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Ebersberg:Nur über meine Leine

Thomas Fichte, 50, arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Trainer und betreibt eine Hundeschule in Ebersberg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Thomas Fichte ist seit über 20 Jahren Hundetrainer. Für das offizielle Zertifikat müsste er trotz seiner Erfahrung eine Prüfung ablegen. Dagegen weigert sich der Grafinger vehement.

Von Max Nahrhaft, Ebersberg

Thomas Fichte ist wütend. Eigentlich würde er sich gerade lieber mit seiner Leidenschaft, der Erziehung und Ausbildung von Hunden, befassen. Doch stattdessen muss der Grafinger sich seit fast drei Jahren mit der bayerischen Staatsregierung herumärgern, um seinen Beruf als Hundetrainer weiterhin ausüben zu dürfen. Wer nämlich in Bayern gewerbsmäßig Hunde ausbilden möchte, benötigt eine Genehmigung des Veterinäramtes. So schreibt es ein Bundesgesetz vor, das die bayerische Landesregierung vor drei Jahren umgesetzt hat. Diese Genehmigung wird seitdem nur erteilt, wenn man eine dreiteilige Prüfung bestanden hat. Nur wer "Fachkenntnis" und "langjährige Praxis" nachweisen kann, bleibt von der Prüfung verschont.

Darauf wollte sich auch Fichte berufen. Am Ortsrand von Ebersberg betreibt der 50-Jährige seit nunmehr zehn Jahren eine Hundeschule. Dennoch wurde ihm die offizielle Zulassung verweigert. Und das obwohl er aus seiner Sicht durchaus die Kriterien für eine Ausnahmeregelung erfüllen würde: Über 20 Jahre Berufserfahrung, unzählige Fortbildungen und Wissen, das er sich über Fachliteratur aneignete. "Davon wird nichts anerkannt", sagt Fichte.

In dieser Situation ist er nicht alleine. Gemeinsam mit 170 Kollegen aus dem Freistaat reichte er im vergangenen Juli eine Petition in den bayerischen Landtag ein - allerdings ohne Erfolg. Aufgeben will Fichte deswegen aber nicht, seitdem kämpft er weiter für sein Anliegen. Inzwischen hat ihn darin das Ansbacher Verwaltungsgericht bekräftigt: In Urteilen von dort aus dem März wurde zwei Hundetrainern Recht gegeben, die in der selben Sache wie Thomas Fichte geklagt hatten - beide haben nun ihre Genehmigung erhalten.

Fichte überlegt nun, diese - in seinen Augen - Ungerechtigkeit juristisch neu aufzurollen. "Eigentlich sollte man Probleme auch einfacher lösen können, aber zur Not werde ich vor Gericht ziehen", sagt er. Mit einer Klage würde er damit etwas erreichen wollen, was aus seiner Sicht eigentlich gar nicht mehr zu Debatte stehen sollte. Denn schon 2015 bestätigte die CSU-Fraktion im Landtag die Ausnahmeregelung von der Prüfungspflicht. Konkrete Handlungen blieben jedoch bisher aus.

Seinem Unmut über die politisch Zuständigem machte Thomas Fichte kürzlich in einem offenem Brief an die Landtagsabgeordneten der CSU Luft. Darin fordert er sie auf, zu ihren Worten zu stehen, beschloss aber auch als langjähriger CSU-Stammwähler, sich künftig "politisch neu orientieren" zu wollen.

Alleinig das Ebersberger Veterinäramt, so Fichte, verhalte sich sehr kulant. Solange das Veterinäramt keine Genehmigung einfordert, kann er weiterhin als Hundetrainer tätig sein. Wie lange ihm das Amt diesen Spielraum zubilligt, ist wiederum ungewiss. Sicher ist er sich nur in einem: Die Prüfung, die wird er nicht mehr ablegen. "Mir geht es nicht um die Kosten oder den Aufwand", so Fichte. "Ich werde es aus Prinzip nicht machen".

© SZ vom 20.05.2017/koei
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