Gewitter beim Sonnwendfeuer EbersbergBlitzschlag zum Sommeranfang

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Schaurig schön: Ein Blitz während des Gewitters in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni, aufgenommen in der Nähe von Reith bei Ebersberg.
Schaurig schön: Ein Blitz während des Gewitters in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni, aufgenommen in der Nähe von Reith bei Ebersberg. Damian Warmula

Etwa 240 Meter vom Standort des Ebersberger Sonnwendfeuers auf der Ludwigshöhe schlägt ein Blitz ein. Zum Glück wird niemand verletzt – es hätte allerdings auch anders kommen können. Bürgermeister Ulrich Proske, Feuerwehrkommandant Christoph Münch und Blitzjäger Damian Warmula über das Beinahe-Unglück.

Von Merlin Wassermann, Ebersberg

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Fast wirkt es so, als wollte eine höhere Macht eine Warnung aussprechen. Am 21. Juni, dem Tag des Sonnwendfeuers, das den Sommer begrüßen und Segen bringen soll, ziehen gegen Abend schwarze Wolken über der Ludwigshöhe auf, die ihre feuchte Fracht in Form dicker Tropfen abwerfen. Nichts da mit lauer Sommernacht: Um etwa 22.05 Uhr schlägt ein Blitz krachend in die Erde ein, gut 240 Meter vom Sonnwendfeuer entfernt.

Zu diesem Zeitpunkt war nur noch wenig los – wegen der Wetterprognosen und des reduzierten Programms waren ohnehin weniger Besucher als sonst gekommen. Bei gutem Wetter tummeln sich zur Sonnwende sonst gut 150 Leute oder noch mehr auf der Ludwigshöhe. Am Freitag waren ein paar Zuschauer noch da sowie Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr, die auf das Feuer achtgaben. Doch hätte der Blitz nicht ebenso gut die 240 Meter weiter einschlagen können, direkt am Sonnwendfeuer? War es fahrlässig, dass die Veranstaltung bei Aufziehen des Gewitters nicht sofort abgebrochen wurde – oder dass sie überhaupt stattgefunden hat?

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Es sei „purer Zufall“, dass durch den Blitzeinschlag niemand verletzt oder gar getötet wurde, sagt Damian Warmula. Sich bei einem solchen Wetter draußen aufzuhalten, gleiche einem „Lotteriespiel“. Von Berufs wegen ist der Markt Schwabener chemisch-technischer Assistent, von Leidenschaft wegen jedoch Gewitter- und Blitzjäger. Seit mehr als 15 Jahren beobachtet er genau, wann und wo im Landkreis Gewitter aufziehen, wo Blitze einschlagen – deswegen kann er gut abschätzen, wie groß die Gefahr jeweils ist. Oder war.

Im Fall des Blitzeinschlags an der Ludwigshöhe war sie „absolut akut“. Aber hätten Bäume, Strommasten und der Aussichtsturm selbst im Zweifelsfall nicht als natürliche Blitzableiter fungieren können? Höchster Punkt und so. „Das wird dadurch widerlegt, dass der Blitz ja tatsächlich ins Erdreich eingeschlagen ist.“ Ganz in der Nähe wären höhere Punkte gewesen, allerdings schlage der Blitz nicht automatisch dort ein, sondern er nehme den Weg des geringsten Widerstands, erklärt Warmula. „Wenn die Erde zum Beispiel nasser ist als ein Baum nebenan, ist dort der Widerstand geringer.“ Keine Garantien also. Das zeigt sich auch an einer besonderen Statistik: In 15 Jahren ist Warmulas Wissens nach noch kein Blitz in den Aussichtsturm eingeschlagen – der ohnehin selbst durch einen Blitzableiter geschützt ist.

Gewitterjäger Damian Warmula: Es gleiche einem gefährlichen "Lotteriespiel", sich bei einem Gewitter draußen aufzuhalten, sagt er.
Gewitterjäger Damian Warmula: Es gleiche einem gefährlichen "Lotteriespiel", sich bei einem Gewitter draußen aufzuhalten, sagt er. Peter Hinz-Rosin

Doch so gewöhnlich Blitzschläge in den Boden sind, so ungewöhnlich war dieses Gewitter. Die Zuggeschwindigkeit, also die Geschwindigkeit, in der sich eine Gewitterzelle bewegt, sei „saumäßig schnell“ gewesen, so Warmula. Mit bis zu 127 Kilometern pro Stunde zogen die Wolken auf, normalerweise bewegen sie sich deutlich langsamer.

Das hängt mit der Höhenströmung der Luft zusammen, bewegt sich diese schnell, dann auch die Gewitter, erklärt der Blitzjäger. Zog das Gewitter also so schnell auf, dass alle davon völlig überrascht waren? Die richtigen Apps, die auch Höhenströmungen beobachten und Radardaten verwenden, hätten rechtzeitig eine Warnung gegeben, sagt Warmula. Meteosafe etwa sei sehr verlässlich, so auch die App des Deutschen Wetterdienstes. Die allermeisten Wetterapps seien jedoch „unzuverlässig“. Sie verließen sich auf kostenlose Daten amerikanischer Modelle, die nur eine „sehr geringe Auflösung“ vorweisen könnten. So komme es zu dem Phänomen, dass die App Sonnenschein anzeigt, obwohl es gerade regnet.

Die Feuerwehr erwägt, künftig in einem solchen Fall die Veranstaltung vorzeitig zu beenden

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Ebersberg, die das Sonnwendfeuer bewachte, benutzt unter anderem die Warn-App des Deutschen Wetterdienstes. Das erzählt Kommandant Christoph Münch. Dennoch seien er und seine Kollegen überrascht gewesen, „wie zügig“ das Gewitter am Ende aufzog. Den Blitz selbst habe er nicht mitbekommen, allerdings habe ein Kollege ihm erzählt, wie er den „Krach“ erlebt habe.

Als das Gewitter aufzog, habe die Feuerwehr jedoch nicht erwogen, das Feuer vorzeitig zu löschen. „Um 22 Uhr waren eh kaum noch Leute da“, so Münch. Man wusste also, dass das Feuer bald gelöscht werden würde, so geschehen um Mitternacht und damit deutlich vor der sonst üblichen Zeit. Sollte es nächstes Jahr oder bei anderen Veranstaltungen allerdings zu einer ähnlichen Situation kommen, würde Münch ein vorzeitiges Löschen oder einen Abbruch der Veranstaltung „in Erwägung ziehen“. Man müsse das in der einzelnen Situation vor Ort prüfen.

Bürgermeister Proske verweist auf die Eigenverantwortung der Menschen

Ebersbergs Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) indes sah im Vorfeld keinen Anlass, das Sonnwendfeuer vorzeitig zu beenden oder gar abzusagen. Als das Feuer um 20.45 Uhr angezündet wurde, habe lediglich eine Regenwarnung bestanden, und als das Gewitter aufzog, seien die Bürgerinnen und Bürger „selbst in der Lage gewesen, zu entscheiden, ob sie draußen sein wollen oder nicht“.

Wenn etwas passiert wäre, wäre es natürlich schlimm gewesen, aber Gewitter seien immer mit Blitzen verbunden, sagt der Bürgermeister, und das Leben sei nun mal lebensgefährlich. Die Feuerwehrleute, die vor Ort sein mussten, hätten sich schließlich zur Sicherheit in ihre Wagen zurückziehen können.

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