Eigentlich wollte die Ebersberger Kolpingjugend, wie viele andere Gruppen in ganz Deutschland auch, ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen: Bei einer 72-Stunden-Aktion Ende April fertigten die Mädchen und Jungen zusammen mit etwa 20 Kindern Plakate an, die später an den Ortseingängen der Stadt Ebersberg aufgestellt wurden. Eine dieser zwei Meter großen Holztafeln ist nun von Unbekannten beschmiert worden. Ursprünglich stand dort zu lesen: "Frieden ist, wenn Herkunft egal ist." Das Wort "Frieden" allerdings haben die offenbar aus dem rechtsextremen Milieu stammenden Schmierfinke durch "Invasion" ersetzt. Bei der Kolpingjugend ist man fassungslos angesichts dieses geschmacklosen Vandalismus.
Von 6. bis 12. Mai standen die Plakatwände am Ortseingang der Kreisstadt. In der Nacht bevor sie wieder abgebaut werden sollten, machten sich der oder die unbekannten Täter daran zu schaffen."Aus der Ferne betrachtet, konnte man kaum erkennen, dass ursprünglich etwas anderes auf dem Schild stand", sagt Raphael Gigler von der Kolpingjugend. Nach den rechtsradikalen Straftaten bei einer Vorsilvesterparty in Neuhausen sei dies nun der nächste Vorfall in kurzer Zeit. Damals war ein 23-jähriger Besucher des Stadelfestes mit rechtsradikalen Sprechchören aufgefallen. Laut Zeugenangaben soll er per Mikrofon "Sieg" in die Menge gerufen haben, einige Gäste hätten daraufhin mit "Heil" geantwortet.

Solchen Umtrieben stellt sich die Ebersberger Kolpingjugend entschieden entgegen. "Uns ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass Rechtsradikalismus und -extremismus nicht nur in anderen Städten und Bundesländern ein Thema sind, sondern auch uns betrifft", sagt Raphael Gigler. Just dagegen wollte die Kolpingjugend mit ihren Plakaten ein Zeichen setzen. Zu der 72-Stunden-Aktion im April war sogar Kardinal Reinhard Marx in das Ebersberger Pfarrheim gekommen, um die Jugendlichen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
Im Rahmen des Projekts wurde auch der Film "Kästner und der kleine Dienstag" gezeigt und anschließend mit den Teilnehmern besprochen. Dieser spielt in der Zeit des Nationalsozialismus und schildert die Freundschaft zwischen Autor Erich Kästner und dem Jungen Hans-Albrecht Löhr. Der Film ist "nicht ganz ohne", wie Mit-Organisator Fabian Gruber damals sagte. Er sei jedoch gut dazu geeignet, zusammen mit der anschließenden Diskussion in das Thema einzuleiten. Mit dem beschmierten Plakat ist diese Diskussion nun auch über die Kolpingjugend hinaus in der Kreisstadt angekommen.

