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Waffen im Kreis Ebersberg:Schreckschuss lass nach

Kleiner Waffenschein

Symbolfoto.

(Foto: dpa)

Der bundesweite Trend ist steigend. Im Landkreis Ebersberg beantragen hingegen immer weniger Menschen einen sogenannten kleinen Waffenschein.

Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalpistolen und Elektroschocker - wer eine dieser Waffen in der Öffentlichkeit bei sich trägt, braucht dafür einen sogenannten kleinen Waffenschein. Einen solchen haben in den vergangenen Jahren deutschlandweit immer mehr Bürger beantragt. Im Landkreis Ebersberg dagegen ist die Nachfrage stark rückläufig. Diese Entwicklung begrüßt man vor allem bei der hiesigen Polizei, die von Waffen als Verteidigungsmittel ohnehin nicht viel hält.

Wie eine Umfrage der Rheinischen Post bei den Innenministerien aller 16 Bundesländer ergeben hat, besitzen in Deutschland derzeit rund 640 000 Bürger den kleinen Waffenschein. Im Jahr 2014 waren es dagegen nur 260 000. Und dieser Trend hält offenbar an, denn allein in den vergangenen zwölf Monaten belief sich der Umfrage zufolge der Zuwachs auf rund neun Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Gegensatz dazu fühlen sich die Ebersberger in ihrem Landkreis offenbar immer sicherer. Denn wie Zahlen des Landratamtes zeigen, gehen die Anträge für den kleinen Waffenschein hier rapide zurück.

Die Antragswelle im Landkreis Ebersberg nahm 2015 so richtig Fahrt auf, damals wollten 60 Bürger - und damit mehr als dreimal so viele wie im Vorjahr - einen kleinen Waffenschein haben. Damals führte man das beim Landratsamt auf ein "subjektives Gefühl der Unsicherheit durch die große Zuwanderung" zurück. Den bislang größten Ausschlag gab es schließlich 2016 mit 339 Anträgen. Hier dürften wohl die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht 2015 in Köln eine entscheidende Rolle gespielt haben. Seither nämlich geht die Nachfrage sukzessive zurück: 2017 waren es 113 Anträge, 2018 noch 45 und in 2019 musste die Landkreisbehörde bislang 43 Anfragen prüfen.

43 Anträge

So viele Anfragen für den kleinen Waffenschein gingen in diesem Jahr Stand jetzt beim Ebersberger Landratsamt ein. Das sind zwar fast genauso viele wie im kompletten Vorjahr, im Vergleich zu 2016 und 2017 geht die Nachfrage aber deutlich zurück. Damals lagen die gestellten Anträge jeweils noch im dreistelligen Bereich.

Die Hürden dafür, einen kleinen Waffenschein zu bekommen, sind auf den ersten Blick eher niedrig. Neben Volljährigkeit, fachgerechter Aufbewahrung der Waffe und geistiger Eignung muss der Antragsteller lediglich ein einwandfreies Führungszeugnis vorweisen. Dem Ebersberger Landratsamt zufolge ist jedoch gerade Letzteres häufig ein Grund, warum ein Gesuch abgelehnt wird. Ab einem Eintrag von 60 Tagessätzen im Bundeszentralregister werde keine Besitzerlaubnis ausgehändigt. Ob nun mehr Männer oder Frauen einen Antrag stellen, kann die Behörde nicht beantworten. Diese Kriterien würden von den Mitarbeitern nicht ausgewertet, heißt es.

Nichtsdestotrotz steht fest, dass der Wunsch nach einer Schreckschusspistole oder einem ähnlichen Hilfsmittel zur Selbstverteidigung im Landkreis offenbar stark nachlässt - eine Nachricht, die man bei der Polizei gerne hört. "Wir begrüßen das sehr. Das ist eine tolle Entwicklung", sagt Ulrich Milius. Der Ebersberger Polizeichef ist der Ansicht, dass man sich mit Waffen nicht wirklich schützen könne. Im Gegenteil: "Das bringt nur Gefahren mit sich und kann zu Fehlinterpretationen führen." Zudem sind die entsprechenden Waffen Milius zufolge alles andere als Faschingspistolen, sondern können auf kurze Distanz durchaus zu schweren Verletzungen führen.

Statt also mit Schreckschusswaffen für eine unnötige Eskalation zu sorgen, rät der Leiter der Ebersberger Polizeiinspektion eher zu Schulungen für richtige Verhaltensweisen in bestimmten Situationen. Ohnehin müsse man im Landkreis aber nicht allzu viel Angst vor Verbrechen haben. "Wir leben hier in einer sehr, sehr sicheren Gegend", so Milius. Und tatsächlich: Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt, dass die Straftaten im Ebersberger Raum seit dem Jahr 2016 trotz steigender Bevölkerungszahl kontinuierlich zurückgehen. Mit 4406 Fällen im vergangenen Jahr steht die Region teils deutlich besser da als vergleichbare Landkreise wie Freising (6370), Dachau (4883) oder Fürstenfeldbruck (7766).

"Die Menschen hier haben nicht so das Bedürfnis nach Schusswaffen", sagt deshalb Polizeichef Ulrich Milius. Und das trifft nicht nur auf Schreckschusspistolen zu, sondern auch auf echte Waffen. Denn auch die jährliche Nachfrage nach dem großen Waffenschein ist im Landkreis Ebersberg verschwindend gering. Die Anträge liegen hier laut Landratsamt im einstelligen Bereich, was - wie man bei der Behörde mutmaßt - wohl auch mit den hohen gesetzlichen Hürden zu tun haben dürfte.

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