Ebersberg Über Stock und Stein

Mehr als vierzig Menschen haben sich am Sonntag einer Wanderung entlang möglicher Umgehungsstraßen der Kreisstadt angeschlossen. Organisiert hat die Veranstaltung die Schutzgemeinschaft Ebersberger Osten

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Der Mann mit grauem Kurzhaarschnitt und Brille fährt mit seinem rechten Zeigefinger in der Luft eine Linie nach. "Also", sagt er, "das ist ja blöd." Seine Füße versinken leicht in nassen Schneeresten, den Kopf neigt er nach vorne, die Augen kneift er zusammen. Er steht vor einer Holztafel. Zu sehen ist darauf eine Landkarte vom Osten Ebersbergs, mit den Gemeindeteilen Mailing, Westerndorf, Halbing, Motzenberg, Reith und Gmaind. "Dass die das so geplant haben, verstehe ich nicht."

Die - das sind die Planer vom Staatlichen Bauamt Rosenheim. Es war 2008, als das Bauamt in einer Machbarkeitsstudie mehrere Möglichkeiten für eine Umgehungsstraße für den Teil der Staatsstraße 2080, der den Verkehr durch Ebersberg lenkt, vorgestellt hat. Fünf dieser Varianten führen durch den Osten der Kreisstadt. Am Sonntag haben die Initiatoren der Schutzgemeinschaft Ebersberger Osten zu einer Tour eingeladen. Die kleine Wanderung orientierte sich dabei an einigen der insgesamt fünf Info-Tafeln, die die Schutzgemeinschaft vor einigen Wochen aufgestellt hat. Die Tafeln stehen auf Privatgrund von Gründern und Unterstützern der Initiative und zwar genau dort, an genau jenen Stellen, wo in Zukunft einmal eine der fünf Umgehungsstraßen im Ebersberger Osten entstehen könnte.

Etwa 40 Interessierte wandern unter Führung von Johann Hermannsgaber (Mitte) auf möglichen Trassen für die Umgehungsstraße.

(Foto: Matthias Döring)

Etwas mehr als 40 Menschen sind gekommen, um sich die Pläne vor Ort anzusehen - dreimal so viele, wie sich im Vorfeld angemeldet hätten. Das erzählt Hans Hermannsgabner, einer der Initiatoren der Schutzgemeinschaft. "Ich bin ja froh, dass so viele da sind", sagt er. "Das zeigt doch, dass es die Leute interessiert." Viele, die gekommen sind, wären selbst von den Ost-Umgehungen betroffen, viele wohnen aber auch im Ortskern. Auch einige Ebersberger Stadträte sind dabei, und Reinhold Weise von der Bürgerinitiative "St2080 raus".

Hinter Mailing und kurz vor der Abzweigung nach Halbing bleibt Hermannsgabner stehen. "Hier quer durch würde Variante 5C führen", sagt er und zeichnet mit seinen Armen eine Linie in die Luft. Etwas weiter hinten in der Spazierherde öffnet Marcus Brunnthaler eine Plastikbox. "Möchten Sie eine Waffel?" Brunnthaler gehört ebenso wie Hermannsgabner zu den Initiatoren der Schutzgemeinschaft. Es scheint, als ob er und seine Kollegen nichts dem Zufall überlassen möchten: Keine Lust auf etwas Süßes? Brunnthaler holt eine weitere Box voller roter Äpfel hervor. Noch ein paar Meter weiter hinten fahren zwei Autos im Schritttempo. Falls jemand ein Verschnaufpäuschen brauche, wie Hermannsgabner zu Beginn der Runde erklärte. Selbst für Unterzucker und Wadenkrämpfe ist gesorgt - Hermannsgabner hat Magnesium und Kalzium in Traubenzuckerform dabei.

Die Karten auf den Holztafeln zeigen mögliche Routen für die Umgehungsstraße um Ebersberg.

(Foto: Matthias Döring)

Es geht weiter, nach links, grob in Richtung Westerndorf. Ein kleines Weglein entlang, das zur Hälfte aus Schnee, zur anderen Hälfte aus Matsch besteht. Zweimal habe sich der Arbeitskreis Verkehr, den es seit Herbst vergangenen Jahres gibt, getroffen, erzählt Hermannsgabner. Alle im Stadtrat vertretenen Parteien sind dort vertreten, ebenso wie ein Mitglied des Seniorenbeirats und je zwei Mitglieder der Schutzgemeinschaft und der Bürgerinitiative "St2080 raus". Gemeinsam sollen sie Ideen und Konzepte erarbeiten, wie man der wachsenden Verkehrsbelastung in der Kreisstadt Herr werden kann.

"Bisher haben wir uns darauf geeinigt, dass wir uns nicht einig sind", sagt Hermannsgabner. Deshalb soll künftig ein Moderator die AK Verkehr-Treffen leiten. Es habe aber auch private Treffen zwischen den beiden Bürgerinitiativen gegeben, verrät er.

Am Ende der Route stehen er und Reinhold Weise von "St2080 raus" zusammen. Auch er war gekommen, um sich ein direktes Bild der Varianten durch den Ebersberger Osten zu machen. Die beiden Männer plaudern. Über die möglichen Umgehungsstraßen. Über die Machbarkeitsstudie. Über die Art, wie diese überhaupt zustande kam, nämlich durch zufällige Vorschläge von Bürgern. Sie plaudern weiter - und sind sich einig, darüber, dass nichts von alledem so richtig sinnvoll sei.