Süddeutsche Zeitung

Ebersberger Helferin:"Die Lage in Simbach ist extrem"

Lesezeit: 2 min

Tina Beham hat Sach- und Lebensmittelspenden nach Simbach am Inn gebracht und ist tief beeindruckt zurückgekehrt

Von Serafine Dinkel, Ebersberg/Simbach am Inn

Stehendes Wasser mitten im Ort, zerstörte Autos, und überall Schlamm und Matsch: als Haufen auf der Straße, als Straßenbelag, kniehoch auf der Kleidung der Helfenden. Das zeigen die Bilder, die Tina Beham aus Simbach am Inn mitbringt. Die 23-jährige Ebersbergerin hat am Freitag einen Sprinter voller Sach- und vor allem Lebensmittelspenden aus dem Landkreis ins von der Hochwasserkatastrophe getroffenen Simbach am Inn gefahren.

Die Spenden hat sie zunächst in einem Mutter-Kind-Haus im benachbarten Arnstorf abgeladen. Das liegt etwas höher als Simbach und ist zum Glück nicht von der Flut getroffen worden, wie Beham berichtet. Von dort aus sei die Weiterverteilung "vom liebevollen Team" der Einrichtung organisiert worden. Die Mütter packten in Simbach mit an, zusammen mit THW und Feuerwehr sowie vielen privaten Helfern, darunter einigen Flüchtlingen.

Die Helfer sind völlig erschöpft

"Die Situation ist echt extrem", erzählt Beham. Es würden dringend noch Helfer gebraucht. Bereits die Anfahrt sei aufgrund gesperrter und überfluteter Straßen eine "Katastrophe" gewesen. Mittlerweile normalisiere sich die Verkehrssituation, immer mehr Straßen seien wieder befahrbar. Gleichzeitig sei ihr aber auch von einer plötzlich zusammengebrochenen Brücke berichtet worden.

Als "angespannt" bewertet die Ebersbergerin die Stimmung vor Ort, die Helfer seien "fix und fertig", in den Feuerwehrautos schlafe manch erschöpfter Retter, viele seien Tag und Nacht im Einsatz gewesen.

"Von den Einwohnern versucht jeder, sein Hab und Gut irgendwie zu retten", schildert Beham ihre Eindrücke weiter. Die mitgebrachten Lebensmittel, hauptsächlich Bäckereiprodukte und Getränke, wurden meist direkt an die Helfenden ausgeteilt. "Wenn man auf die nicht direkt mit Essen und Getränken zukäme, würden sie von sich aus keine Brotzeitpause machen. So intensiv sind alle bei der Sache", so die 23-Jährige, die sich spontan zu der Hilfsaktion entschieden und über Facebook zu Spenden aufgerufen hatte.

Die junge Frau freut sich aber auch darüber, dass sie nicht die einzige gewesen ist, die auf die Idee gekommen war, die Helfer mit Essen zu versorgen. Am Freitag sei auch eine Lieferung einer regionalen Metzgerei mit Wurstbroten angekommen, die an die dankbaren Helfer ausgeteilt wurden

"Für die Helfer ist noch kein Ende in Sicht", davon ist Tina Beham nach ihrem Besuch in Simbach überzeugt. "Händeringend" werde nach Verstärkung gesucht, denn immer mehr gebe es zu tun. Gleichzeitig nehme die Zahl der freiwillig Helfenden ab. Beham vermutet, das läge am langsam abflauenden medialen Interesse an der Flutkatastrophe. Sie betont aber, dass gerade jetzt Freiwillige gebraucht werden.

Ob sie selbst noch einmal nach Simbach fahre, hängt ganz davon ab, wie viel Spenden sie weiterhin zusammen bekommt. Würde der Sprinter noch mal voll, würde sie erneut losfahren.

Wer privat mit seiner Zeit, Sachspenden oder Lebensmitteln helfen möchte, der kann sich Tina Beham zufolge aber auch direkt an das Mutter-Kind-Haus in Arnstorf und dessen Leiterin Ela Kattinger wenden, die Beham bei ihrer Aktion tatkräftig unterstützt hatten. Zu erreichen ist die Einrichtung unter Telefon (08223) 25 26.

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Quelle:
SZ vom 07.06.2016
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