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Ebersberger erinnern sich:Streber und Schlingel

1417 Buben und Mädchen erleben an diesem Dienstag im Landkreis ihren ersten Schultag - eine aufregende Sache: Neben wem wird man sitzen? Ist die Lehrerin nett? Für acht Persönlichkeiten aus dem Landkreis Ebersberg liegen diese Erlebnisse schon eine Weile zurück - hier erzählen sie von ihrem ersten Schultag

Die Schule schon immer geliebt

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands: Mein Vater war Lehrer an der Nachbar-Hauptschule. Ich wusste schon, wie es in der Schule so ist. Schon als Kindergartenkind bin ich immer mit ihm in den Unterricht gegangen. Ich war also nicht aufgeregt. Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass es da genauso sein wird, wie in der Klasse von meinem Vater. Das war aber anders, als Erstklässlerin kam ich zur Lehrerin Frau Machalitzky. An der Grundschule am Hasenbergl wurde ich eingeschult. Ich erinnere mich: Es waren wunderbare erste Schuljahre. In der Schultüte waren Stifte, Federmäppchen, Süßes und ein Kuscheltier. Dieser kleine Bär begleitete mich meine ganze Schul- und Lebenszeit. Er steht jetzt hier in meinem Büro. Was meine Lieblingsfächer betrifft: Ich mochte gerne musizieren, malen und auch Mathematik. Spannend heute: Ich studierte dann Mathematik und Kunst, neben Schulpsychologie und Arbeitslehre. In der dritten Klasse kam ich dann hier nach Pöring - in die kleine Dorfschule am Land. Von Hasenbergl nach Pöring war für mich kein Bruch. Beides waren wunderbare erste Schul-Erfahrungen. Und eines war mir immer schon klar: Schon im Kindergarten, als ich mit meinem Vater in seiner Klasse war, wollte ich Lehrerin werden. In der Grundschule wurde es mir immer bewusster. Und so wählte ich gleich nach meinem Abitur hier in Vaterstetten das Lehramtsstudium für Hauptschule. Genau das Richtige! Heute fehlen mir die Schule, die Lehrer, das Schulleben und die Schülerinnen und Schüler. Und: mein Beruf als BLLV-Präsidentin ist genau richtig für mich! Schule neu denken, ja, das wollte ich immer schon - begonnen als dreijähriges Mädchen in der Hauptschulklasse meines Vaters am Hasenbergl!

Stolz auf Schneewittchen

Doris Rauscher, Ebersberger SPD-Landtagsabgeordnete: Eingeschult wurde ich 1973 in der Grundschule in der Floßmannstraße in Ebersberg (mit Foto ganz klassisch vor dem traditionellen Steinmännchen). Ich war sechs Jahre alt und habe mich sehr auf den ersten Schultag gefreut. Natürlich war ich ebenfalls sehr aufgeregt. Vor allem die Vorfreude auf meine Schneewittchen-Schultüte und den vererbten, dunkelgrünen Leder-Schulranzen waren besonders groß. Daran kann ich mich gut erinnern! In der Tüte waren ein paar Süßigkeiten und Buntstifte. Ich hatte eine sehr nette Lehrerin und habe während der Grundschulzeit vor allem das Schreiben lernen geliebt und die Bastelstunden.

Am Anfang brav

Robert Niedergesäß, Landrat (CSU): Ich wurde im September 1977 im Alter von sechs Jahren in der Grundschule an der Brunnenstraße in Baldham eingeschult. Genaue Erinnerungen an diesen besonderen und spannenden Tag habe ich nicht mehr, wahrscheinlich war ich sehr nervös und beeindruckt. Meine Klassenlehrerin Frau Hax war eine strenge Lehrerin der alten Schule, die schon meine Mutter und meine Schwester unterrichtet hatte. Zum 80. Geburtstag habe ich ihr dann als Bürgermeister gratuliert. An Lieblingsfächer kann ich mich nicht mehr genau erinnern, Religion musste ich gemocht haben, weil ich später Ministrant wurde. In der Schultüte waren bestimmt leckere Süßigkeiten und wer neben mir saß, daran kann ich nicht mehr erinnern. Nach Berichten meiner Eltern war ich nur anfangs ein sehr braver Schüler und gehörte dann eher zur Gruppe der frecheren Schüler.

