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Angeblicher Skandal in Ebersberg:Eine Villa für Geflüchtete: Gute Nachrichten

Jahreswechsel

Ein Kind weint, als es in dem Dorf Skala Sikaminias auf der griechischen Insel Lesbos ankommt, nachdem es mit anderen Migranten aus der Türkei die Ägäis überquert hat (Symbolfoto).

(Foto: Angelos Tzortzinis/dpa)

Wenn sich Wohnraum findet für Menschen in Not, ist das nur positiv. Nicht entscheidend ist, wer in diesem Viertel wie viel Geld auf dem Konto hat.

Kommentar von Korbinian Eisenberger

Es ist nicht zuvorderst wichtig, wo genau ein in Not geratener Mensch eine Bleibe findet. Entscheidend ist, dass sich überhaupt ein Ort findet. Und dem Landkreis Ebersberg ist dies womöglich gelungen. Ein Wohnhaus in der Kreisstadt könnte 14 Menschen beherbergen, zum Beispiel aus griechischen Elendslagern wie etwa auf Lesbos. Das ist die Nachricht, eine gute Nachricht für alle, denen Demokratie und Humanität am Herzen liegen.

Dass es sich bei der Herberge im architektonischen Sinn womöglich um eine Villa mit Gartenanlage handelt, ist nicht weiter von Belang. Entscheidend ist, dass sich das Gebäude offenbar gut dazu eignet, 14 Personen einzuquartieren. Nicht entscheidend ist, in welchem Viertel sich so ein Gebäude befindet und wer in diesem Viertel wie viel Geld auf dem Konto hat. Auch wenn die empörte Reaktion auf der Webseite afdkompakt.de mit Begriffen wie "Millionärsviertel" diesen Irrglauben zu vermitteln versucht.

Unter dem als schlechte Nachricht verpackten AfD-Onlineartikel finden sich auch zweifelnde Kommentare. Dazu hat auch die Bebilderung mit einer Museums-Villa aus Texas beigetragen, wie Teilen des Publikums auf Twitter zu entnehmen ist. Zur Glaubwürdigkeit einer Nachricht trägt nun mal deren Wahrheitsgehalt bei. Zur Wahrheit zählt im aktuellen Fall auch, dass der Einzug von Asylbewerbern in dem Ebersberger Wohnhaus noch nicht unter Dach und Fach ist. Allein das ist der unerfreuliche Teil dieser eigentlichen guten Nachricht.

© SZ vom 09.12.2020/koei
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