldung demnächst unter www.windenergie-landkreis-ebersberg.de

© SZ vom 11.02.2021/koei
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