Der erste Auftritt

Sebastian Schlagenhaufer, Sänger, Kabarettist und künstlerischer Leiter der Stadthalle Grafing: Die Erinnerungen an den ersten Schultag sind sehr dünn. Ich war nicht sonderlich aufgeregt, vielleicht auch weil mein Nachbar ebenfalls mit mir in die Klasse kam. Ich kann mich auch an den Geruch im Schulhaus erinnern, weiß nicht ob das von einem Putzmittel kam und hatte dann ein "Flashback" bei der Einschulung meiner Tochter, es roch immer noch genauso. In der Schultüte waren Süßigkeiten und auch ein paar Stifte, allerdings kein Spielzeug, wie es heute oft der Fall ist. Das ging mir aber auch nicht ab. In einer Bank saß ich mit Manfred Maier, bis wir auseinandergesetzt wurden. Mit ihm habe ich immer noch Kontakt, wir haben uns gerade erst getroffen. Mit ihm hatte ich auch meinen ersten "Bühnenauftritt". Als Strafe für Schwätzen und anderes mussten wir beide immer Strophen der "Heinzelmännchen zu Köln" auswendig lernen. Vorsichtshalber haben wir schon immer vorausgelernt. Als das für Grundschüler wirklich lange Gedicht dann erschöpft war, mussten wir einen Clownsketch lernen, den wir dann gemeinsam aufführen mussten. Eine richtige Strafe war das freilich nicht. Und ich tue mir vielleicht deshalb heute noch sehr leicht, mit Lernen von Texten, was mir bei meinen Kabarettauftritten immer noch zu Gute kommt.

Endlich lesen lernen!

Edeltraud Rey, Sängerin, Liedermacherin und Kabarettistin: Meine Einschulung war vor genau 50 Jahren, im Jahr 1969. Ich wuchs in der Siedlerstrasse in Kirchseeon auf und freute mich wahnsinnig auf die Schule. Ich wollte endlich lesen, schreiben und rechnen lernen. Meine übernächste Nachbarin, eine Tochter von Herrn Reupold, dem Perchtenvater, war älter als ich und ich ließ mir mit fünf Jahren von ihr jeden Tag zeigen und erzählen, was sie in der Schule gemacht hatte. Natürlich probierte ich alles gleich selbst aus, meine Mutter hatte mir extra ein Schulheft besorgen müssen. In der Schultüte waren - wie damals üblich - Süßigkeiten und Buntstifte. Natürlich war ich am ersten Schultag sehr aufgeregt - ich kannte ja fast niemanden, weil ich den Kindergarten nicht besucht hatte. Ich musste mich neben einen Buben setzen, weil es der einzige war, neben dem noch ein Platz frei war. Meine Lehrerin hieß Frau Fiebiger und war als junge Lehrerin gerade nach Kirchseeon gekommen.

Mit Blumenkranz

Antje Berberich, Stadtarchivarin und Kuratorin der städtischen Ausstellungen in Ebersberg: Was die Schultüte betrifft, dieses "Ritual" kannten wir in Siebenbürgen nicht. Sicher auch die Österreicher nicht, da alles rüberschwappte. Deshalb gibt es aus meiner Kindheit natürlich auch kein Foto mit einer Schultüte. Da war schon die neue Schultasche (aus Leder) sehr beeindruckend. Ich kann mich an ein Blumenkränzchen in meinen roten Haaren erinnern, ein neues Kleidchen, welches unsere Schneiderin eigens aus einem Seidenstoff nähte, den meine Mutter in Wien kaufte. Die Schühchen kaufte meine Mutter in Bukarest, da hatten wir auch eine Niederlassung. Die erste und zweite Klasse besuchte ich (wie auch den Kindergarten) auf dem eigenen Grundstück, in der ehemaligen Villa meiner Urgroßeltern auf dem Mühlberg, die leer stand. Der Mühlberg ist ungefähr viermal größer als der Hügel in Ebersberg-Südwest, da hatten die Großeltern, die Fabrikantenbesitzer waren, jedem ihrer Kinder eine Villa nach eigenem Gusto bauen lassen. Weil Kriegszeit war und unsere "Blumenauer Schule" gesperrt war - das waren erste Maßnahmen gegen Deutsche und deren Bildung -, fand der Kindergarten im riesigen, ehemaligen Wohnzimmer der Urgroßeltern statt, die zwei Klassenzimmer befanden sich in einer großen Dependance, dem Wirtschaftsgebäude. Gut erinnern kann ich mich an die Pausen. Da erwartete die Kinder aus allen Klassen auf dem Steilhang vor der Schule eines unserer Kindermädchen mit einer riesigen Kanne Buttermilch vor sich; dazu gab es frische, noch warme Semmeln aus der Versuchsbäckerei. Noch heute trinke ich diese Köstlichkeit, allerdings Kefir, weil der die Qualität von damals aufweist.

