Das wird sportlich … Keine vier Tage, bis die Öffentlichkeit Gelegenheit hat, beim Tag der offenen Tür einen Blick ins komplett runderneuerte Ebersberger Hallenbad zu werfen, doch im Eingangsbereich stehen noch allerlei Gerätschaften und Handwerker wuseln durch die Räume. „Morgen wird geputzt“, sagt Christian Stalla, Leiter der Hochbauabteilung der Kreisstadt, bevor er mit erkennbarem Stolz durch die beeindruckende Technik im Keller führt.

Auch wenn dieses Areal am Samstag nicht zum Besichtigungsprogramm gehört, wird es noch genügend zu bestaunen geben, in Schwimmhalle, Umkleiden, Duschen und dem rollstuhl- und kinderwagengerechten Eingangsbereich, der den Badegästen in verheißungsvollem Rot entgegen leuchtet.
Bei der Farbgebung (der Herrenbereich ist blau, die Damen dürfen sich vor grünem Hintergrund umziehen und duschen) habe man sich von den Original-Farbtönen der Olympischen Spiele 1972 leiten lassen, erläutert Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) beim Weg in die Badehalle. Dank der bodentiefen Fensterfronten ist sie lichtdurchflutet, was einen guten Blick auf die Kunstwerke an den Stirnseiten ermöglicht.
Diese stammen noch aus dem im Juni 1974 eröffneten Ursprungsbad und wurden bewusst erhalten. Auf den neu lackierten Platten aus Kunststoff und Metall ist jeweils ein Schwimmer abgebildet – einmal beim Rückenschwimmen, einmal beim Kraulen. „Das Gelbe sind Kopf und Körper.“ Wenn man es weiß, sieht man es sofort.




Dann wird Proske ernst. Neben Freude und Stolz ist ihm auch die Erleichterung anzuhören, dass das kostspielige Projekt jetzt endlich zum Abschluss gebracht wurde. „Ja, mit knapp zwölf Millionen war es sauteuer, aber es ist einfach auch ein immenser Mehrwert in Zeiten, in denen allerorten die Bäder zugesperrt werden“, sagt der Rathauschef zur Kostensteigerung, hatte man doch zu Beginn mit 7,1 Millionen Euro kalkuliert. Das jedoch „ohne Edelstahlbecken, PV und Fernwärmeanschluss“, wie Stalla präzisiert. Staatliche Fördermittel gab es nicht, der Zuschuss des Freistaats beläuft sich auf 1,2 Millionen. „Stünden wir bei der aktuellen Haushaltslage vor derselben Entscheidung, müssten wir die Sanierung zehn bis 15 Jahre schieben.“ Dennoch sei dieses Bad von unschätzbarem Wert für Schulen und Vereine, gerade auch im Hinblick auf den diesjährigen Höchststand an Todesfällen durch Ertrinken.
Direkt vor dem neuen Treppen-Zugang in das zehn mal 25 Meter große Becken, das künftig mithilfe einer speziellen Kranvorrichtung auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann, nennt er einige der widrigen Umstände, die die Ausgaben in die Höhe getrieben hatten: Schon der Abbruch des Bades sei aufgrund der in den 70ern verwendeten Mengen an Asbest und teerhaltigen Produkten deutlich teurer geworden als erwartet. „Das musste ja alles rückstandsfrei zurückgebaut werden.“

