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Ebersberg:Die Radl-Rambos im Unterholz

Der Ebersberger Stadtwald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, in jüngster Zeit gibt es aber Probleme mit Mountainbikern (Symbolfoto).

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Forst bei Ebersberg häufen sich Konflikte mit Mountainbikern. Schilder sollen helfen - für Unbelehrbare gibt es aber auch andere Methoden.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Der Stadtwald rund um Aussichtsturm und Waldmuseum im Norden Ebersbergs ist ein beliebtes Ziel für diverse Freizeitaktivitäten - in jüngster Zeit gibt es aber immer wieder Konflikte unter den Nutzern. Wie am Dienstag am Rande eines Lokalaugenscheins des Stadtratsausschusses für Umwelt, Soziales und Kultur in das Waldstück an der Ludwigshöhe zu erfahren war, hat es in den vergangenen Wochen gehäuft Ärger mit Mountainbikern gegeben. Besonders besorgniserregend ist, dass dabei auch Kinder des Waldkindergartens betroffen waren.

Laut Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) sei es bereits des öfteren zu gefährlichen Situationen gekommen, etwa dass die Mountainbiker ziemlich nahe an spielenden Kindern vorbeiflitzen. Bisher sei es zum Glück noch zu keinem Unfall gekommen, aber wenn die Biker an unübersichtlichen Stellen vorbeirasen, während nebenan die Kinder zwischen den Bäumen Verstecken spielten, sei dies auf jeden Fall unverantwortlich.

Leider seien zumindest einige der Freizeitradler komplett unbelehrbar, "die werden richtig böse", so Proske, wenn man versuche, sie zu mehr Rücksicht zu ermahnen. Einige Pöbeleien habe es da bereits gegeben, so der Bürgermeister. Er schilderte auch einen Vorfall mit einer Erzieherin des Waldkindergartens, diese hatte einen Mountainbiker auf sein Verhalten hingewiesen und sei daraufhin von diesem bedrängt worden, fast sei er ihr über den Fuß gefahren.

CSU-Stadtrat Martin Schedo äußerte die Vermutung, dass es sich bei den Problembikern um Auswärtige handelt. Denn gleich in der Nähe befindet sich der Bikepark des TSV Ebersberg - dessen Nutzer seien bisher nicht als Radl-Rambos aufgefallen. Josef Riedl (CSU) vermutete, dass sich diese gegenseitig in sozialen Netzwerken auf Strecken, wie etwa im Stadtwald, aufmerksam machen, die GPS-Daten verschicken und dann heiße es "Radl ins Auto und los".

Dass sich der Stadtwald bei Mountainbikern einer gewissen Beliebtheit erfreut, liegt sicher auch an der Topografie. Das Gelände ist recht hügelig, es gibt tiefe Senken, in denen Sprünge und andere Kunststückchen möglich sind. Zudem ist der Wald für Tourismus und Naherholung, die in und um die Kreisstadt eine Tradition haben, gut erschlossen, es gibt zahlreiche Wege und Parkmöglichkeiten am Waldrand.

Genau wie an vielen Stellen rund um die Kreisstadt, manchmal sind es darum nach Ansicht der Ebersberger auch etwas zu viele Erholungssuchende. So diskutierte der Stadtrat bereits Anfang dieses Jahres auf Antrag der Grünen über verschiedene Vorschläge, wie es gelingen könne, den Strom der Ausflügler in geregelte Bahnen zu lenken. Neben einer besserer Anbindung an den Nahverkehr, beziehungsweise mehr Hinweise auf dieses Angebot, um den Parkdruck auf die Natur etwas zu entlasten, wurde auch über eine Beschilderung beraten. Ähnlich wie es sie etwa am Steinsee gibt, könnten auch in den Naherholungsgebieten rund um die Kreisstadt Hinweisschilder aufgestellt werden. Diese sollen die Besucher darüber informieren, was sie an der Stelle unterlassen sollten und warum, etwa weil es dort geschützte Vogelarten oder seltene Pflanzen gibt. Laut Bürgermeister Proske ist es vorstellbar, auch in bestimmten Bereichen des Stadtwaldes entsprechende Schilder aufzuhängen, die das Mountainbiken dort untersagen.

Es gibt aber auch ganz praktische Möglichkeiten, wie man Unbelehrbaren das Radeln über Stock und Stein etwas verleiden kann - und das sogar noch mit ökologischem Mehrwert. Wie Revierförsterin Astrid Fischer erläuterte, will man im Stadtwald die Artenvielfalt fördern, darum bleibt dort auch viel Totholz liegen. Meist ohnehin in den Senken, die dann für Mountainbike-Sprünge ausfallen, aber auch an Stellen, die von den Radl-Rambos im Unterholz genutzt werden: "Wir versuchen, diese Strecken zuzumachen", so Fischer, was bislang auch ganz gut funktioniere. Denn im Gegensatz zu anderen Wäldern in der Region seien die Mountainbiker noch nicht als Streckenbauer tätig geworden, auch die Stämme und Äste seien bislang nicht zersägt oder weggeschafft worden.

Eduard Zwingler (FW) wollte noch wissen, was man dort macht, wo Wege offen bleiben müssen, allen voran die Rückegassen für die Forstwirtschaft. Diese seien auf den ersten Blick zwar durchaus einladend für Mountainbiker, sagte Fischer. Schließlich sind es lange und meist ziemlich gerade Schneisen mit einigen Höhenunterschieden. Allerdings seien sie zum Radeln nur sehr bedingt geeignet. Denn um die Verdichtung des Waldbodens so gering wie möglich zu halten, würden die Rückegassen mit sogenannten Matten versehen. Das sind etwa Äste und Zweige, die über die Wege verteilt werden, so dass die schweren Maschinen etwas abgefedert werden und nicht so stark einsinken. Was für einen tonnenschweren Harvester auch kein großes Problem ist - wohl aber für ein Radl, auch wenn es ein Mountainbike ist: "Das ist zum Fahren nicht gut geeignet."

© SZ vom 22.07.2021/koei
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