Süddeutsche Zeitung

SPD-Kreiskonferenz in Pliening:Mahnung zum Schulterschluss auf allen Ebenen

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Die SPD im Landkreis Ebersberg bestätigt ihre Kreisvorsitzende Doris Rauscher einstimmig im Amt - und möchte weiter gegen den Rechtsruck im Lande ankämpfen.

Von Anja Blum, Pliening

Zwei große Sorgen treiben die SPD im Landkreis Ebersberg gerade um, zumindest ließ das die Kreiskonferenz am Sonntagnachmittag im Bürgerhaus Pliening erahnen. Da wäre zum einen der Rechtsruck im Land, zum anderen der mangelnde Nachwuchs - und irgendwie auch beides zusammen. Dass die AfD gerade bei Jugendlichen auf hohe Zustimmung stoße, sagte die Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Doris Rauscher, sei schockierend. "Diese Partei instrumentalisiert die Ängste der Menschen, bietet aber keine Lösungen, sondern nur Halbwahrheiten und brandgefährliche Parolen", das bekomme sie auch im Landtag eindrücklich mit. Die AfD sei rechtsradikal und eine Gefahr für die Demokratie.

Umso mehr plädierte die Ebersbergerin Rauscher dafür, zusammenzustehen. Und zwar auf allen politischen Ebenen. Im Bund nahm sie dabei vor allem die FDP in die Pflicht - "Rot-grün wäre deutlich einfacher gewesen" - in Bayern wünschte sie sich mehr Zusammenhalt seitens der CSU. Und auch in der Europäischen Union müssten die demokratischen Parteien angesichts von Kriegen und Pandemie-Nachwehen mehr denn je den Schulterschluss suchen. Kein Wunder also, dass die SPD an diesem Nachmittag nicht nur ihre Kreiskonferenz abhielt, sondern gleich noch eine Veranstaltung mit ihrer bayerischen Spitzenkandidatin für die Europawahl, Maria Noichl, hinterherschob. "Wo steckt eigentlich überall Europa drin?" - das sollte sie erklären.

Für Doris Rauscher selbst ist es bereits die dritte Legislaturperiode im bayerischen Landtag - sie dankte den Genossen für deren bisheriges Engagement in den Wahlkämpfen und schwor sie ein auf weitere Anstrengungen. "Wir haben viel geschafft in den vergangenen zwei Jahren und werden weiter gute soziale Politik für die Menschen machen." Als Ziele rief die Vorsitzende "noch mehr politische Debatten" aus, eine stärkere Vernetzung der Ortsvereine und das Bemühen, weitere Menschen zum Parteieintritt zu bewegen. "Viele wollen momentan ein Zeichen setzen für die Demokratie - sie brauchen vielleicht nur einen kleinen Stups."

Insgesamt kann die Landkreis-SPD zufrieden sein mit ihrer Mitgliederzahl, denn entgegen dem bundesweiten Abwärtstrend ist sie stabil. 434 Köpfe und damit nur zwei weniger als vor zwei Jahren habe man im Februar gezählt, so Rauscher. Mangel herrscht aber trotzdem, und zwar in den Reihen der Jungen. Als "Brachland" bezeichnete einer der Delegierten die hiesigen Jusos. Ganz so wollte das Rauscher aber nicht stehen lassen. Es gebe durchaus einige sehr positive Beispiele an jungen Mitstreitern im Landkreis. "Die müssen wir pflegen und immer offen sein für ihre Ideen - dann zieht das irgendwann auch seine Kreise."

Bei den Neuwahlen wurde Doris Rauscher im Amt der Kreisvorsitzenden einstimmig bestätigt, bei ihren drei gleichberechtigten Stellvertretern aber gab es erhebliche personelle Veränderungen. Albert Hingerl, Sepp Mittermeier und Lena Wagner stünden jeweils aus sehr nachvollziehbaren, privaten Gründen nicht mehr zur Verfügung, erklärte Rauscher. An ihre Stelle treten nun Klaus-Dieter Marné, Christina Tarnikas und Raphael Melcher. Marné, 74, stammt aus Grafing, ist Physiker und sieht sich als Ansprechpartner gerade in allen technischen Belangen. Tarnikas, 60, engagiert sich in ihrer Heimat Poing als Gemeinderätin und ist sehr aktiv gegen Rechts, außerdem liegen ihr Frauenthemen und Umweltschutz am Herzen. Melcher ist SPD-Ortsvorsitzender in Vaterstetten und betreibt beruflich Fundraising für die Johanniter Unfallhilfe. Er will vor allem die Zusammenarbeit der Ortsvereine im Landkreis Ebersberg vorantreiben. "Wir sind nämlich gar keine Stoderer, wie manche behaupten", sagte er und lachte.

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