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Ebersberg:Doris Rauscher bewirbt sich um SPD-Kreisvorsitz

Doris Rauscher aus Ebersberg,

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Die Landtagsabgeordnete leitet den Ebersberger Kreisverband nach dem Rücktritt von Bettina Marquis zunächst kommissarisch.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Die SPD im Landkreis Ebersberg könnte dem Beispiel der CSU folgen - zumindest was die Leitung des Kreisverbandes angeht. Nach dem Rückzug der nur etwas mehr als ein Jahr amtierenden SPD-Kreisvorsitzenden Bettina Marquis hat Landtagsabgeordnete Doris Rauscher zunächst kommissarisch deren Aufgaben übernommen. Falls die Mitglieder dies wünschten, stehe sie aber auch für eine reguläre Übernahme des Kreisvorsitzes zur Verfügung, so die Ebersbergerin auf Nachfrage der SZ. Damit würde der SPD-Kreisverband das erste Mal in seiner Geschichte von einem Mitglied des Bayerischen Landtages geführt - was hingegen bei der CSU eher die Regel denn die Ausnahme ist.

Auch insgesamt bei Kreisverbänden der Parteien sei dies "nicht unüblich", wie Rauscher mit Verweis auf einige ihrer Landtagskollegen sagt, schließlich "sind Abgeordnete in den Politikstrukturen drin". Diese Kenntnisse nutzte die Kreis-SPD bereits das bisher einzige Mal, als ein Parlamentarier ihr Vorsitzender war, allerdings aus dem Bundestag: Ewald Schurer leitete den Kreisverband zwischen 1990 und 2004 und noch einmal von 2009 bis 2011. Damit ist der 2017 verstorbene Ebersberger der SPD-Kreisvorsitzende mit der längsten Amtszeit. Sein Vorgänger, der Vaterstettener Peter Dingler, brachte es zumindest auf zehn, dessen Vorgänger Michael Hoser auf sechs Jahre. Schurers Nachfolger - und Vorgänger - Ralf Kirchner stand fünf Jahre an der Spitze des Kreisverbandes, Thomas Vogt leitete diesen immerhin von 2011 bis 2019, bei Bettina Marquis waren es nur 14 Monate.

Dass die Amtszeiten von Kreisvorsitzenden in jüngeren Jahren tendenziell kürzer werden, ist auch bei der Konkurrenz zu beobachten. Ganze 20 Jahre, bis 1994, stand etwa der CSU-Landtagsabgeordnete Richard Gürteler dem Ebersberger Kreisverband vor, sein Nachfolger Josef Hollerith kam immerhin auf neun, dessen Nachfolgerin Christa Stewens auf acht und Angelika Niebler auf vier Jahre. Seit 2015 ist der Grafinger Thomas Huber Chef der CSU im Landkreis, er zog gleichzeitig mit Rauscher im Jahr 2013 in den Landtag ein.

Ob die beiden neben ihrem Landtagsmandat, ihrem Spezialgebiet Soziales und ihrem Wohnort im südlichen Landkreis Ebersberg bald noch eine Gemeinsamkeit haben, wird aber wohl erst in einigen Wochen fest stehen. Schließlich sei "die Entscheidung noch relativ frisch", sagt Rauscher, sowohl jene von Bettina Marquis, vom Kreisvorsitz zurückzutreten, als auch ihre, sich um die Nachfolge zu bewerben. Daher habe es bislang auch noch keine Beratungen und Besprechungen innerhalb des Kreisverbandes oder mit den Ortsvereinen gegeben. Weshalb auch noch nicht klar sei, ob Rauscher die einzige Bewerberin um den Kreisvorsitz bleibt oder ob sich weitere Kandidaten melden.

"Ich stehe zur Verfügung und sehe mich in der Verantwortung"

Zumindest was Erfahrung und politische Kontakte angeht, dürfte es Rauscher ihren möglichen Gegenkandidaten nicht leicht machen. Neben ihrem Landtagsmandat ist sie auch noch Kreisrätin und Mitglied des Ebersberger Stadtrates. Im SPD-Kreisverband ist sie seit Jahren als stellvertretende Vorsitzende aktiv, kennt die Vorstandsarbeit also bereits. Und auch an der Motivation scheint es nicht zu fehlen: "Ich stehe zur Verfügung und sehe mich in der Verantwortung", sagt Rauscher.

Wann allerdings die Neuwahl der oder des Kreisvorsitzenden tatsächlich stattfinden kann und wird, steht noch nicht fest. Der nächste reguläre Termin für die Vorstandswahl sei erst im kommenden Jahr, sagt Rauscher, so lange wolle man aber nicht warten. Wie lange man sich tatsächlich gedulden muss, hängt nicht von der Partei sondern vom Coronavirus ab. Beziehungsweise davon, als wie infektiös es sich in den kommenden Wochen noch erweist und welche Infektionsschutzmaßnahmen wieder aufgehoben werden können. Denn derzeit wäre die Vorstandswahl nicht möglich, immerhin kommen da bis zu 80 Delegierte zusammen. Was aber grundsätzlich auch ohne größere Ansteckungsgefahren möglich sei, sagt Rauscher, man werde die Vertreter der Ortsvereine dann eben mit reichlich Abstand in einem großen Saal zusammenbringen.

Nur gibt es dazu noch kein offizielles Placet, sagt Rauscher: "Ich warte jeden Tag auf Infos, sobald wir uns treffen dürfen, werden wir es organisieren." Die Abgeordnete hofft darauf, dass die Vorstandswahl nicht allzu lange auf sich warten lässt. Einen Termin möglichst gleich nach der Sommerpause, also im September, fände sie wünschenswert.

© SZ vom 16.06.2020/koei
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