Klimapartnerschaft:Fliegen für den guten Zweck

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Um die geplante "Klimapartnerschaft" mit Leben zu füllen, muss eine Gruppe Jugendlicher aus Ebersberg auf die Philippinen reisen. Denn die persönliche Erfahrung vor Ort ist durch nichts zu ersetzen.

Kommentar von Andreas Junkmann

Ziemlich genau 10 150 Kilometer liegen zwischen der Kreisstadt Ebersberg und der philippinischen Hauptstadt Manila. Fast noch größer dürften für die Jugendlichen, die sich auf das Abenteuer der "Klimapartnerschaft" einlassen, aber die Unterschiede in Sachen Kultur und Lebensumstände der beiden Länder sein. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Reise ans andere Ende der Welt - allerdings eine, die sich für beide Seiten lohnen soll. Gemeinsam wollen sich Delegationen aus dem Landkreis Ebersberg und der Kleinstadt San Fernando für Projekte gegen den Klimawandel einsetzen und diesem somit auf lokaler Ebene die Stirn bieten.

Es ist eine Idee, die so simpel ist, dass sie auch nur auf diese Weise funktionieren kann. Viel zu groß sind auf der großen weltpolitischen Bühne die bürokratischen Hindernisse, um solch eine unbürokratische Zusammenarbeit innerhalb kürzester Zeit auf die Beine zu stellen. An einem Vorhaben, an dem es nüchtern betrachtet also rein gar nichts auszusetzen gilt, haben einige Lokalpolitiker aber dann doch das sprichwörtliche Haar in der Suppe gefunden: die lange Flugreise und den damit verbundenen Ausstoß von CO2.

Dieser würde etwa 200 Tonnen für den nun geplanten Austausch betragen, wie etwa Grünen-Kreisrat Thomas von Sarnowski spontan in der Sitzung ausrechnete, um dann zu fragen, ob denn nicht auch ein etwas näheres Land für die Partnerschaft genügen würde. Nein, das würde es nicht. Um mit eigenen Augen zu sehen, wie die großen Industrienationen tagtäglich den Klimawandel vorantreiben, müssen die Ebersberger Jugendlichen diese lange Reise auf sich nehmen. Denn eine solche Erfahrung kann schlicht nicht durch eine Konferenz im digitalen Raum ersetzt werden.

Die grundsätzliche Kritik einiger Kreisräte an Flugreisen ist indes natürlich berechtigt. Doch es gilt schon zu unterscheiden, ob sich eine Gruppe Jugendlicher für wenige Euro in den Billigflieger nach Mallorca setzt oder sich freiwillig der drängendsten Frage unserer Zeit widmet, auf die die Politik bis heute keine Antwort gefunden hat.

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