EbersbergVernebelte Sterne

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Enthusiastischer Sternenschauer: Hobby-Astronom Claus Dürr zeigt im Forsthaus Hubertus Fotos und Videos vom Weltall.
Enthusiastischer Sternenschauer: Hobby-Astronom Claus Dürr zeigt im Forsthaus Hubertus Fotos und Videos vom Weltall. Hinz-Rosin

Beim Astro-Abend im Forst reicht die Sicht nur bis zum Mond

Von Christian Endt

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Am Ende zeigt er sich doch. Es ist ein nebliger Abend im Ebersberger Forst, kein einziger Stern ist zu sehen. Jetzt der Mond, immerhin. Nicht ganz frei, aber durch den dünnen Schleier gut zu sehen. Sein Schein taucht das Hirschgeweih an der Fassade des Forsthaus Hubertus und die große Kiefer davor in bläuliches Flutlicht, so kalt wie die Luft.

In dieser kalten, eiskalten Luft stehen gut zwanzig Menschen, die der Einladung der Sternwarte Wind gefolgt sind. Jene ist benannt nach einem winzigen Ortsteil von Forstinning. Eine Gruppe von Hobbyastronomen hat sie aufgebaut und schaut von dort regelmäßig in den Himmel, macht Führungen, hält Vorträge. Die heutige Veranstaltung hat das Sternwarten- Team zum Forsthaus Hubertus verlegt, weil, wie Claus Dürr zur Begrüßung sagt, "der Ebersberger Forst so schön dunkel ist." Ohne störende Lichtquellen und wenn man den Augen Zeit gibt, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, sehe man locker zehnmal so viele Sterne am Nachthimmel. Außerdem servieren die Wirtsleute hier Flädlesuppe und Glühwein.

Zunächst sieht der Abend gar nicht nach Himmelsbeobachtung aus. Zu hartnäckig hängen Wolken und Nebel über dem Wald. In der Hoffnung auf ein späteres Aufklaren überbrückt Dürr die Zeit mit einem Vortrag. In einer Holzhütte sitzen die Gäste auf Bierbänken, vor ihnen dampfen die Suppen. Durch die beschlagenen Fenster leuchtet eine Lichterkette, dahinter liegt das reine Schwarz des nächtlichen Forsts. Dürr zeigt auf einer Leinwand fantastische Fotos des Universums: die Kraterlandschaft des Monds, bläuliche Sternennebel, Polarlichter, Meteore. Viele der Fotos sind in Wind entstanden, für andere war das Sternwarten-Team auf der ganzen Welt unterwegs, in Chile, Island, Namibia. Dürr bietet beruflich Fotoreisen an in Gebiete, wo es wenig menschliches Licht gibt und der Himmel daher besonders gut zu sehen ist. Er zeigt aber auch Bilder von anderen Hobbyastronomen und Videos von Sonden der Europäischen Raumfahrtagentur.

Die Bilder in Dürrs Vortrag sind fantastisch, die Tonspur bisweilen etwas trocken. Das Weltall ist nicht nur ein Ort großartiger Anblicke, sondern auch großer Zahlen. Da ist von Galaxien die Rede, die viereinhalb Millionen Lichtjahre entfernt sind und in vier Milliarden Jahren möglicherweise mit der Milchstraße kollidieren (spätestens dann ist es mit der Menschheit wohl vorbei). Zwischen die Zahlen packt Dürr Wörter wie "signifikant" und "Faktor", die man zuvor das letzte Mal von seinem Physiklehrer gehört hat. Doch Dürr betont gekonnt, bewegt sich sicher durch sein Thema und bringt genügend Enthusiasmus für den ganzen Raum mit. Die Leute, von Dürr jovial geduzt, hören daher bis zum Ende aufmerksam zu. Erst als der Referent nach eineinhalb Stunden eine halbstündige Verlängerung vorschlägt, ist eine gewisse Erschöpfung feststellbar.

Zum Glück hat sich der Himmel inzwischen aufgeklart, der Mond ist ein gutes Stück über die Baumwipfel aufgestiegen. Alle ziehen Jacken, Mützen, Handschuhe and und gehen nach draußen in die Nacht. Dürr und sein Team bauen die Teleskope auf. Moderne Fernrohre justieren sich selbst, mit einer Art Weltraum-Navi. Der Mensch muss nur den eigenen Standort auf der Erde und den Code des gewünschten Himmelsobjekts eingeben. Das Teleskop ruft die richtige Position aus einer Datenbank ab und stellt sich selbst ein. Dann muss man nur noch durchgucken. Das macht nun einer nach dem anderen. Es ist ein Tag nach Vollmond, fast die ganze Scheibe ist zu sehen. Durch das Fernrohr lässt sich die Struktur des Erdbegleiters gut erkennen, das Muster aus hellen und dunklen Flecken. Nach alle den Fotos würde man natürlich trotzdem gern tiefer reinblicken ins All. So ein paar tausend Lichtjahre vielleicht.

© SZ vom 28.11.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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