Tüte mit viel Papier

Josef Huber, Kreisheimatpfleger: Leider habe ich in meiner Fotokiste kein Foto von meinem ersten Schultag im September 1955 gefunden, das Bild hier stammt von meinem ersten Schulfasching. Mein Vater hatte zwar einen Fotoapparat, aber es wurde zu der Zeit nicht so viel fotografiert. Nach dem Betätigen des Auslösers musste man den Film an einem Drehknopf für das nächste Foto weiterdrehen. Fotografieren war damals sehr aufwendig, und dem ersten Schultag wurde nicht so große Bedeutung zugesprochen, wie es heute der Fall ist. Ich erinnere mich, dass ich zwar schon eine Schultüte bekam, aber die war zu drei Vierteln mit zerknülltem Zeitungspapier gefüllt, und nur ganz oben hatte die Mama "Guadl", Malstifte und Plastilin hineingetan. Meine Oma begleitete mich am ersten Schultag den zwei Kilometer langen Schulweg von Springlbach nach Ebrach. Damals wurde kein Kind mit dem Auto zur Schule gefahren.

Besonders gut kann ich mich an den Schulzimmergeruch erinnern. Es roch da ganz anders als daheim auf unserem Bauernhof. Der dunkle Holzboden und das Holzpodest vor der großen Schultafel war wahrscheinlich in der vorausgehenden Ferienzeit mit Bohnerwachs eingewachst worden. Meine Schule hatte für alle acht Klassen nur ein Klassenzimmer. Es wurden immer vier Klassen in den Vormittagsunterricht und dann wieder vier Klassen im Nachmittagsunterricht zusammengefasst. Die Schulbänke hatten eine angebaute schräge Tischplatte mit oben eingelassenen, gläsernen Tintenfässchen. Auf unserem langen Schulweg waren sehr viele Schulkinder unterwegs und deswegen war es nie langweilig.

Das Fach Musik gehörte von Anfang an zu meinen Lieblingsfächern. Mein Papa sang im Ebracher Kirchenchor und der Chorleiter war der Lehrer der Oberklassen. Ich war sehr stolz auf meinen Vater, wenn man ihn vom Chor heraushörte, oder wenn er sogar mit seiner Tenorstimme Liedstellen solo vortrug. Das war für mich Ansporn, in Musik gut zu sein, um aber auch die Lehrerin und den Lehrer nicht zu enttäuschen. Das Fach Leibeserziehung gehörte wie das Basteln und Malen, also Kunsterziehung, zu meinen Lieblingsfächern. Insgesamt gab es für mich schon auch den eigenen Anspruch, immer in allen Fächern gut zu sein.

Die Schule hat mich seit meinem ersten Schultag nicht mehr losgelassen. Ich bin Lehrer für Grund- und Hauptschulen geworden.

Pumuckl als Ansporn

Thomas Huber, CSU-Landtagsabgeordneter: Ich wurde 1978 in der Grundschule Grafing eingeschult, zwei Monate nach meinem sechsten Geburtstag. In der Schultüte waren natürlich Süßigkeiten, aber auch Buntstifte, weil ich absolut gern malte, und eine Pumuckl-Kassette. Mein Banknachbar war Beppi Wieser (Josef Wieser jun.), einer meiner besten Freunde aus meiner Kinder- und Jugendzeit. Meine Eltern meinten, ich wäre völlig unaufgeregt gewesen und ich hätte mich total auf die Schule gefreut. Nach meiner Erinnerung hat sich das mit der Freude aber im Laufe meiner Schulzeit immer wieder geändert. Mein Lieblingsfach war in der Grundschule eindeutig Heimat- und Sachunterricht und später dann Geschichte und Sozialkunde.