Ebersberg/Poing:Schöne Illusion

Zwei junge Frauen waren als Christkinder im Einsatz

Von Sara Kreuter, Ebersberg/Poing

"Eigentlich ist ja alles eine Lüge", sagt das Poinger Christkind Fabienne Junga, "aber eine, die man gerne erzählt." "In dem Kostüm wird man plötzlich zu jemand Besonderem", bemerkt das Ebersberger Christkind Laura Spitzer. Beide Mädchen haben in diesem Jahr die Symbolfigur der Weihnachtszeit verkörpert. Und obwohl sie sich auf die gleiche Tradition berufen, haben sie ihre Aufgaben unterschiedlich ausgefüllt - was auch der Mentalität in der jeweiligen Gemeinde geschuldet ist.

Beide Christkinder sind blond gelockt, sympathisch und stolz auf die Figur, die sie repräsentieren durften. "Herzlich, kinderlieb und fröhlich" sind Eigenschaften, die beide einem Christkind zuschreiben würden - und sich selbst. Fabienne Junga hat vor wenigen Monaten eine Ausbildung zur Industriekauffrau angefangen. Die 16-Jährige ist das erste Christkind Poings, allerdings schon im zweiten Jahr. Laura Spitzer aus Ebersberg ist 19 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Sie steht in einer langen Tradition von Ebersberger Christkindern. Eines davon war ihre Firmpatin - so habe sie damals herausgefunden, dass es das Christkindl gar nicht wirklich gibt, berichtet sie. Osterhase, Nikolaus, Weihnachtsmann - "ich habe an sie alle geglaubt", erinnert sich Laura, "aber das Christkindl war mir immer schon das Liebste, weil es an Weihnachten die Geschenke bringt".

Ebersberg/Poing: Fabienne Junga.

Fabienne Junga.

(Foto: privat)

Beide Mädchen haben sich vorgenommen, ihre Rolle möglichst überzeugend zu spielen, um den Zauber von Weihnachten noch lange in den Herzen der Kinder zu erhalten. "Die Leute sollen mir abkaufen, dass ich das echte Christkind bin", bekräftigt Fabienne. In den meisten Fällen habe das geklappt: "Die Kinder haben mich bewundert, fast sogar vergöttert", beschreibt Christkind Laura. "Die wollten Fotos mit mir machen und haben mir von ihrem Wunschzettel erzählt."

Vier große Auftritte hatte sie auf dem Ebersberger Christkindlmarkt, allesamt gut durchgeplant und strukturiert. Zu Beginn ist sie aus einem Fenster auf den Balkon am Rathaus geklettert und hat sich den Ebersbergern präsentiert. Der evangelische Pfarrer Edzard Everts hat eine Rede für sie verfasst, kunstvoll gereimte Verse sprechen von Weihnachten als Fest der Liebe.

Weniger professionell organisiert, aber nicht minder aufrichtig spricht Fabienne in Poing über die Dankbarkeit in der Weihnachtszeit. Sie hat viele kleine Auftritte absolviert, auf einem Fußballturnier, bei der Nikolausfeier der Freiwilligen Feuerwehr, auf dem Christkindlmarkt und im Seniorenheim. Letzteres hat sie tief berührt - "es ist so schön, dass man den älteren Menschen mit einem kleinen Besuch eine echte Freude machen kann", beschreibt Fabienne. Stets hat sie bei ihren Auftritten ihre Blockflöte dabei - und die kleine Schwester, als Weihnachtsengel verkleidet.

Ebersberger Christkind Laura Spitzer

Mit ihren blonden Locken und ihrer sympathischen Ausstrahlung entsprechen Laura Spitzer der Vorstellung vieler Mädchen und Buben vom Christkind.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der einzige Wermutstropfen sei, dass ihre Schwester dadurch erfahren habe, dass es das Christkind gar nicht wirklich gibt, berichtet Fabienne. Die 16-Jährige hat fünf Geschwister, der Glaube an das Christkind ist Familientradition. Auch Laura wurde einmal erkannt. Nicht auf dem Christkindlmarkt, aber an dem Sonntag danach. Ein kleines Kind habe sie in der Kirche lange angestarrt. Schließlich habe es seiner Mama zugeflüstert, sie sehe aus wie das Christkindl. "Macht aber nichts", beschließen die beiden, so viele andere Kinder haben ihnen geglaubt.

Nachdem Fabienne und Laura in den vergangenen Wochen vor allem andere beschenkt haben, freuen sie sich jetzt auf das Weihnachtsfest. "Zeit mit der Familie und gemeinsames Musizieren" sind für Fabienne das Schönste am Weihnachtsabend; Laura freut sich vor allem auf "Zeit mit der Familie und gutes Essen". Und obwohl beide in diesem Jahr Teil der Weihnachtsindustrie waren, hat das Weihnachtsfest für die Mädchen dadurch kein bisschen von seinem Zauber verloren. Im Gegenteil: "Für mich wird Weihnachten in diesem Jahr ganz besonders, weil ich das Gefühl habe, ein Teil zu der schönen Stimmung beigetragen zu haben", beschreibt Laura. Und irgendwie sei das Ganze somit ja doch keine Lüge. Das Christkind lebt in der Tradition, in dem Glauben der Kinder und in den Verkörperungen auf Christkindlmärkten. "Streng genommen gibt es das Christkindl also wirklich", bemerkt Fabienne.

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