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Erhebung im Kreis Ebersberg:Rückenwind für erneuerbare Energien von den Bürgern

Verschiedene Energie-Szenarien entwickelt die Energieagentur mit einem rechnergestützten Modell.

(Foto: Christian Endt)

Eine Umfrage im Kreis Ebersberg zeigt große Akzeptanz für erneuerbare Energie - inklusive Windkraft. Erhoben wurde sie in drei Gemeinden.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Die Energiewende ist besser als ihr Ruf, zumindest legt dies eine Umfrage aus drei Landkreisgemeinden nahe. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden 92 zufällig ausgewählte Bewohner in Egmating, Oberpframmern und Zorneding befragt, was sie von Energiegewinnung aus regenerativen Quellen halten. Mehrheitlich war das Ergebnis positiv, sogar als die Personen nach Windrädern in ihrer Umgebung befragt wurden. Doch nehmen die meisten Befragten offenbar an, dass sie dabei eine Ausnahme darstellten.

Die Umfrage ist Teil einer Multiplikatorenstudie, welche die Deutsche Umwelthilfe, die Stiftung Mercator, das Fraunhofer Institut, die Fakultät Architektur der TU München sowie die Fachrichtung Psychologie der Medical School Hamburg (MSH) seit Ende 2019 im Landkreis Ebersberg vornehmen. Untersucht wird am Beispiel der Energiewende, ob sich Einstellungen und Stimmungen durch Informationen an der richtigen Stelle beeinflussen lassen. Dazu sollen interessierte Laien - die sogenannte Kerngruppe aus neun Personen - ausgehend von der Meilensteinplanung des Landkreises zur Energiewende überlegen, wie sich das Ziel, unabhängig von fossilen Ressourcen zu werden, erreichen lässt.

Der erste Schritt dazu war im Frühjahr die Umfrage in den drei Gemeinden. Das Ergebnis wurde nun im Rahmen einer Online-Konferenz vorgestellt, an der teilweise mehr als 60 Personen teilgenommen haben. Valentin Leschinger von der MSH stellte die Ergebnisse vor. Demnach habe man 900 zufällig ausgewählte Personen in den drei Gemeinden angefragt, zehn Prozent hätten sich bereit erklärt, an der Umfrage teilzunehmen. Auf Nachfrage eines Teilnehmers, ob das dann überhaupt noch repräsentativ sei, erklärte Leschinger, dies sei ein für Umfragen üblicher Wert.

Insgesamt beurteilten die Befragten die Energiewende an sich sehr positiv, der Durchschnittswert lag bei 2,5 von drei möglichen Punkten. Bei der Wirtschaftlichkeit bekam die Energiewende 1,5 von drei Punkten. Etwas kritischer aber noch klar positiv wurde die Gerechtigkeit bewertet, hier gab es im Schnitt 0,5 Punkte. Bei der Bürgernähe indes sahen die Befragten Nachholbedarf, hier lag der Wert im Schnitt bei minus 0,3 Punkten, bei der Umsetzung gab es sogar ein minus eins, minus drei wäre der schlechteste Wert gewesen.

In der gleichen Skala sollten die Befragten dann ihre Einstellung zu verschiedenen Formen der regenerativen Energiegewinnung im Landkreis angeben. Am besten schnitt in allen drei Gemeinden die Solarenergie ab, konkret wurde nach Freiflächenanlagen gefragt. Insgesamt gab es dafür einen Wert von 1,8, am höchsten fiel er in Zorneding mit knapp 2,2 aus, am niedrigsten in Egmating mit 1,2 ,während Oberpframmern knapp über dem Durchschnitt der drei Gemeinden liegt.

Am optimistischsten sind noch die Zornedinger

Die zweitbeliebteste Form der Erneuerbaren ist - zumindest im Durchschnitt - die Windkraft. Ein 1,5 gab es dafür insgesamt, knapp eins in Oberpframmern, dafür 2,1 in Zorneding. Dagegen gab es aus Egmating nur 1,7 Punkte. Dort kommt nämlich die Biogasanlage auf den zweiten Platz mit 1,1 Punkten, in Oberpframmern gibt es einen Punkt. Die Zornedinger geben sogar 1,9 Punkte, so dass sich ein Durchschnittswert von 1,2 von drei Punkten für Biogas ergibt.

