Die Turnhalle in der Floßmannstraße könnte in etwas mehr als einem Jahr wieder instandgesetzt sein. Dieser Plan wurde nun im zuständigen Ausschuss des Stadtrates vorgestellt – zusammen mit einem Sanierungskonzept. Demnach soll das wegen Baupfuschs undichte Dach der Halle genau so wieder hergestellt werden, wie es war, nur eben diesmal professionell. Doch diese Aussicht gefällt nicht allen Mitgliedern des Gremiums.
Etwas länger als ein Jahr ist es her, da standen die Schulkinder und zahlreiche Sportler plötzlich vor verschlossenen Türen: Im April 2023 musste die Turnhalle der Schule Floßmannstraße wegen Problemen mit der Statik gesperrt werden. Auslöser war ein schon länger bekanntes Problem: Beim Bau des Dachs im Jahr 2020 war geschlampt worden, sodass es dort immer wieder hineinregnete. Anfang vergangenen Jahres waren die Dachbalken dann so mit Wasser vollgesogen, dass die Tragfähigkeit als gefährdet galt.
Erst im Dezember konnte die Halle wieder für den üblichen Betrieb freigegeben werden – neben Schulsport ist das auch die Nachmittagsbetreuung, außerdem nutzt auch der TSV die Halle. In der Zwischenzeit hatte die Stadt ein Notdach über der undichten Halle aufstellen lassen, darunter laufen seitdem erste Arbeiten, vor allem geht es darum, die Schäden zu begutachten.
Die jahrelange Feuchtigkeit hat dem Dach erheblich zugesetzt
Dass diese nicht gerade klein sind, wurde nun in der Sitzung des Technischen Ausschusses erklärt. Architekt Alexander Schmidmaier präsentierte unter anderem Fotos von der Dachkonstruktion, die Holzelemente sind teilweise bereits morsch und von sogenannter Braunfäule befallen. Ursache sei eindeutig Baupfusch, „da ist vom ersten Tag an das Wasser reingelaufen“, so der Architekt. Unter anderem sei eine Regenrinne falsch geplant worden. Aber auch die Ausführung lasse zu wünschen übrig, so wurden etwa Dichtungsfolien unzureichend verklebt.



Dass der Schaden nicht schon eher behoben wurde, liegt daran, dass die Stadt damit unter Umständen ihren Garantieanspruch verloren hätte. Ein solcher besteht offiziell nämlich erst dann, wenn unabhängige Gutachter den Baupfusch bestätigt haben – im Fall der Turnhalle war dies erst im März 2023 der Fall, kurz bevor die Mängel dann die Sperrung der Halle nötig machten.
Wie viel Geld die Stadt an Garantieleistung eintreiben kann, und wann es fließt, ist indes trotz Gutachtens offen. Denn die Baufirma, die damals das Dach aufgesetzt hat, ist mittlerweile insolvent. Aktuell richten sich die Ansprüche daher gegen die Haftpflichtversicherung von Architekt und Bauleiter, erwartet wird ein langwieriges Gerichtsverfahren.
Wird das Dach originalgetreu nachgebaut, könnten die Chancen auf Schadenersatz steigen
Die Höhe eines möglichen Schadenersatzes könnte auch dadurch beeinflusst werden, wie die Reparatur- und Sanierungsarbeiten ablaufen. Konkret: Wie das Dach der Turnhalle danach aussieht. Planer Schmidmaier stellte drei Varianten dazu vor. Anstatt des ursprünglichen Flachdachs könnte man auch ein flaches Walmdach, also eine nach allen vier Seiten geneigte Konstruktion, aufsetzen. Dieses – das wäre die dritte Möglichkeit – könnte auch begrünt werden.
Seitens der Verwaltung ist man der Meinung, dass das neue Dach dem alten so ähnlich wie möglich sein sollte. Laut Christian Stalla vom Bauamt könnte man unter Umständen weniger Schadenersatz bekommen, sollte die Konstruktion zu sehr von der ursprünglichen abweichen. Auch der von der Stadt beauftragte Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Christian Sienz habe eine dementsprechende Empfehlung abgegeben.
Die meisten Ausschussmitglieder stimmten dem zu – wenn auch nicht unbedingt aus Überzeugung. „Wir müssen das mit den geringsten Risiken nehmen“, sagte Christoph Münch (SPD), und das sei nun mal die Originalkonstruktion. „Es bleibt uns eben nichts anderes übrig“, meinte auch Josef Riedl (CSU), der noch darauf verwies, dass das Flachdach dem Regenrückhalt diene – bei einem Walmdach müsste man ein Rückhaltebecken bauen. Und die Dachbegrünung, die für die Temperaturregulierung in dem Baugebiet wichtig sei, könnte man ebenfalls besser auf dem Flachdach herstellen, sagte Jürgen Friedrichs (Grüne).
Zwei Mitglieder des Ausschusses wollen auf keinen Fall wieder ein Flachdach
Doch nicht alle im Ausschuss wollten dieser Meinung ohne Weiteres folgen. Martin Schechner (CSU) erklärte, er habe aus dem Dach-Debakel für sich den Schluss gezogen, nie wieder für ein städtisches Gebäude mit Flachdach zu stimmen. Dagegen stimmte er aber letztlich auch nicht, Schechner verließ rechtzeitig den Saal. Nicht so Gerd Otter (Pro Ebersberg), der schlug vor, die Stadt solle doch erst einmal mit der Versicherung Kontakt aufnehmen und eruieren, ob es wirklich weniger Geld gibt, sollte man das Walmdach bauen. Der Vorschlag fand indes keine Mehrheit.
Das sodann mit einer Gegenstimme auf den Weg gebrachte Konzept sieht vor, dass bis Juli die Planungen, Ausschreibungen und Vergaben für die Sanierung der sogenannten „Brettstapeldecke“ abgeschlossen sein sollen. Für den Dachaufbau gilt dies bis August.
Die eigentlichen Arbeiten beginnen dann in den Sommerferien und sollen im Fall der Stapeldecke bis November, im Fall der Dachkonstruktion bis Januar abgeschlossen sein. Hier könnte es laut Architekt zeitweise zur Sperrung der Halle kommen. Im kommenden Frühjahr soll dann das Notdach abgebaut werden, die restlichen Sanierungsarbeiten, etwa an der Fassade und den Außenanlagen, sollen dann bis Juni 2025 fertig sein.


