Ebersberger Forst:"Weiße Frau" entgeistert Erdinger Streifenpolizisten

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Ebersberger Forst: Guter Stoff für Legenden: Vorhänge dienen der langjährigen Ebersberger Stadtarchivarin Antje Berberich als Kostüm. Die Aktion war im Rahmen des offenen Denkmal-Tags angemeldet.

Guter Stoff für Legenden: Vorhänge dienen der langjährigen Ebersberger Stadtarchivarin Antje Berberich als Kostüm. Die Aktion war im Rahmen des offenen Denkmal-Tags angemeldet.

(Foto: Christian Endt)

Spukt es im Ebersberger Forst? Zwei Zivilbeamten unterbrechen eine angemeldete Aktion.

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg/Erding

Eine verschleierte Gestalt in Weiß steht vor einer Kapelle und bewegt sich im Stil eines Gespensts. Jene, die an diesem "Tag des offenen Denkmals" die Hubertuskapelle bewusst aufsuchten, wussten, was sie erwartet: eine Aktion der kreisbekannten Historikerin Antje Berberich zum größten Mythos des Ebersberger Forsts, der Legende der "Weißen Frau", die bis heute im Dunstkreis der Kapelle spuken soll. Am Sonntag allerdings waren auch Menschen im Forst unterwegs, die von der weißen Gestalt überrascht wurden. Und so bekam das Gespenst Besuch von der Polizei.

Zum bundesweit ausgetragenen Denkmaltag waren im Ebersberger Forst 31 Führungen und Aktionen offiziell angemeldet. Eine davon: Die "Weiße Frau" an der Hubertuskapelle, die dicht neben der Staatsstraße 2080 steht und damit prominent platziert ist. An diesem Ort, so erzählt man sich im Landkreis, soll einst eine weiß gekleidete Frau samt ihrer Kinder von einem Auto erfasst und getötet worden sein. Seither kehrt sie als Geist zurück zum Unglücksort, um - der Legende nach - ihren Mörder zur Rede zu stellen.

Weil der Geist der Weißen Frau am Sonntag verhindert war, stand nun also Antje Berberich restlos verhüllt vor der Kapelle und bewegte sich geisterhaft durch den Tag. So lange, bis ein Auto scharf bremsend vor der Kapelle hielt und zwei Zivilpolizisten wenig begeistert ausstiegen. "Sie haben sich in Drohgebärde vor mir aufgebaut und einen unmöglichen Ton angeschlagen", so Berberich. Ihre Gäste waren gekommen, um mit Historikerin Berberich den Wahrheitsgehalt der Legende zu diskutieren. Nun wurden sie Zeuge einer neuen - ähnlich legendären - Geschichte.

Berberich erzählt es am Montag am Telefon. "Ich hatte die Befürchtung, die nehmen mich mit", sagt sie. In ihrer Not - und mangels Ausweisdokumenten - rief sie den Organisator des Denkmal-Tags Thomas Warg an. "Die Polizisten waren nicht nett zu ihr", sagt Warg auf Nachfrage. Als er eintraf und den Beamten den Zweck der Aktion erklärte, habe sich die Lage entspannt - und die Stimmung der Polizisten verbessert. Berberich verzichtete fortan auf die Kopfbedeckung, die den Geist zuvor so schaurig echt wirken hatte lassen.

Wie von der Polizei zu erfahren ist, waren die Beamten von der Erdinger Zivilstreife zufällig vorbei gekommen, als "eine Person in flatterndem Gewand an der Straße stand", wie am Montag auf Nachfrage von der Polizeipressestelle in Ingolstadt zu erfahren ist. Wegen des Rückreiseverkehrs am letzten Feriensonntag war die St 2080 stark befahren. Die Erdinger Polizisten hätten dort eine Gefährdung befürchtet und lediglich durchgesetzt, dass die Aktion weniger nah am Straßenrand stattfinden soll.

Berberich, die samt Kostüm bleiben durfte, wirkt am Tag danach dennoch mitgenommen. Schwedische Gardinen? Gerade habe sie die beiden schneeweißen Vorhänge - die wichtigsten Teile ihres Kostüms - wieder aufgehängt, sagt sie. Im Arbeits- und im Wohnzimmer. Und so lautet das Fazit dieser Textil-Geschichte: Guter Stoff.

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