Auch wenn die Anlagen in ihrer unmittelbaren Umgebung - gefragt wurde nach einem Radius von fünf Kilometern - entstehen würden, fänden dies die Befragten positiv. Am größten ist auch hier die Akzeptanz für Solaranlagen, die Werte entsprechen denen der ersten Frage. Auch Biogasanlagen bekommen in der Nähe ähnliche Werte wie weiter weg: Insgesamt und in den drei Gemeinden gibt es dafür jeweils etwa einen Abzug von 0,1 Punkt. Deutlicher fällt dies bei Windrädern aus, insgesamt werden die Anlagen nur noch mit 1,2 Punkten bewertet, was dennoch weiterhin für den zweiten Platz reicht. Die Zornedinger scheinen sich dabei am wenigsten am Windrad in der Nachbarschaft zu stören, der Wert bleibt mit 2,1 Punkten nahezu stabil. Dafür fällt er in Oberpframmern auf 1,2 und in Egmating auf etwa 0,4.

Anders sieht das aus bei der Frage, was wohl die übrigen Bewohner der jeweiligen Ortschaft von erneuerbaren Energien halten. Insgesamt glauben die Befragten, dass zumindest Solar- und Biogasanlagen positiv gesehen werden, wenn auch nur knapp mit 0,4 beziehungsweise 0,3 von drei Punkten. Mit im Schnitt etwa minus 0,4 bewerten die Befragten dagegen die Akzeptanz von Windrädern.

Am optimistischsten sind da noch die Zornedinger, hier liegen die Rotoren ganz knapp im positiven Bereich, für Solar- gibt es einen, für Biogasanlagen einen halben Punkt. Dieser Wert ergibt sich auch in Oberpframmern aber für beide Arten der Energiegewinnung. Windräder kommen dagegen nur auf minus 0,1 Punkte. In Egmating sind es dagegen minus 1,4 für die Windkraft und jeweils knapp 0,2 für die beiden anderen Kraftwerksformen, wobei die Solaranlagen noch ein bisschen weniger schlecht abschneiden.

Diese Ergebnisse seien nicht ungewöhnlich, so Leschingers Fazit, vergleichbare Umfragen hätten Ähnliches ergeben. Ein Teil des Forschungsprojektes ist es nun, herauszufinden, ob sich bei einer zweiten Umfrage, die für März oder April geplant ist, andere Ergebnisse zeigen. Bis dahin soll die Arbeit der Kerngruppe und ein Austausch mit anderen Gruppen weitergehen. Bislang, so Philipp Barthel von der Umwelthilfe, habe man sich bereits mit dem Meilensteinplan und dem vor sieben Jahren auf den Weg gebrachten interkommunalen Flächennutzungsplan auseinandergesetzt. Konkret habe es dazu Ortstermine gegeben, etwa in Hambach bei Bruck, wo das bislang einzige Windrad im Landkreis steht. Ziel war es, ein Gefühl zu entwickeln, wie eine solche Anlage bei 10H, also bei einer Entfernung vom zehnfachen ihrer Höhe wirkt, sowie bei 4H, 3H und 2H.

Parallel dazu konnten die Teilnehmer - vier Frauen und fünf Männer - bis auf einen alle in den Zwanzigern - aus Forstinning, Grafing, Haar, Markt Schwaben, Kirchseeon, Oberpframmern, Steinhöring und Vaterstetten in einem 3D-Modell selbst verschiedene Energieanlagen platzieren. Ähnlich dem beliebten Strategiespiel SimCity kann man dann maßstabsgetreu und im Zusammenhang mit bestehender Bebauung sehen, wie ein Windrad, eine Freiflächensolaranlage oder eine Biogasanlage wirkt. Mit einer weiteren Funktion lassen sich Schatteneffekte anzeigen, auch eine Ansicht aus der "Fußgängerperspektive" ist möglich.

Zwei aus dieser Gruppe - der Anonymität wegen nur mit Vornamen - berichteten über ihre Arbeit. Man habe sich überlegt, wo sich Windräder landschaftsverträglich aufstellen ließen, so Lea: "An der A 94, der B 304 und an den Bahnlinien." Allerdings nur, wenn man von den 10H wegkomme, "ich war überrascht, wie viele Möglichkeiten es dann gibt - und wir haben nicht den Forst zugepflastert". Florian, ebenfalls Mitglied in der Kerngruppe, sagte, er "finde es interessant zu verstehen, was die Leute denken", auch kritische Stimmen seien im Dialog willkommen. Das betonte auch Lea, der nächste Schritt sei nun, "dass die Diskussion weitergeht", auch mit der Familie und im Bekanntenkreis.

Wer sich an der Diskussion beteiligen möchte, kann dies per Mail an aktivbueke@duh.de oder ab Mitte Dezember auf der Seite www.aktivbueke.de.

© SZ vom 08.12.2020/koei
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