Jugend und Alkohol:"Das ist gelebte Prävention"

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Jugend und Alkohol: Auf dem Grafinger Volksfest scheinen die Präventionsmaßnahmen zu fruchten. Das ist sonst aber nicht immer der Fall.

Auf dem Grafinger Volksfest scheinen die Präventionsmaßnahmen zu fruchten. Das ist sonst aber nicht immer der Fall.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bei der Ebersberger Polizei ist man mit dem bisherigen Verlauf des Grafinger Volksfestes zwar recht zufrieden. Dennoch wird Vandalismus von Jugendlichen allgemein zu einem immer größeren Problem.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg/Grafing

Die Befürchtungen, das Grafinger Volksfest könnte in diesem Jahr etwas aus dem Ruder laufen, waren durchaus vorhanden - und sie waren nicht unbegründet, wie auch Ebersbergs Polizeichef Ulrich Milius nun einräumt: "Die Sorge, dass sich da was angestaut hat, war schon da." Milius spielt auf die zweijährige Corona-Pause für Volksfeste und ähnliche Veranstaltungen an, die am vergangenen Wochenende im Landkreis Ebersberg mit der Eröffnung des "Grandauers" ihr Ende gefunden hat. Bislang jedoch verläuft das Volksfest sehr friedlich, selbst an den gut besuchten Tagen hat die Polizei wenig Schwierigkeiten mit randalierenden Jugendlichen - was sonst nicht immer der Fall ist.

Dass aber gerade die Volksfest-Zeit so problemlos über die Bühne geht, führt Milius auf die starke Polizeipräsenz vor Ort und die gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt zurück. Dieses hat auf dem Festgelände einen sogenannten Präventionscontainer aufgebaut, wo Jugendliche für die Gefahren von Alkohol sensibilisiert werden sollen. Das klappt offenbar ganz gut, denn auch vor und am Feiertag habe es keine größeren Zwischenfälle gegeben, wie der Ebersberger Dienststellenleiter am Freitag sagt. Dass das Jugendamt so aktiv den Kontakt zu den Heranwachsenden sucht, begrüßt er sehr. "Das ist gelebte Prävention", so Milius, der mit dem bisherigen Verlauf des Grafinger Volksfestes sehr zufrieden ist.

Jugend und Alkohol: Der Ebersberger Polizeichef Ulrich Milius ist mit dem bisherigen Verlauf des Volksfestes sehr zufrieden.

Der Ebersberger Polizeichef Ulrich Milius ist mit dem bisherigen Verlauf des Volksfestes sehr zufrieden.

(Foto: Christian Endt)

Während die Prävention hier also Früchte trägt, würde sich der Polizeichef mehr vorbeugende Maßnahmen auch außerhalb der Festzeit wünschen. Denn im Allgemeinen nehme Vandalismus durch Jugendliche immer stärker zu. "Das ist ein Phänomen, das schon seit mehreren Jahren zu beobachten ist." Auch im Landkreis gibt es immer wieder Fälle, bei denen Heranwachsende Sachen beschädigen oder öffentlich Plätze verwüsten. Erst Anfang Mai meldete die Ebersberger Polizei zwei Vergehen aus Kirchseeon, bei denen am Kinderhort und an der Grundschule eine Tischtennisplatte umgestoßen und ein Trampolin angezündet worden ist - versehen mit dem Hinweis: "Derartige Vorfälle häufen sich in den letzten Wochen."

Laut Milius trete das Problem von Sachbeschädigung im öffentlichen Raum vor allem in den Gemeinden entlang der S-Bahn-Linie auf. Bei den Zusammenkünften der Jugendlichen sei meist Alkohol im Spiel, was dann irgendwann dazu führe, dass Flaschen zerschlagen und Gegenstände beschädigt werden. Warum solche Zwischenfälle in jüngster Zeit gehäuft vorkommen, kann Milius nicht sagen. "Wir können uns da auch keinen Reim darauf machen. Vielleicht hat das noch mit dem Frust durch Corona zu tun", mutmaßt der Ebersberger Dienststellenleiter, der allerdings auch keine Spaßbremse sein will. Es spreche überhaupt nichts dagegen, dass Jugendliche sich treffen, so Milius, selbst wenn sie ihren Müll danach nicht feinsäuberlich wegräumen. "Das war vor 30, 40 Jahren schon so. Die Frage ist eher, muss ich dabei mutwillig was kaputtmachen?"

Die Polizei will verstärkt auf die Jugendlichen zugehen

Diesen Unterschied will die Polizei den Heranwachsenden nun im Rahmen ihrer Präventionsmaßnahmen verstärkt näherbringen. Dazu wollen die Beamten auch an Schulen gehen, um die Jugendlichen für das Thema zu sensibilisieren. "Wir müssen ihnen sagen, macht euch Gedanken", so Milius. Zum Beispiel sei es nicht gerade günstig, eine verschmierte Hauswand zu reinigen. Die Heranwachsenden sollen deshalb verstehen, dass man das Geld vielleicht an anderer Stelle sinnvoller einsetzen könnte.

Dass Prävention funktionieren kann, hat nun das Grafinger Volksfest gezeigt. Noch bis einschließlich Dienstag hat das Zelt in der Bärenstadt geöffnet - auf die Ebersberger Polizei wartet also noch ein bisschen Arbeit. Bleibt aber alles wie bisher, sollte diese gut zu bewältigen sein.

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