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Mobilität im Landkreis:ÖPNV in Ebersberg sorgt weiter für Bauchschmerzen

Wer im Landkreis mit dem Bus unterwegs ist, muss oft viel Geduld mitbringen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

MVV-Chef Bernd Rosenbusch und Landrat Robert Niedergesäß informieren über künftige Entwicklungen bei Bus und Bahn.

Wer täglich darauf angewiesen ist, die S-Bahn zwischen Grafing Bahnhof und Ebersberg zu nutzen, oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom südlichen in den nördlichen Landkreis zu gelangen, dem kann vor lauter Frust schon einmal der Magen grummeln: Zugausfälle und Verspätungen, schlechte oder auch gar keine Anbindung - die Liste des Leids scheint endlos lang. Nicht nur Pendler sehen das so, auch für Landrat Robert Niedergesäß (CSU) ist der öffentliche Nahverkehr zu einem "Leib- und Magenthema" geworden. Als Sprecher der acht Landkreise, die im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) integriert sind, informierten er und MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch über den aktuellen Stand und die Zukunft bei Bus und Bahn im Landkreis.

Gut 45 Menschen waren am Donnerstagabend in die Kugler Alm nach Aßlkofen gekommen, um zu hören, was Rosenbusch und Niedergesäß zu berichten haben. Für dieses Mobilitätsforum waren die beiden Männer einer Einladung des CSU-Bürgermeisterkandidaten für Ebersberg, Alexander Gressierer, gefolgt. Das Publikum kam aber nicht nur aus der Kreisstadt, sondern unter anderem auch aus Grafing, Aßling oder Oberndorf. Nachdem Rosenbusch und Niedergesäß nacheinander ihre Vorträge hielten, gab es für die Zuhörer noch Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Bei seinen Begrüßungsworten nannte Gressierer ein Begegnungsgleis zwischen Grafing und Ebersberg, wo S-Bahn und Filzenexpress bislang eingleisig verkehren, als einen zentralen Aspekt beim öffentlichen Nahverkehr im Landkreis. Der Knackpunkt sei nicht, ob die S-Bahn in einem 20-Minuten-Takt fährt, sondern war passiert, wenn sie ein paar Minuten zu spät von München aus kommend in Grafing eintrifft. Oft genug ist es dann der Fall, dass der Zug vorzeitig endet, damit der entgegenkommende Zug in Richtung München und alle darauffolgenden Bahnen nicht auch verspätet fahren. Fahrgäste, deren Ausstiegshaltestelle eigentlich Grafing Stadt oder Ebersberg lautet, stranden dann erst einmal in Grafing Bahnhof.

Dieses Problem griff auch Landrat Niedergesäß auf, der nach Gressierer zum Publikum sprach. "In Grafing ist es zwar wunderschön, aber Manche wollen halt dann doch auch weiter in die Kreisstadt." Deshalb ist für den Landrat klar, dass es auf dieser Strecke, Gressierer nannte es "Nadelöhr", einen Begegnungsabschnitt braucht. Für einen kompletten zweigleisigen Ausbau reiche der Platz nicht aus. Aber insbesondere dann, wenn die Elektrifizierung der Strecke von Ebersberg nach Wasserburg abgeschlossen ist - was wohl mit Eröffnung der zweiten Stammstrecke 2028 sein wird - und die S-Bahn dann auch bis nach Wasserburg fahren wird, brauche es mehr Zuverlässigkeit. Der Landrat ging zwar nicht näher darauf ein, aber dass sich mit einem Begegnungsgleis die Zuverlässigkeit des Fahrplans deutlich erhöhen könnte, zeigt sich am Beispiel Steinhöring, wo im Zuge der Taktverdichtung des Filzenexpresses 2014 ein solches Gleis in Betrieb genommen wurde. Aktuell wird laut Niedergesäß geprüft, ob und wie der Bau eines Begegnungsgleises umsetzbar ist. Später am Abend ergänzte Bernd Rosenbusch, dass damit die Kapazität verdoppelt werden könnte.

MVV-Chef Bernd Rosenbusch kennt die Probleme der störanfälligen S6 genau. Er pendelt selbst mit dieser Linie.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Als der MVV-Chef seinen Vortrag einleitete, sprach er von einem "Qualitätsthema" bei der S-Bahn, "gerade bei der S6", die zwischen Tutzing und Ebersberg verkehrt. Die Gründe hierfür seien vielschichtig und miteinander verkettet. Als erstes bezeichnete Rosenbusch den Großraum München als "eine unglaubliche Pendlerregion". Hauptsächlich liege das daran, dass sich in der Region alles auf München zentriert, "die Kreisstädte sind hier nicht so groß, wie in anderen Regionen", sagte Rosenbusch. Deshalb gebe es so viele Pendler aus dem Umland in die Landeshauptstadt - denn "München ist voll", Wohnen werde immer schwieriger.

Das Problem dabei: In Sachen Gleisausbau, um die wachsende Zahl an Fahrgästen zu transportieren, ist laut Rosenbusch "de facto in den letzten 30 Jahren kaum etwas passiert". Die dafür zuständige Deutsche Eisenbahngesellschaft habe sich stattdessen auf den Fernverkehr fokussiert. Dieses Vorgehen erklärt laut Rosenbusch auch, wieso es so häufig zu Stellwerkstörungen kommt - das fragte ein Zuhörer nach einem Vortrag. "Das Stellwerk München Ost ist 45 Jahre alt", so der MVV-Chef. Klar, dass eine solch alte Infrastruktur immer störanfälliger wird. In diesem Zuge erklärte Rosenbusch auch, dass es wie so oft um Geld gehe: In Deutschland gebe der Bund pro Kopf 64 Euro für die Eisenbahninfrastruktur aus. In der Schweiz etwa seien es 360 Euro; auch in Österreich werde wesentlich mehr investiert.

Bis diese Versäumnisse im Nahverkehr aufgeholt sind, werde es dauern. Trotzdem zeigte sich der MVV-Mann "verhalten optimistisch", dass das Niveau zügig gesteigert werden kann. Kurz- und mittelfristig brauche es dennoch gute Bussysteme, um dem Fahrgastandrang Herr zu werden. Eines der erwähnten Projekte ist ein Ringbus durch die äußeren Äste der S-Bahn-Stationen. Damit müsste ein Fahrgast, der von Ebersberg nach Erding möchte, nicht mit dem Zug erst nach München hinein- und dann wieder hinausfahren. Im Dezember 2021 sollen die ersten Ringlinien fahren, antwortete Rosenbusch auf eine Nachfrage aus dem Publikum.

Nicht ganz so lange wird es dauern, bis ein zweijähriges Pilotprojekt startet. Ab diesem Sommer werden 10 000 Testfahrgäste im gesamten MVV-Bereich eine App benutzen, die per Wisch den Ein- und Ausstieg registriert und anhand dieser Daten automatisch den günstigsten Fahrpreis berechnet. Da werde es aber wohl sicher noch Probleme zu lösen geben, da zum Beispiel im Bereich Grafing Bahnhof der Handyempfang schwierig sei, so Rosenbusch.

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