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Ebersberg: Verein "Brücke":Projekt für Langzeitarbeitslose gefährdet

"Ich weiß nicht, wie lange wir unter diesen Bedingungen noch durchhalten können": Der Verein "Brücke" bangt weiter um seine Finanzierung.

Veronika Lachner deutet auf ihr Herz. "Da ist schon was zurückgeblieben", sagt die Sozialpädagogin. Seit 2005 muss sie jedes Jahr aufs Neue um den eigenen Arbeitsplatz fürchten, obwohl sie sich eigentlich um jene kümmern soll, die schon lange gar keinen Job mehr haben. Veronika Lachner unterstützt beim Ebersberger Verein "Brücken zur Arbeit" schwer vermittelbare Hartz IV-Empfänger, die aufgrund einer Alkohol- oder Drogenkarriere sowie durch psychische Erkrankungen ohne eine spezielle Betreuung überhaupt keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hätten. Dabei kränkelt der Verein selbst.

Seit Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung vor fünf Jahren teilen sich Landkreis und Bund die Betreuung der Langzeitarbeitslosen mit der Folge, dass die Brücke nur noch maximal Jahresverträge für ihre Aufgabe erhält. "Dadurch fehlt uns die Planungssicherheit", sagt Veronika Lachner, die das Schicksal des Vereins seit seiner Gründung 1996 begleitet. Das könnte sich ändern, wenn die Ebersberger beschließen, sich künftig mit dem so genannten Optionsmodell alleine um die Langzeitarbeitslosen zu kümmern, statt sie gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung und Soziales (ABS) innerhalb der Arbeitsagentur zu betreuen.

Weil die Kooperation für verfassungswidrig erklärt worden war, muss die Verantwortung bis Ende des Jahres neu geregelt werden. In einer ersten Befassung hat der Sozialausschuss des Kreises am gestrigen Montagnachmittag darüber beraten. Das Ergebnis stand bis Redaktionsschluss nicht fest. Veronika Lachner und Brücke-Geschäftsführer Ernst Weinzierl hoffen aber darauf, dass der Landkreis sich für das Optionsmodell entscheidet. "Das würde uns retten", sagt Weinzierl.

Zunehmend ruinös für den Verein erweise sich die hohe Miete, die die Räumlichkeiten inklusive Werkstatt in der Dr.-Wintrich-Straße kosten. Die Größe war einst ausgelegt für bis zu 75 Klienten, die die Brücke bis 2008 betreut hat. Seither ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die sich eine neue Chance auf einen Job erhoffen, auf nun 25 Klienten gekürzt worden. Grund: Die ABS kauft Maßnahmen bei verschiedenen Anbietern wie etwa bei der Jungen Arbeit Rosenheim an. Das an sich will Veronika Lachner gar nicht kritisieren. Problematisch sei nur die von der Arbeitsagentur vorgegebene Kurzfristigkeit des Vertrages, die verhindere, dass der Verein kleinere Räume anmieten könne. "Nur für ein Jahr befristet, bekommen wir keinen Mietvertrag", so Lachner.

Auch fehlt es der Brücke an einer Mitarbeiterin für die Frauenwerkstatt, wo Frauen eine Beschäftigung finden, die noch nicht in der Lage seien, einen Ein-Euro-Job zu übernehmen. In der Werkstatt wird ihnen ein strukturierter Tagesablauf wieder nahe gebracht. Die Arbeitsaufträge eignet sich Veronika Lachner mühevoll selber an. "Dadurch verliere ich Zeit für die psychosoziale Betreuung", sagt Lachner.

Mit dem Optionsmodell könnte sich das wieder ändern. So war die Brücke vor 2005 langfristig vom Landkreis mit der Vermittlung von seinerzeit arbeitsfähigen Sozialhilfeempfängern betraut. Mit Erfolg. Jedes Jahr konnte gut ein Viertel der Klienten wieder in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vermittelt werden. Eine Quote, die der Verein auch in diesem Jahr halten wird. So fanden von Januar bis einschließlich September zehn von 43 Langzeitarbeitslosen einen neuen Job. "Ich weiß aber nicht, wie lange wir das unter diesen Bedingungen noch durchhalten können", sagt Lachner.