Aktion gegen Bifeindlichkeit:„Du bist doch bestimmt offen für einen Dreier“
Wer bisexuell ist, hat ziemlich sicher schon mal blöde Sprüche gehört. Mit einer Aktion auf Instagram möchte das Team rund um den Ebersberger Christopher Street Day diese Diskriminierung sichtbar machen.
Sodann habe die Corona-Zeit ihren Tribut gefordert: Die normalerweise als Abfallprodukt von Kerosin gewonnene Dämmstoffe seien kaum - „wenn nichts fliegt, gibt es auch kein Isoliermaterial“ – oder nur zu extrem hohen Preisen verfügbar gewesen. Und für die spezielle Lamellendecke habe man die gefalzten und grundlegierten Teile in England erworben, um sie dann für die gegen Chlor resistente Beschichtung nach Belgien zu schicken, woher sie per Lkw nach Ebersberg transportiert wurden.
Edelstahl statt Fliesen – davon sollen auch künftige Generationen profitieren
Für diese nicht vollflächig geschlossene Decke habe man sich jedoch ganz bewusst entschieden: „Wenn man etwas reparieren muss, kann man die Lamellen einzeln oder über ein paar Meter aushängen und muss nicht die komplette Decke zerstören.“ Und auch die Anschaffung des eine Viertelmillion teuren Edelstahlbeckens statt der ursprünglich geplanten gefliesten Version sei im Hinblick auf die Zukunft erfolgt. Die „nächste, spätestens übernächste Generation“ werde davon profitieren, dass nicht in 15 bis 20 Jahren lockere Fliesen entfernt und entsorgt werden müssen. Stalla fügt hinzu, dass natürlich auch der Krieg in der Ukraine die Gesamtkosten beeinflusst habe.
Die nach und nach steigenden Kosten waren das eine – die auch aufgrund der Probleme bei Projektplanung und Koordination der rund 30 beteiligten Gewerke entstandenen zeitlichen Verzögerungen das andere. Vor allem diesen Aspekt bedauerten nicht nur Schulen und private Nutzer, sondern auch die Vereine. Dazu Michael Krecik vom Schwimmverein Grafing-Ebersberg (SVGE): „Nachdem es ursprünglich hieß, man brauche zwei Jahre für die Sanierung, fällt uns ein Stein vom Herzen, dass es dann jetzt doch endlich losgeht.“ Das liegt nicht nur an den rund 150 ungeduldigen Kindern, die auf den Beginn ihrer Schwimmkurse warten, sondern vor allem an der Bedeutung des Bades für seine Athleten. Die ersten zwei Wettkämpfe der Saison habe er schon canceln müssen, „da brauche ich ohne vernünftiges Training im Vorfeld nicht hinfahren“, erklärt der Schwimmwart, bevor er hinzufügt: „Die hochmotivierten Schwimmer, die am ersten Oktoberwochenende auf eine oberbayerische Meisterschaft fahren, waren auf eigene Kosten und ohne Trainer vorher in Rosenheim und Ottobrunn, um wenigstens ein bisschen ins Wasser zu kommen.“
Die Wasserwacht plant eine neue Kindergruppe
Den aktuellen Leistungsstand ihrer Mitglieder demonstriert der SVGE beim offenen Training am Tag der offenen Tür zwischen 10.30 Uhr und 13 Uhr. Am Verköstigungsstand mit Süßem und Herzhaftem, der ebenfalls vom Verein betrieben wird, kann man sich dann direkt über alle Aktivitäten informieren.
Von 13 bis 16 Uhr übernimmt die Wasserwacht Ebersberg, die Rettungsübungen unterschiedlicher Art zeigt. Der Vorsitzende, Florian Hellmich, ist ebenfalls außerordentlich dankbar, dass Ebersberg mit der Sanierung „gegen den Trend des Bädersterbens arbeitet.“ Die wiedergewonnenen Trainingsmöglichkeiten sollen auch gleich für die Nachwuchsförderung genutzt werden. In Kürze wird es eine Kindergruppe für Acht- bis Zehnjährige geben. Einzige Voraussetzung: „Die Kinder müssen 50 Meter sicher schwimmen können.“ Ein Info-Abend findet am Montag, 30. September, um 18.30 Uhr im BRK-Gebäude, Zur Gass, Ebersberg statt.

Während Schulen, Vereine, VHS, Reha-Sportanbieter und andere Organisationen bereits jetzt mit der Benutzung der beiden Becken beginnen können, müssen sich private Badegäste noch bis zum 15. Oktober gedulden, um in die Fluten aus insgesamt rund 560 000 Liter Wasser zu tauchen. Neben dem großen Becken mit einem Fassungsvermögen von 480 Kubikmetern gibt es im hinteren Bereich noch ein zweites mit rund 80 Kubikmetern Inhalt. Bürgermeister Proske hat bereits verkündet, dass er vorhat, das Hallenbad regelmäßig zu nutzen. „Man muss sich schließlich fit halten.“
Hallenbad Ebersberg, Abt-Williram-Straße 19, Ebersberg: Tag der offenen Tür: Samstag, 28. September, 10.30 bis 16 Uhr. Bis 13 Uhr öffentliches Schwimmtraining des SVGE, der auch für ein kulinarisches Angebot sorgt. Ab 13 Uhr kann man die Wasserwacht Ebersberg in Aktion erleben. Start offizieller Badebetrieb: Dienstag, 15. Oktober, 16 bis 20 Uhr. Danach gelten vorerst folgende Öffnungszeiten: Dienstag von 16 bis 20 Uhr, Mittwoch 15 bis 21 Uhr, Freitag 14.30 bis 21 Uhr und Sonntag 8.30 bis 13 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt vier Euro. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Es gibt auch Zehner-, Monats- und Saison-Karten.

